Costa del Sol und Gibraltar

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In Almerimar fühlen wir uns mittlerweile wie zu Hause. Wir lernen viele Leute kennen und besuchen uns gegenseitig auf den Schiffen. Die noch fehlende Rettungsinsel und ein weiterer Solargenerator werden von der Firma SVB in Bremen pünktlich geliefert. DHL bringt die Pakete direkt an die Haustür bzw. Gangway, die hier auch bei den Engländern Pasorol heißt.

Wir bereiten jetzt auch unseren 5-wöchigen Jahresurlaub in Deutschland vor. Heinz und Brigitte von der Tori bieten sich gleich  beim ersten Zusammentreffen an, uns mit ihrem Auto zum Flughafen zu bringen. Am 24.8 ist es dann soweit, mit viel Gepäck fliegen wir über Mallorca nach Stuttgart. Über Ibiza und Mallorca sehen wir noch einmal einige unserer schönen Ankerplätze aus einer ganz anderen Perspektive.

In Stuttgart werden wir am späten Abend von Ralf abgeholt. Ralf ist nicht nur unser Schwiegersohn, sondern auch der Hauptmanager unserer Heimatbasis und unser Webmaster.

Erst am nächsten Tag können wir Haus und Garten und die Umgebung begutachten. Es sieht gut aus. Besonders angenehm ist das satte Grün, das in Spanien ganz fehlte.

Es folgen viele Besuche von und bei Verwandten, Freunden und Bekannten und es gibt eine Menge zu erledigen. Wie bei vielen Deutschen ist der größte Teil des langen Jahresurlaubs mit Arbeit verbunden. Bei uns sind es Malerarbeiten an Haus und Garage, Arbeiten im Garten und am Teich, Aktivitäten mit Mietwohnungen und die Steuererklärung.

Am 28.9. geht es zurück nach Spanien. Ralf bringt uns zur S-Bahn. Dabei stellen wir fest, dass wir doch wieder reichlich Gepäck bei uns haben. Das Einchecken dauert dann auch 1½  Stunden und kostet 250 EUR, bei 105 kg Gepäck eigentlich ein akzeptabler Preis.

Abends stehen wir schließlich mit dem Gepäck vor unserem Boot. Es ist schmutzig, aber ansonsten unversehrt. Der Taxifahrer meint, dass in dem kleinen schweren Aktenkoffer (33 kg) wohl Gold sein müsse. Sicherheitshalber stelle ich klar, dass es sich nur um Stahl in Form einer Kette handelt.

Es ist immer noch warm in Almerimar, aber nicht mehr so extrem wie im Sommer, eigentlich die richtigen Temperaturen zum Arbeiten. Ich schließe die Montage der Solargeneratoren über dem Bimini ab und lasse bei Max die neue 20 m lange Ankerkette an die vorhandene 50 m lange anschweißen.

Zunächst gab es noch einige Ungereimtheiten bei den Materialtests, die Max mit einem Magnet durchführt. Am Ende bin ich mir dann doch ziemlich sicher, dass die beiden Ketten und das zum Schweißen vorgefertigte Verbindungsglied aus dem gleichen Material sind. Ein Holländer führt das Schweißen unter Schutzgas fachmännisch aus. Jetzt haben wir eine 70 m lange Ankerkette aus einem besonderen Edelstahl, der gegenüber dem üblichen die doppelte Kraft aufnehmen kann.

Als ich mit dem guten Stück wieder am Boot bin, entdecke ich bei der alten Kette zufällig einige schlechte Schweißstellen. Eine genauere Inspektion zeigt, dass im Bereich von 35 bis 50 m mehrere Kettenglieder keine vollkommen geschlossene Schweißnaht haben. Da nützt die beste Kette nichts, wenn nur ein Glied mit einer schlechten Schweißnaht bricht. Mit diesem Problem werde ich mich auf jeden Fall noch etwas beschäftigen.

Unsere Zeit in Almerimar nähert sich dem Ende. Die Marina war für uns aus vielen Gründen nahezu ideal. Es gibt drei Yachtausrüster, eine Edelstahlwerkstatt, einen großen Lebensmittel-Markt (Mercadona), viele Cafes und Restaurants und sonstige Läden. Auch die Liegegebühren sind mit 400 EUR/Monat für spanische Verhältnisse niedrig.

Liegeplatz in Almerimar

Am vorletzten Tag besuchen uns Hans und Christa, Verwandte aus Niedersachsen. Sie haben seit vielen Jahren eine Wohnung östlich von Malaga und werden dort auch den Winter verbringen. Leider können wir sie nicht besuchen, weil sie demnächst für einige Wochen nach Deutschland fliegen.

Am Abend vor unserer Abreise gehen wir mit Erich und Toni von der Eriton, einem schweizerischen Ehepaar, zum wöchentlichen Stammtisch der Deutschsprachigen. Hier lernen wir zum ersten Mal die Tapas kennen. Das sind kleine Imbisse verschiedenster Art, die zu jedem Getränk serviert werden. Wenn man genügend trinkt, kann man auf diese Weise das Abendessen sparen.

Am 6.10. ist es dann endlich soweit, nach 9 Wochen sind wir ab 9 Uhr wieder auf See. Auf der Strecke nach Gibraltar sind für die nächsten Tage schwache bis mäßige Ostwinde vorhergesagt, nur bei Gibraltar soll es stärker wehen. Tatsächlich ist der Wind noch etwas schwächer, so dass wir überwiegend mit Motor fahren müssen. Kurz vor Motril ankern wir am Strand, um das Unterwasserschiff zu inspizieren. Ich gehe nur mit Maske und Schnorchel ins Wasser. Der Bewuchs hält sich in Grenzen. Mit einem Küchenschaber entferne ich die Gewächse am Bug, an der Oberseite des Ruderblattes und an einigen Fehlstellen des Antifoulings am Rumpf. Den Propeller werde ich mir später mit dem Tauchgerät vornehmen. Gegen 18 Uhr ankern wir im Hafen von Motril.

Um unser nächstes Ziel, die Marina Benalmadena, nicht zu spät zu erreichen, verlassen wir Motril 1 ½  Stunden vor Sonnenaufgang. Der Wind ist noch schwächer als gestern, aber das Meer ungewöhnlich aufgewühlt. Ich beschäftige mich mit der Installation eines anderen Navigations-Programms (Demo-Version), das ich von Frank in Almerimar bekommen habe. Frank, der mit seinem Zweimaster Carolina allein in die Karibik fahren will, versteht wenig von PCs, aber viel von Schinken-Herstellung inklusive Räucherung. Sein Schinken schmeckt wirklich hervorragend, und sein Navigationsprogramm gefiel mir auch ganz gut. Jedenfalls war ich nach mehren Durchgängen der Meinung, dass ich genügend Material für die Installation des Programms bekommen hatte.

Trotz der unruhigen Fahrt gelingt es mir schließlich das Programm zum Laufen zu bringen. Ich bin zufrieden. Nicht zufrieden bin ich dann mit dem Empfang in der Marina Benalmadena, es schlägt uns wieder die spanische Arroganz und Bürokratie entgegen. Wir bekommen einen Liegeplatz, aber einen sehr schlechten in der Einfahrt mit extrem hohen Schwell. Der Bereich um die Marina ist ähnlich wie in Almerimar (Marina in der Stadt) aufgebaut, nur ist hier wesentlich mehr Betrieb.

Als wir am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang auslaufen wollen, lässt sich unser Navigationsprogramm Tsunamis nicht mehr starten. Ich ahne etwas und installiere sofort den Ersatzrechner. Wir können auslaufen, doch nach kurzer Zeit fällt das Navigationsprogramm auch auf dem Ersatzrechner aus. Es gelingt mir ein Neustart, aber danach gibt es immer wieder Ausfälle. Schließlich erreiche ich doch einen stabilen Betrieb und finde auch eine mögliche Erklärung für die Ausfälle.

20 sm vor Gibraltar kommt endlich Wind auf. Wir können Segeln und dabei unsere Vorwindtechnik mit ausgebäumter Genua verfeinern. Kurz vor dem Umrunden des markanten Felsens setzen wir die englische Gastflagge. Es ist sehr böig, aber der Wind bleibt unter 25 kn. Wir steuern einen geschützten Ankerplatz hinter dem Rollfeld des Flughafens an. Gegen 19 Uhr fällt der Anker neben einigen anderen Yachten. Zunächst wundern wir uns etwas darüber, dass unsere Nachbarn die spanische Gastflagge führen. Es wird uns aber schnell klar, dass wir über spanischem Grund ankern, etwa 100 m von der Grenze entfernt.

Vor Gibraltar

Die nächsten Tage waren unangenehm. Die Kaltfront eines Tiefdruckgebietes zieht langsam über uns hinweg mit Gewitter, Regen und starkem Wind. Die Gewitter dauern zwei Tage, der Regen drei Tage und der starke Wind vier Tage. Kurzzeitig weht es mit 35 kn, das ist Windstärke 8.

Als die Wolkendecke größere Lücken zeigt und es nicht mehr regnet, machen wir uns auf den Weg nach Gibraltar. Einen Liegeplatz in einer Marina in Gibraltar können wir nicht bekommen. Von den drei Marinas ist eine wegen Bauarbeiten geschlossen und die andern sind für die nächste Zeit ausgebucht.

Gibraltar: Marina, Rollfeld, Ankerplatz

Wir machen unser Schlauchboot wie am Vortag  an einem Fischersteg vor La Linea fest. Plötzlich erscheint die Guardia Civil (Polizei) und rät uns dringend davon ab, das Schlauchboot dort liegen zulassen, weil es in dieser Gegend häufig zu Diebstählen kommt. Da wir auf den gemeinsamen Gibraltar-Besuch nicht verzichten wollen, fahren wir zu dem deutschen Katamaran Avalon, der in der Nähe ankert und die ARC-Flagge fährt, und bitten um eine Überfahrt an Land. Petra kommt unserer Bitte sofort nach, sicher nicht nur weil wir demnächst mit der gleichen Regatta (ARC: Atlantic Ralley for Cruisers) über den Atlantik segeln werden. Unser Schlauchboot bleibt sicher bei der Avalon zurück.

Wir gehen zu Fuß über die Grenze und fahren dann mit dem Bus ins Zentrum. Die Seilbahn zum Gipfel des Felsens, der bekanntlich in der Hand von freilebenden Affen ist, fährt wegen des nach wie vor starken Windes nicht. Zusammen mit anderen Touristen nehmen wir uns ein Taxi und können vom Affenfelsen den herrlichen Blick auf Gibraltar, die Straße von Gibraltar und Afrika genießen. Am interessantesten scheint für alle aber der Umgang mit den Affen zu sein. Die Tiere sind wirklich sehr dreist, einige springen durchs offene Fenster ins Auto und holen sich die Sachen, die für sie wohl gedacht waren, gleich aus den Taschen heraus. 

Naschende Affenmutter mit Kind

Nach dem Besuch des Affenfelsens schlendern wir durch die Main Street zum Market Place. Hier gibt es viele Touristen aus aller Welt und die entsprechenden Läden, Cafes und Restaurants.

In den nächsten Tagen gehen wir wegen des Schlauchboot-Problems separat nach Gibraltar, um verschieden Dinge zu kaufen. Ich gehe auch in die Marinas und sehe dort neben einer Etap 39 die berühmte Gipsy Moth, mit der Chichester als erster Engländer allein die Welt umsegelte. Chichester wurde darauf geadelt und sein Schiff wurde im Maritime Museum in Greenwich ausgestellt, wo wir es vor vielen Jahren gesehen haben. Mittlerweile ist die Gipsy Moth total restauriert ( Bericht in der Yacht) und mit Jugendlichen wieder auf Fahrt.

Damals in Greenwich kam mir die Gipsy Moth klein vor. Jetzt muss ich feststellen, dass sie um 15 Fuß länger ist als unsere Etap 39.

 

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