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Die Bucht Portinatx im Norden von Ibiza ist eine der schönsten, die wir dieses Jahr kennen gelernt haben. Natürlich gibt es auch hier Tourismus, aber er ist vom Boot aus gut erträglich. Es gibt mehrere kleine Strände, Hotels, Restaurants, kleine Supermärkte und andere Läden. Etwa 15 Boote ankern hier in glasklarem und fischreichem Wasser. Wir bleiben vier Tage in dieser Bucht und genießen dabei auch die abendlichen Landgänge. In der britischen Atmosphäre mit leicht karibischem Einschlag fühlen wir uns sehr wohl.
Bucht Portinatx, Ibiza
Unsere nächste Station auf Ibiza, San Antonio, ist das genaue Gegenteil: lange Strände, große Hotels, Massentourismus und laute Musik bis zum frühen morgen. Wir ankern vorm Hafen und gehen gar nicht erst an Land. San Antonio ist für uns nur ein Sprungbrett zum spanischen Festland.
Am 23.07. verlassen wir kurz vor 7 Uhr San Antonio in Richtung Calpe. Der Wind (SE) ist zunächst schwach, nimmt dann aber ständig zu, so dass wir den größten Teil der 75 sm schnell segeln können. Kurz nach 18 Uhr erreichen wir Calpe. Da es mittlerweile mit 5 Bft weht und die Ankerplätze bei Calpe sehr offen sind, versuchen wir einen Platz im Hafen beim Club Nautico zu bekommen. Nach einiger Zeit wird uns tatsächlich ein Platz zugewiesen. Es ist kein guter Platz, aber das schwierige Anlegemanöver gelingt dann doch einigermaßen gut.
Nun sind wir richtig in Spanien, an der Costa Blanca. Über die spanische Küste wird viel Negatives berichtet, auch auf dem Weg hierher haben wir von Seglern wenig Gutes gehört: lange Strände mit Hochhäusern, keine Buchten, wenig freie Liegeplätze in den Häfen. Alles Vorurteile? Nein, die Realität ist noch viel schlimmer. Hier in Calpe wissen wir das allerdings noch nicht, wir können es nur ahnen.
Der Strand um den Hafen von Calpe ist zugebaut mit Hochhäusern in mehreren Reihen. Wir suchen einen Lebensmittelladen, vergebens. In den Hochhäusern gibt es Restaurants, Cafes und andere Läden, viele Anlagen haben auch einen eigenen Pool. Lebensmittel, so erfahren wir schließlich, kann man aber nur im 5 km entfernten Ortszentrum kaufen. Brot gibt es allerdings auch morgens in einem der Cafes.
Was wir in Calpe sehen, erinnert uns an amerikanische Städte in Kalifornien und Florida. Hohe Häuser, breite Straßen, großzügige Anlagen und nur sehr wenige Menschen. Auch die Strände sind nur schwach besucht.
Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Süden. Der Wind ist schwach und wir fahren überwiegend mit Motor. Die Küste ist lückenlos mit Hochhäusern bebaut, gestaffelt in mehreren Reihen. An den langen Stränden sind aber nur wenige Menschen zu sehen. Nach einiger Zeit verschwindet die Küste, die jetzt ungefähr 5 sm entfernt ist, im Dunst. Stundenlang sehen wir kein einziges Wasserfahrzeug, obwohl die bewohnte Küste so nah ist. Eine solch unheimliche Situation haben wir bislang nur in Albanien erlebt.
Gegen 17.30 Uhr laufen wir in den Hafen von Santa Pola ein. Wir wollen im Club Nautico anlegen und sehen dort auch viele freie Plätze. Da niemand auf uns zu kommt, fragen wir über Funk (UKW, Kanal 9) nach freien Plätzen. Wir bekommen keine Antwort, zumindest nicht in der in der Seefahrt üblichen englischen Sprache. Nach einiger Zeit kommt dann doch jemand in unsere Nähe und ruft uns "no posible" zu. Das verstehen wir auch ohne nennenswerte Spanischkenntnis, zumal die Aussage durch unmissverständliche Handzeichen verstärkt wird.
Da in spanische Häfen generell Ankerverbot herrscht, suchen wie eine freie Lücke an einer der Kaimauern. Wir finden auch eine und beginnen mit dem Anlegemanöver. Wenige Meter vor unserem Ziel werden wir unwirsch von einem Mann mit dem Hinweis "privado, no posible" vertrieben.
Schließlich ankern wir in der Nähe eines Schwimmbaggers, von dem sich gerade ein mit Schlamm beladener größerer Frachter entfernt hat. Die Lage wird nur brenzlig, als der Frachter spät abends zurück kommt und in der Nähe des Schwimmkrans festmachen will. Glücklicherweise kommt jemand von der Hafenbehörde und vertreibt den Frachter. Unser verbotenes Ankern im Hafenbecken wird offensichtlich toleriert.
Unser nächstes Ziel ist die Marina Thomas Maestre am Eingang zum Mar Menor. Das ist eine der wenigen Marinas, die auf meine unzähligen E-Mails Anfang des Jahres geantwortet haben.
Die Fahrt entlang der Küste ist ähnlich wie am Vortag: wenig Wind, viel Maschinenfahrt und eine endlose Kette von Hochhäusern. Beim Anblick der Küste tauchen viele Fragen auf. Die Hauptfragen für uns sind: für wen wurde das gebaut und wer hält sich dort auf? Auf dem 150 km langen Küstenabschnitt (Costa Blanca), den wir bislang gesehen haben, lässt sich bestimmt die gesamte Bevölkerung Spaniens unterbringen.
Am frühen Vormittag nähern wir uns dem Mar Menor, einem Binnengewässer von 20 km Länge und 10 km Breite. Es ist durch einen schmalen Sandstreifen vom Meer getrennt und kann nur bei Thomas Maestre über einen schmalen Kanal angelaufen werden. Beim Anlaufen wundern wir uns über die vielen Hochhäuser. Wir hatten hier so etwas wie ein Naturschutzgebiet erwartet. Es ist unglaublich, der schmale Sandstreifen ist fast vollständig mit Hochhäusern bebaut, und in den wenigen Lücken stehen bereits die Baukräne, um das Werk zu vollenden.
Bei Thomas Maestre wollen wir im Vorhafen ankern. Den Vorhafen nach unseren Plänen gibt es jedoch nicht, weil mittlerweile mehrere Spundwände errichtet worden sind. Deshalb laufen wir zum Kanaleingang und rufen über Funk die Marina an, die auf der Binnenseite liegt. Es kommt keine Antwort, zumindest nicht in englisch. Den Kanal kann aber man erst durchfahren, wenn die Drehbrücke geöffnet ist. Auch der Control Tower der Drehbrücke antwortet nicht auf unsere Fragen. Schließlich fahren wir zurück und ankern zwischen den Spundwänden.
Um 19.30 werden wir unmissverständlich aufgefordert, unseren Ankerplatz zu verlassen. In solchen Fällen sprechen Spanier plötzlich auch englisch. Mittlerweile kennen wir die Öffnungszeiten der Drehbrücke und schaffen gut die nächste Durchfahrt um 20.00 Uhr. Wir fahren an der Marina vorbei ins Mar Menor und ankern vor einer der Inseln im Südteil. Es ist ein schöner Ankerplatz in der Natur, außer uns liegt nur noch ein Engländer hier.
Am nächsten Morgen verlassen wir bei der ersten Öffnung der Drehbrücke (8 Uhr) das Mar Menor.
Unser Ziel ist das 60 sm entfernte Aguilas. Der Wind ist schwach, aber das Meer stark bewegt. Wir fahren wieder größtenteils mit Motor. Zum ersten Mal sehen wir an der Küste keine Hochhäuser. Die Küste ist für eine Bebauung und zum Baden einfach zu steil. Gegen 18 Uhr erreichen wir Aguilas. Wir fragen nicht mehr nach einem Liegeplatz im Club Nautico, sondern ankern gleich im Hafen vor dem Bojenfeld. Der Ankerplatz ist zwar nach Südosten offen, etwas besseres gibt es aber nicht. In den teuren Hafenhandbüchern sind die Bojenfelder, die immer im geschützten Bereich liegen, leider selten erwähnt. Für die Ankerlieger bleiben immer nur die ungeschützten Plätze übrig.
Aguilas, auf deutsch Adler (plural), ist eine ganz normale und eigentlich auch schöne Stadt. Es gibt einen ursprünglichen Stadtkern mit Geschäftsstrassen und schönen schattigen Plätzen mit Brunnen, Palmen und anderen subtropischen Pflanzen. Hier fühlen wir uns wohl und bleiben zwei Tage.
Unser nächstes Ziel Garucca ist nur 18 sm entfernt. Als wir Aguilas am 28.7. verlassen, sehen wir, dass auch hier die Küste lückenlos zugebaut ist. Die Anlagen haben hier aber nur 3-4 Stockwerke und wirken deshalb nicht ganz so hässlich wie an der Costa Blanca.
In Garucca fragen wir mal wieder nach einem Liegeplatz, es gibt natürlich keinen. Also ankern wir wieder. Der Hafen ist nach Süden offen und hat einen langen Kiesverladekai, an dem Bagger und LKW ständig aktiv sind. Der lange Kai ist zwar nicht schön, hat aber den Vorteil, dass trotz des vorherrschenden Südwindes die Wellen am Ankerplatz stark gedämpft sind. Garucca ist nicht so schön wie Aguilas. Dass wir hier auch zwei Tage bleiben liegt mehr an dem vorherrschenden Süd- bzw. Südwestwind.
Am 30.07. verlassen wir kurz vor Sonnenaufgang Garucca mit dem Ziel, westlich des Cabo de Gata einen Liegeplatz für zwei Monate zu finden, in Aguadulce, Almerimar, oder noch weiter westlich. Nach unseren bisherigen Erfahrungen sind wir sehr skeptisch.
Gegen 17 Uhr erreichen wir die Marina Aguadulce. Wir müssen zunächst an einem Wartekai festmachen und dann im Tower einklarieren. Eine aufwändige Prozedur, aber danach wird uns ein Liegeplatz für eine Nacht zugewiesen. Es wäre sogar ein Platz für zwei Monate verfügbar. Wir sind erleichtert, wollen uns aber auf jeden Fall auch noch Almerimar ansehen.
Die Marina Aguadulce ist modern und sehr gepflegt. Dass für 500 Boote nur je zwei Duschen und Toiletten zur Verfügung stehen hätte wir sicher verkraftet. Störend war allerdings der nächtliche Diskolärm. Erst am anderen Morgen um 10 Uhr verlassen die letzten stark angetrunkenen Jugendlichen die Marina und hinterlassen den üblichen Abfall. Im Marinabüro versichert man uns, dass diese Orgie nur einmal pro Woche, nämlich Samstags, stattfindet.
Wir verlassen Aguadulce kurz nach 10 Uhr und erreichen Almerimar gegen 14 Uhr. Auch hier müssen wir erst am Wartekai festmachen und dann im Marinabüro Papiere vorzeigen und Formulare ausfüllen. Es gibt Liegeplätze, auch für längere Zeit. Wir fahren zu dem zugewiesenen Platz und machen dort fest. Der Platz ist aber viel zu eng, was der Mariniero aber nicht einsehen will. Wir suchen nach besseren Plätzen und gehen nachmittags mit einer Vorschlagsliste ins Büro. Widerwillig wird einer unserer Vorschläge akzeptiert und wir können uns an den neuen Platz legen. Hier liegen wir seitdem, neben uns jeweils ein Engländer.
"Parterre-Wonung" in Almerimar
Die Marina Almerimar hat 1100 Liegeplätze im Wasser, davon liegen die meisten zwischen Appartementhäusern. Wir liegen vor einem 4-stöckigen Haus mit vielen Balkonen. Wilma hat gleich einen Sichtschutz genäht, damit man nicht bis in die letzte Ecke unseres Schiffes sehen kann.
Den Platz haben wir gleich für zwei Monate gebucht und bezahlt. Endlich haben wir Zeit. Ich kann mit den Restarbeiten beginnen und neue Ideen umsetzen und Wilma kann von unserer Stadtwohnung aus jeden Tag einkaufen gehen. Es gibt bei uns fast nur noch Delikatessen zu essen, z.B. Langostinos, Schwertfisch, Seezunge, Lachs, Wachteln, Wachteleier, Lamm, Kaninchen, Feigen, Kapernäpfel und vieles mehr, natürlich alles frisch.
Restarbeiten am Kiel (Anrühren von Kleber)
Beim Yacht Chandler Spencer (Engländer) und im Inox Workshop von Max aus Zimbawe bin ich wohl der beste Kunde. Die größte Anschaffung ist ein neues Schlauchboot, das dritte für unser jetziges Schiff. In den ungeschützten Buchten kam bei dem kleinen Schlauchboot einfach zu viel Wasser über. Die noch fehlende Rettungsinsel, einen weiteren Solargenerator und andere Teile bestelle ich Deutschland.
Wir haben aber auch verkauft. Auf dem wöchentlichen Flohmarkt, der direkt in unserer Straße stattfindet, haben wir letzten Sonntag mit 500 EUR sicher den höchsten Umsatz gemacht. Nach 1 ½ Stunden war unser komplettes Angebot, Schlauchboot, Klappfahrrad, Grill, ausgediente Jacken, verkauft.
Stand auf Flohmarkt (zufällig 3 Käufer im Bild)
Auch ohne diese Einnahmen hätten wir uns für drei Tage einen Leihwagen genommen. Um unser einseitiges Bild von Spanien etwas zu erweitern, sehen wir uns Almeria (Kathedrale, Burg), eine Western-Filmstadt am Rande der Sierra Nevada und die Alhambra in Granada an.
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Wilma am Galgen |
Garten in Alhambra |
Alles schöne Plätze, über die man viel schreiben könnte. Weniger schön anzusehen sind die großen Plastikflächen, die sich hier anstelle der Hochhäuser an der ganzen Küste entlang ziehen. Das ist der Preis für das günstige Obst zu allen Jahreszeiten.
Nun fällt mir noch etwas positives zu Spanien ein. Seit Ibiza haben wir wieder Internetzugang über Mobiltelefon und GPRS. Es funktioniert ganz gut und ist kaum teurer als in der Türkei. Wenn man aber berücksichtigt, dass uns 30 EUR ohne Bezahlung mit einer uns unverständlichen Begründung auf die SIM-Karte gebucht wurden, dann ist es sogar noch billiger als in der Türkei.