Westwärts Richtung Indien

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Am 11.12.09 sind wir nach einem langen Flug über Dubai und Kuala Lumpur abends wieder auf Rebak Island, Langkawi.  Nach einer Nacht im Hotel ziehen wir auf unser Boot um. Es ist alles in Ordnung, aber es gibt viel zu tun, bis die Aquila für die kommende Saison wieder einsatzfähig ist.

Bei unserem ersten Gang zum Schwimmbad treffen wir Juana und Klaus. Sie sind gerade in die Rebak Marina zurückgekommen und laden uns spontan für den nächsten Abend zum Essen auf die Boomerang ein. Es gibt selbst gefangenen Fisch in leckerer Suppe.

Die Arbeiten am Schiff sind in der etwas kühleren Trockenzeit immer noch schweißtreibend.  Wilma putzt und ich installiere die neue AIS-Antenne und beginne mit den Arbeiten am Unterwasserschiff.

Bei unserer ersten Fahrt nach Kuah treffen wir uns mit Marianne und Jürg von der Brio. Die Brio ist vor einigen Tagen auf Langkawi angekommen und liegt jetzt in der Stadt-Marina. Unser letztes Treffen liegt Monate zurück, und so gibt es viel zu erzählen.

In den nächsten Tagen bin ich durch eine Grippe nur eingeschränkt einsatzfähig. Trotzdem kann ich den Unterwasseranstrich abschließen und einen Krantermin festlegen.

Am 20.12. wird die Aquila ins Wasser gesetzt. Wir gehen wieder an denselben Steg, an dem wir vorher lagen. Zwei Stunden später macht die Contessa mit Sieglinde und Klaus neben uns fest. Es ist ein freudiges Wiedersehen nach mehr als einem Jahr. Jetzt liegen zwei Stuttgarter Schiffe direkt nebeneinander.

Eine Überraschung erleben wir auch an Wilmas Geburtstag. Der Marina-Manager Rizal überreicht Wilma eine Schokoladentorte und eine Flasche Rotwein. Spontan beschließen wir, die Crews der Contessa, der Sturmvogel und der Boomerang zum Geburtstagskaffee einzuladen.

Den Heiligen Abend verbringen wir mit Sieglinde und Klaus auf der Contessa. Sieglinde serviert köstlichen Sauerbraten mit selbst gemachten Spätzles. So ist es für uns sehr schwäbisch an diesem Abend auf Rebak.

Am ersten Weihnachtstag gibt es für die Segler abends ein Buffet mit Musik (Live) und Tanz. Inzwischen sind so viele Deutsche in der Marina, dass ein Tisch nicht mehr ausreicht. Nach Weihnachten kommen auch Gisela und Gerhard (Silvercurl) zurück nach Rebak Island. Sie wollen wie wir in diesem Jahr durchs Rote Meer ins Mittelmeer segeln. So gibt es immer wieder deutsche Treffen in den Restaurants und auf den Schiffen.

Geburtstagskaffee

Weihnachtsbuffet

Am 30.12. laufen wir morgens zu einer Testfahrt aus. Wir wollen den ersten größeren Törn nicht ohne eine Überprüfung der wesentlichen Systeme starten. Gleich nach der Ausfahrt aus der Marina erleben wir eine Überraschung: Es bläst mit 25 kn und unser Navigationsprogramm, das jetzt auf einem kleinen 12“-Notebook installiert ist, hat sich ausgeschaltet. Auch auf dem schnell eingeschalteten Ersatzrechner läuft das Programm zunächst nicht. Ohne Seekarten laufen wir den ersten geeigneten Ankerplatz an. Bei dem Ersatzrechner ist das Problem schnell gelöst. Aber der kleine PC arbeitet mit dem Programm höchstens 2 bis 10 min, bevor er es abschaltet. Zum Glück scheint alles andere bei der Aquila zu funktionieren.

Zurück in der Marina versuche ich stundenlang die Programmabschaltung zu analysieren und zu beseitigen. Es gelingt mir nicht. Die Lösung liefert Wolfgang von der Orion am nächsten und letzten Tag des Jahres mit einer anderen Softwareversion.

Das von der Marina angebotene Silvester-Buffet wird kurzfristig abgesagt, weil angeblich alle Kräfte für die große Party am Strand gebraucht werden. Aber Segler können improvisieren. In diesem Fall ist es Norbert, der die Initiative ergreift und eine Musikanlage aus dem Resort beschafft. So gibt es eine zünftige Sylvester Party der Segler mit Musik und Tanz, die bis zum frühen Morgen dauert.

Seit längerem beobachte ich das Wetter auf der Strecke nach Sri Lanka. Das kräftige Tief östlich von Nord-Sumatra hat sich aufgelöst. Wir beschließen deshalb, in den nächsten Tagen aufzubrechen, obwohl die Winde von der Stärke und Richtung her immer noch nicht optimal sind.

An den letzten drei Abenden feiern wir mit unseren Freunden Abschied von Rebak: zuerst mit Gisela und Gerhard, dann mit den Crews von Sturmvogel und Booerang und schließlich mit den Freunden von der Contessa und der Brio.

Am 6.01.10 laufen wir mittags aus der Rebak Marina in Richtung Sri Lanka aus. Knapp 1200 sm liegen vor uns bis zu der Hafenstadt Galle im Süden Sri Lankas. Es ist Flaute, das Meer ist glatt und wir fahren langsam mit Motor Richtung Westen. Nach zwei Stunden kommt ein mäßiger SW-Wind, mit dem wir hoch am Wind schnell segeln können. Doch das Vergnügen dauert nur eine Stunde, dann herrscht wieder Flaute.

Inzwischen ist auch die Silvercurl aus Telaga (10 sm nördlich Rebak Island) ausgelaufen. Wir haben vereinbart, täglich Kontakt zu halten, zunächst über UKW-Sprechfunk und später über Satellitentelefon (Iridium: Sprache, E-Mail).

Bis zum nächsten Morgen regt sich kein Lüftchen. Dann setzt ein leichter SW-wind ein, bei dem wir langsam segeln können. Aber nach vier Stunden ist schon wieder Flaute.

Als ich den Wassermacher in Betrieb nehmen will, stelle ich fest, dass die Vorpumpe defekt ist. Natürlich haben wir eine Ersatzpumpe an Bord, die auch schnell gefunden ist. Leider hatte ich übersehen, dass die Ersatzpumpe eine gebrauchte ist und nur mangelhaft funktionierte. Heute funktioniert sie überhaupt nicht. Da ich inzwischen herausgefunden habe, dass der Wassermacher (PUR 40E) nur bei der ersten Inbetriebnahme (nach Wartung) eine Vorpumpe braucht, ist schnell eine Lösung gefunden. Mit einem Pumpball, der in Kraftstoffleitungen eingesetzt wird, lässt sich das Wasser hoch pumpen. Nach einer kurzen Entlüftung ist der Wassermacher wieder betriebsbereit.

Bei unserem KW/MW-Funkgerät bin ich weniger erfolgreich. Der Sender schaltet bei der Frequenz des Indian Ocean Net (8188 MHz) ständig ab. Möglicherweise ist der Tuner oder das Signal an den Tuner fehlerhaft. Wir können deshalb an dem Netz, das die Segler auf dem Weg von Malaysia/Thailand ins Rote Meer begleitet, nur als Hörer teilnehmen.

In der zweiten Nacht kommt etwas Wind aus NE auf und wir kommen mit der Genua auf 4 kn Fahrt.  Aber nach 25 sm ist der Wind so schwach, dass wir wieder den Motor bemühen müssen. Am dritten Tag ist es ähnlich.

Der dritte Tag bringt aber eine andere Überraschung. Die Windmessanlage (Raymarine ST 60) zeigt nichts mehr an. Auch ein Ersatzgeber liefert keine Anzeige auf dem Display. Demnach muss die Anzeigeeinheit defekt sein. Einen Ersatz haben wir für dieses Gerät leider nicht an Bord, aber immerhin einen einfachen Handwindmesser, mit dem wir uns nun behelfen müssen. Zusätzlich bringe ich an mehreren Stellen Bänder aus dünnem Segeltuch an, um die Windrichtung, aber auch die Windstärke bei schwachem Wind, abschätzen zu können. Außerdem haben wir noch den traditionellen Windrichtungspfeil im Masttopp (Verklicker) mit den 30°-Marken.

Trotzdem möchte ich möglichst schnell wieder eine genaue Windmessanlage haben. Ich rufe unseren Sohn Michael über Satellitentelefon an und bitte ihn, verschiedene Informationen zu beschaffen. Ich denke an den Kauf bei einem Händler in Sri Lanka, Indien oder Oman, oder an die Lieferung von einem deutschen Händler in diese Länder.

Abends kommen die Nicobaren in Sicht, eine Inselgruppe, die zu Indien gehört. Auf UKW hören wir ein Funkgespräch mit, in dem ein Mann ein Schiff dringend um die Lieferung von Wasser bittet. Ihr Wasservorrat ist auf eine Flasche zusammengeschrumpft. Wie klein sind dagegen unsere Probleme. Wir dürfen die Nicobaren nicht anlaufen, weil sie striktes Sperrgebiet sind.

Am vierten Tag stellt sich morgens ein leichter Nordwind ein. Wir setzen Segel und kommen auf 3 kn Fahrt durchs Wasser. Über Grund sind es fast 5 kn, weil uns ein kräftiger Strom nach Westen schiebt. Diese Verhältnisse bleiben drei Tage lang etwa so bestehen. Der Wind ist meistens unter 10 kn und kommt aus NNW bis NNE. Die Westkomponente des Stroms schwankt zwischen 0,3 und 1,8 kn. Einige Regenböen und mehrere Delfingruppen sorgen für etwas Abwechselung.

An den beiden nächsten Tagen ist der Wind etwas stärker (12-20 kn) und kommt überwiegend aus NE. Es herrschen also gute Segelbedingungen. Nur in der Nacht des achten Tages ist es sehr ungemütlich. Ein Strom von 0,5 kn läuft gegen einen Wind von 20 kn und erzeugt chaotische Wellen, die uns furchtbar durchschütteln.

In der nächsten Nacht dreht der Wind auf NNW und erreicht 30 kn. Wir fahren mit stark reduzierter Genua hoch am Wind und können so einigermaßen Kurs halten. Aber die Wellen schlagen gelegentlich über die Sprayhood ins Cockpit. Im Laufe des Tages nähern wir uns der Küste Sri Lankas und der Wind nimmt so stark ab, dass wir mit Motor fahren müssen.

Als wir uns dem Hafen von Galle nähern, gießt es in Strömen. Wir ankern vor der Hafeneinfahrt und warten auf die erste Inspektion unseres Schiffes durch Harbour Control. Bei dem nächsten heftigen Regenguss kommen die Herren mit einem Beiboot zu uns. Ein Offizier kommt an Bord, prüft die Papiere und schlägt das angebotene Bier nicht aus. Nachdem seine im Regen wartenden Kollegen auch ein Bier bekommen haben, dürfen wir die schmale Öffnung des abgesperrten Hafens passieren.

Wir fahren zu dem Schwimmsteg, an dem die Segler festmachen sollen. Wolfgang von der Sleipnir (Österreich) hatte uns über Funk gehört und erwartet uns bereits am Steg. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir es geschafft. Wir liegen vor Buganker an dem Schwimmsteg, der allerdings sehr wackelig ist.

Fischer vor Sri Lanka

Schwimmsteg in Galle

Nach wenigen Minuten sind zwei junge Männer der Agentur Windsor an Bord und bereiten das Einklarieren vor. Wir hatten uns bei ihnen über E-Mail angemeldet. Die Prozeduren bei Health and Immigration können wir noch an diesem Abend abschließen. Danach nehmen wir gern die Einladung von Gisela und Gerhard zu einem Bier auf der Silvercurl an, die einen Tag vor uns hier angekommen ist.

Der Hafen von Galle ist nach Anschlag der Tamil Tiger militärisch extrem stark abgesichert. Der größte Teil der Einfahrt ist durch eine Kette blockiert. Das ist für uns nicht störend. Unangenehm ist nur der starke Schwell, der extrem an den Leinen der Schiffe und an dem Schwimmsteg zerrt.

Am nächsten Morgen kommen zwei Herren von Customs an Bord und interessieren sich insbesondere für unsere Alkoholvorräte. Die Menge ist ihrer Meinung so groß, dass sie unter Verschluss genommen werden muss. Nachdem wir ihren Wunsch nach einer Flasche Wein und Zigaretten nachgekommen sind, muss unser Alkohol nicht mehr verschlossen werden.

Als wir mit den Herren von Customs entspannt im Cockpit sitzen, erleben wir die nächste positive Überraschung. Die Windmessanlage funktioniert wieder. Für die Selbstheilung gibt es eine plausible Erklärung. Bei der Fehlersuche an dem KW/MW-Funkgerät muss ich Leitungen der Windmessanlage berührt und dadurch den Ausfall verursacht haben. Natürlich habe ich die Windmessalge nach dem Ausfall ausgeschaltet, aber die Ausschaltdauer war offensichtlich zu kurz.

Wir sind sehr erleichtert, dass sich die Beschaffung der Windmessanlage erledigt hat. Auf ungefähr zwanzig E-Mails an verschiedene Stelle in Sri Lanka und Indien haben wir nur eine Antwort erhalten. Die Deutsche Botschaft in Bombay hat nach zwei Tagen geantwortet und uns eine Lieferadresse in Indien genannt.

Neben den Reparatur- und Wartungsarbeiten (Lenzpumpe, Schranktür, Ruderlager) wollen wir natürlich Galle und die nähere Umgebung kennen lernen. Joseph Tours hat uns ihre Dienste angeboten. Joseph, der eigentlich Manoj heißt, und sein Bruder Batu sind geschäftstüchtig, aber auch angenehme Begleiter. Batu stellt uns einen USB-Stick zur Verfügung, mit dem wir kostenlosen Internetzugang an Bord haben.

Am ersten Tag machen wir mit ihrem Tuc-Tuc eine Rundfahrt durch die Stadt. Ein Tuc-Tuc ist ein dreirädriges Fahrzeug, das auf einem Motorrad basiert und einen überdachten Aufbau mit drei Sitzplätzen hat. Zuerst fahren wir zu dem Fort, einer weitläufigen Anlage mit historischen Gebäuden aus der portugiesischen, holländischen und britischen Besatzungszeit. Die Edlesteinmine und die Seidenfabrik, die wir anschließend besuchen, sind in Wirklichkeit Läden für Touristen. Wilma ist von den Produkten der Seidenfabrik sehr angetan und bestellt gleich eine größere Menge Kissen.

In Batus Tuc-Tuc

Obstmarkt in Galle

Für eine Tagesfahrt in die Umgebung von Galle mietet Joseph einen Geländewagen (4WD) mit Fahrer. Batu ist unser Reiseleiter. Wir besichtigen den buddhistischen Tempel südlich des Hafens und fahren dann noch einmal zum Fort, wo wir am Strand entlang zum Leuchtturm wandern. Dann geht die Fahrt nach Süden. Wir besichtigen einen Spice Garden, in dem die verschiedensten Gewürze und Heilkräuter angebaut, erklärt und verkauft werden. Beim Kauf der Produkte sind wir zurückhaltend, aber eine kostenlose Massage lässt sich Wilma nicht entgehen.

Buddha-Tempel bei Galle

Leuchtturm am Fort

Nach der Besichtigung eines Tempels mit der größten Buddha-Staue Sri Lankas geht die Fahrt auf einer unbefestigten Strasse ins Landesinnere. Ziel ist eine Teeplantage mit zugehöriger Fabrik. Obwohl wir die Fabrik nicht von innen besichtigen können, gewinnen wir einen Eindruck von der sehr einfachen Arbeitsweise bei der Teeherstellung. Auf dem Weg zurück nach Galle winken uns mehrmals Teepflückerinnen freundlich zu.

Gebäude im Fort

Buddha-Statue

Kuh in Tempelanlage

Teepflückerin

Am späten Nachmittag sind wir wieder auf unserem Schiff und bereiten die Abreise nach Indien vor.

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