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Wir liegen in Kumai auf Borneo und bereiten die Weitereise in Richtung Singapur vor. Beim Harbour Master wollen wir ordnungsgemäß für Batam (Indonesische Insel vor Singapur) ausklarieren. Wir werden herzlich begrüßt, bekommen kalte Getränke und unterhalten uns mit dem Chef und einem seiner Mitarbeiter über Indonesien und Europa. Nebenbei fülle ich ein Formular aus und bekomme nach kurzer Zeit das Dokument für den nächsten Hafen (Batam) gegen die offizielle Gebühr von umgerechnet 0,50 EUR.
Dieser Vorgang steht im totalen Widerspruch zu den Berichten anderer Segler. Aber wir haben in Indonesien bislang nie etwas anderes erlebt.
Am 6.08.09 lichten wir vor Kumai bei Sonnenaufgang den Anker und fahren flussabwärts. Vor dem Ankerlichten musste ich einige Zeit den Motor laufen lassen, weil die Batteriespannung trotz normalen Verbrauchs sehr niedrig war. Vor uns fahren zwei Schiffe, denen wir durch die flachen Bereiche der Einfahrt folgen können.
Mittags setzt ein Südwind ein, mit dem wir hoch am Wind aus der Bucht heraus segeln können. Nachmittags segeln wir bei raumem Wind nur mit der Genua weiter. Bei 20 kn Wind und 10 m Wassertiefe sind kurze steile Wellen entstanden, die uns stark rollen lassen. In der Nach nimmt der Wind ab, aber die Wellen bleiben unangenehm. Ein Gegenstrom von 1,5 kn bremst uns auf 3 kn Fahrt über Grund ab.
Am Tage frischt der Wind wieder auf und wir schaffen meistens 4 kn Fahrt durchs Wasser. Über Grund sind wir durch die Strömung zeitweise 2 kn schneller.
Abends stelle ich fest, dass eine der parallel geschalteten Service-Batterien (2 x 150 Ah) schlecht ist. Ich schalte sie ab und glaube, damit das Problem gelöst zu haben. Es zeigt sich aber bald, dass auch die zweite Batterie sehr schwach ist. Sie ist nicht mehr in der Lage, den Kühlschrank (7A) zu betreiben. Ich schalte den Kühlschrank ab und lade die Batterie nachts mehrmals mit dem Motor auf, um die Navigationsinstrumente und –lichter betreiben zu können.
Morgens schalte ich auf die Reservebatterie um und kann dann auch wieder den Kühlschrank betreiben. Die Sonne und der schwache Wind (8–12kn) sorgen dafür, dass die kleine Batterie geladen bleibt. Mit dem Kühlschrank im Sparbetrieb ist auch nachts keine zusätzliche Ladung mit dem Motor erforderlich.
Nachts begegnen uns mehrere Frachter. Auf dem AIS-Empfänger können wir vorher erkennen, wie dicht sie an uns vorbei fahren werden. In zwei Fällen, in denen uns der Abstand zu gering erscheint, nehme ich Funkkontakt auf. Beide Schiffsführer leiten sofort Kurskorrekturen ein. Bei den Gesprächen erfahre ich auch, dass unser Licht nicht sichtbar ist (Mondschein, 2-3 sm), wir aber auf dem Radar-Gerät erkennbar sind.
Der dritte Tag auf See ist angebrochen und wir haben immer noch die gleichen Wetterbedingungen: leichter Südost-Passat (12-20 kn) und fast wolkenlosen Himmel. So hatten wir uns den Pazifik vorgestellt, nicht aber die Java-See. Der Windpilot muss gelegentlich im Kurs korrigiert werden, sonst gibt es beim Segeln nichts zu tun.
Nach den Windprognosen soll in zweieinhalb Tagen eine längere Flaute einsetzen. Deshalb haben wir den geplanten Zwischenstopp bei der Insel Serutu nicht eingelegt. Wir hoffen, dass der Wind uns bis in die Nähe der Inseln Lingga oder Bintan bringt.
In der Nacht haben wir Kollisionskurs mit dem Motorschiff Pac Aquila. Ich versuche Funkkontakt aufzunehmen, doch der Wachhabende scheint nicht wach zu sein. Nach einer Weile meldet er sich ziemlich verschlafen und leitet dann eine Kursänderung ein. So kann die Kollision zweier ungleicher Aquilas gerade noch vermieden werden.
Der vierte Tag ist bei gleichbleibendem Wind ohne besondere Ereignisse. Am Morgen des fünften Tages streichen wir den geplanten Zwischenstopp bei den Lingga-Inseln und nehmen direkten Kurs auf die Ostseite der Insel Batam. Mittags verdunkelt sich der Himmel und der Wind geht stark zurück. Wir rollen die Genua ein und starten die Maschine. Plötzlich dreht der Wind und kommt mit 25 kn direkt von vorn. Schnell bauen sich kurze steile Wellen auf, die dann von dem heftigen Regen wieder etwas gedämpft werden. Nach zwei Stunden ist alles vorüber und das Meer wieder einigermaßen eben. Wir haben unseren ersten Sumatra, so heißen diese Gewitterstörungen hier, gut überstanden.
Gegen 14 Uhr überqueren wir den Äquator und hätten es ohne GPS bestimmt nicht bemerkt. Bei schwachem Wind fahren wir weiter unter Motor. Nachts passieren wir ein Blitzlicht und sind danach plötzlich in einem Feld von kleinen Bojen. Ich schalte auf Leerlauf und fahre dann in kurzen Schüben langsam aus den Netzen heraus, ohne irgendwo hängen zu bleiben.
Mittags ankern wir westlich der kleinen Insel Pelanduk, die zwischen den Inseln Batam und Rempang liegt. Etwas mehr als fünf Tage haben wir für die 570 sm von Kumai hierher gebraucht. Es war eine langsame, aber angenehme Fahrt.
Obwohl uns der Ankerplatz vor dem kleinen Palmenstrand nicht schlecht gefällt, fahren wir weiter an die Nordseite der Insel Batam. Dort liegt die Nongsa Point Marina, die wir bislang weder über E-Mail noch über Telefon oder Funk erreichen konnten. Wenige Seemeilen vor der Einfahrt kommt es dann doch zu einer Funkverbindung mit der Marina und wir erhalten die Bestätigung, dass es noch freie Plätze gibt.
Ein Boot holt uns an der gut betonnten Einfahrt ab und führt uns zu dem vorgesehnen Liegeplatz. In der Marina stehen fünf Männer bereit, um die Leinen anzunehmen. So aufwändig wurden wir noch nirgends empfangen.
Auch sonst überrascht uns die Nongsa Point Marina sehr positiv. Die Steganlagen (schwimmende Fingerstege) sind neu und die Ferienanlage mit Restaurant, Bar und großem Schwimmbad ist komplett renoviert. Es ist eine schöne und gepflegte Anlage, nur die Gäste fehlen. Die Marina ist zu 15 % ausgelastet, die Ferienanlage noch geringer. Nur am Wochenende ist etwas mehr Betrieb.
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Beim Harbour Master in Kumai |
Nongsa Point Marina auf Batam |
Uns gefällt die Anlage so gut, dass wir uns gleich auf einen Aufenthalt von einer Woche festlegen. Karin und Jürgen von der Krios war das viel zu wenig. Sie liegen mit ihrem Schiff Krios schon seit elf Jahren in dieser Marina. Am Samstagabend gehen wir mit Ihnen zu einem Barbecue am Strand. Es ist nicht schlecht, aber für indonesische Verhältnisse viel zu teuer, wie alles in dieser Anlage. Trotzdem sind die Preise immer noch niedriger als in Deutschland.
Zwei Tage haben wir holländische Stegnachbarn: Paul und seine Frau Mable. Sie leben seit acht Jahren in Singapur und segeln in dieser Region. Paul erzählt uns viel über das Revier bis Thailand. Auch seine Internetseite (www.lighthouse.com.sg) enthält viele Informationen über das Gebiet von Singapur bis Phuket
Wir genießen das Leben in einer Ferienanlage, gehen täglich Schwimmen und ab und zu Essen im Restaurant. Bei einer Wanderung am Strand entlang kommen wir zu einer anderen Ferienanlage (Turi), die auch sehr schön gelegen und offenbar gut besucht ist. Die meiste Zeit verbringen wir allerdings mit Reparatur- und Wartungsarbeiten am Boot.
Am 19.08.09 verlassen wir morgens Batam in Richtung Singapur. Die Stadt mit den Hochhäusern ist für uns seit Tagen sichtbar, wenn es nicht zu diesig ist. Bei wenig Wind fahren wir mit Motor zunächst nach Westen. Neben uns liegt das am meisten befahrene Verkehrstrennungsgebiet der Welt, das wir an einer vorgegebenen Stell kreuzen müssen. Viel Platz ist zwischen den schnell fahrenden großen Frachtern wirklich nicht. Doch schließlich ist die Durchfahrt gar nicht so kritisch. Nur einmal müssen wir stoppen, um einen Frachter passieren zu lassen.
Kurz vor Mittag erreichen wir den Immigration-Ankerplatz und melden über Funk unsere Ankunft an. Es dauert einige Zeit bis ein Boot von Immigration kommt, unsere Papiere übernimmt und einige Formulare übergibt, die auszufüllen sind. Nach knapp zehn Minuten wechseln die Papiere wieder die Richtung und wir dürfen nach Singapur einreisen.
Nach einer halben Stunde erreichen wir bei einem Gegenstrom von 3 kn die One-15 Marina (1° 15’ N) und können an dem reservierten Steg festmachen. Die One-15 Marina liegt auf der Insel Sentosa und betrachtet sich als die vornehmste Anlage Asiens (Asia’s finest Marina Club). Tatsächlich ist alles sehr modern, großzügig und gepflegt. An den Stegen dominieren die großen Motorboote mit Personal. Es gibt Restaurants, Bars und ein großes Schwimmbad mit verschiedenen Einrichtungen (Dampfbad, Fitness-Raum). Störend ist allerdings der Baulärm und der starke Schwell durch vorbeifahrende Schiffe.
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Liegeplatz in One-15 Marina |
Erfrischung im Marina Pool |
Am nächsten Morgen besuchen wir zuerst die Silvercurl, die schon längere Zeit in der Marina liegt. Gisela und Gerhard versorgen uns mit ersten Informationen über Singapur. Wir wollen uns heute aber nur auf den Kauf neuer Bootsbatterien konzentrieren.
Mit einem der kostenlosen Busse (2 Buslinien, 15 min Abstand) fahren wir zur Waterfront, wo es zwei große Einkaufzentren und einen Fähranleger gibt. Dann geht es mit der U-Bahn, die hier MRT (Mass Rapid Transit) heißt, weiter zum Sim Lim Square. Das U-Bahn-System ist beeindruckend: hochmodern, effizient, sauber und sehr preisgünstig. Auch beim Sim Lim Square staunen wir nur. Auf fünf Etagen werden in unzähligen Läden alle möglichen elektronischen Produkte angeboten. Im benachbarten Sim Lim Tower findet man mehr die kommerziellen elektrotechnischen Produkte. Es ist ein Einkaufparadies für Verbraucher und Fachleute, aber passende Bootsbatterien finden wir nirgends.
Dann fahren wir zu zwei Industrieparks, in denen es Batterien geben soll. Dabei lernen wir die Taxis Singapurs kennen. Sie sind zwar nicht so modern wie die U-Bahn, aber auch sehr preisgünstig. In den Industrieparks gibt es Batterien, doch keine, die so richtig passen. Enttäuscht fahren wir am späten Nachmittag zurück, zuerst mit einem Bus. So haben wir schon am ersten Tag alle Verkehrsmittel Singapurs kennen und schätzen gelernt.
Am nächsten Morgen frage ich im Marina-Büro nach Batterielieferanten. Man nennt mir die bereits bekannten Adressen und einen Jonny, den ich kurze Zeit später treffe. Jonny meint, dass er die Batterien beschaffen kann, vielleicht sogar genau den bisherigen Typ. Nach einer Stunde bestätigt Jonny, dass er die Batterien (2x150 Ah, AC Delco, wie bisher) beschaffen kann und nennt auch den Preis. Er ist niedriger als vor drei Jahren in Trinidad. Zwei Stunden später bringt Jonny die neuen Batterien und nach einer weiteren Stunde habe ich sie eingebaut.
Jetzt können wir uns wieder anderen Einkäufen und der faszinierenden Stadt Singapur zuwenden. Es scheint hier alles zu geben, man muss nur wissen wo. Und mit der MRT sind viele Orte schnell erreichbar, meistens für weniger als einen Euro.
Eines Morgens entdecke ich Dieselöl in der Motorbilge. Es ist schnell klar, dass der Glaszylinder im Vorfilter gebrochen ist. Ich rufe zwei Volvo-Händler an. Keiner hat das Teil auf Lager, aber einer kann das gesamte Filter in sieben Tagen beschaffen. Dann frage ich Jonny. Diesmal braucht er etwas länger, aber nach vier Stunden bringt er einen passenden Zylinder, allerdings in Kunststoff. Ich bestelle noch einen weiteren Zylinder zur Reserve und einen Filtereinsatz.
Abends sind wir auf der Silvercurl. Gisela und Gerhard haben Besuch von ihrem Sohn Robert und seiner Freundin. Es wird ein langer Abend, denn es gibt so viel zu erzählen über die Erlebnisse auf den Fahrten und über Singapur.
Singapur wurde 1819 von Raffles gegründet mit dem Ziel, die englischen Besitzungen in der Strasse von Malakka zu sichern. Die Stadt hat sich sehr schnell entwickelt und ist heute das wirtschaftliche Zentrum der Region. Seit 1965 ist der Stadtstaat Singapur vollkommen selbstständig.
Die Bevölkerung ist multikulturell. Die stärksten Gruppen sind die Chinesen (76%), die Malayen (14%) und die Inder (8%). Die Chinesen sind überwiegend Buddhisten und Taoisten, die Malayen Moslems und die Inder Hindus. Alle leben friedlich miteinander. Es gibt auch Gebiete, in denen praktisch nur eine Volksgruppe lebt, z.B. in Little India oder China Town. Die Religion scheint bei allen Volksgruppen eine große Rolle zu spielen. Es gibt viele gut besuchte Tempel und Moschen und wenige Kirchen.
Von den vier offiziellen Sprachen, Englisch, Mandarin, Malay und Tamil, dominiert Englisch in der Schrift. Auf der Strasse hört man Englisch eher selten. Und wenn es gesprochen wird, ist es wegen der starken Akzente oft gar nicht erkennbar.
Morgens tausche ich den Zylinder des Vorfilters aus und versuche danach den Motor zu starten. Beim Austausch des Feinfilters hat der Motor die eingebrachte Luftmenge bislang immer verkraftet und ist nach längerem Anlassen angesprungen. Doch dieses Mal schafft er es nicht. Die Kraftstoffpumpe ist offensichtlich vollkommen leer und liefert keinen Tropfen Öl an die Einspritzdüsen. Ich rufe in Deutschland unseren Bootshändler Jakob und den Volvo-Händler Hoeckle an. Der Rat ist eindeutig: Die Luft muss raus, vollständig. Nur über die Art der Entlüftung gehen die Meinungen auseinander.
In der Nacht habe ich eine Idee zur Entlüftung, die ich gleich am nächsten Morgen umsetze. Mit der Ölabsaugpumpe sauge ich am Feinfilter (Belüftungsschraube) die Luft heraus. Dann betätige ich die Handpumpe und schließe die Belüftungsöffnung. Nach dem Handbuch sind nun noch die Leitungen zu den Einspritzdüsen zu belüften. Ich löse eine der drei Leitungen und Wilma startet den Motor. Der springt auf zwei Zylindern sofort an und läuft nach dem Anziehen der gelösten Leitung weiter, als wäre nie Luft in dem System gewesen.
Abends gehen wir mit der Silvercur-Crew in ein Restaurant an der Sentosa Bridge. Das Restaurant befindet sich auf einer drehenden Plattform in einem Turm. So hat man einen herrlichen Blick auf die Insel Sentosa, die Waterfront, den Berg mit der Seilbahn und den Hafenbereich. Die servierte Peking-Ente ist riesig und extrem preisgünstig. Das Geld verdienen die Chinesen bei den Beilagen.
Nachdem die wichtigen Einkäufe und Reparaturen abgeschlossen sind, können wir uns endlich voll auf die interessante Stadt konzentrieren. Wir fahren nach Little India und China Town und besichtigen dort mehrere buddhistische und indische Tempel. Im totalen Kontrast zu diesen Vierteln steht die Orchad Road, eine breite Allee mit hohen Bäumen, vielen Hochhäusern und Geschäften, in denen alle edlen und teuren Markenprodukte dieser Welt angeboten werden. Auch die Architektur der verschieden Bauten und Einrichtungen ist beeindruckend. Dagegen sind die großen Einkaufszentren im Großraum Stuttgart, das sind die, die wir am besten kennen, doch sehr bescheiden. Wir fragen uns allerdings, wie die vielen Geschäfte existieren können, wenn in den Räumen immer mehr Verkäufer als Kunden sind. Dieses ist wohl eines der vielen asiatischen Geheimnisse, die wir Europäer nur schwer ergründen können.
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Hindu-Tempel in Little India |
Laden in China Town |
Eine besondere Attraktion Singapurs ist der Zoo, der abseits der Wohngebiete im Norden der Insel liegt. Es werden überwiegend Tiere aus den tropischen Regionen gehalten, die hier im Regenwald in natürlicher Umgebung leben. Viele Tiere können sich scheinbar frei bewegen. Die Barrieren wie Wassergräben, Drähte, Metallspieße in den Bäumen (für Affen) sind für uns meistens kaum erkennbar. So entsteht der Eindruck, dass man die Tiere in der freien Natur beobachtet. Von den vielen Tieren haben uns die Raubkatzen, die Giraffen, die Dickhäuter (Elefanten, Rhinozeros) und die vielen Affenarten am meisten beeindruckt. Wir sehen auch den Komodo-Drachen, an dem ein Backnanger Chemiker herausgefunden hat, dass er seine Opfer nicht durch Bakterien, sondern mit seinen Giftzähnen tötet. Interessant ist auch die Fütterung der Borneo-Orang-Utans. Diese Wesen haben so viele menschliche Züge, über die man sich köstlich amüsieren kann.
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Friedliche Tiger |
Warten auf Essenausgabe |
Am letzten Tag unseres Singapur-Aufenthalts besuchen wir den Colonial District am Singapur River. Hier stehen mehrere klassische Bauten aus der englischen Regierungszeit: Old Parliament, City Hall, St. Andrew’s Cathedral, Supreme Court. Aber auch moderne Hochhäuser und das neue Parlament findet man in diesem Bezirk. Am Clarke Quay machen wir eine gemütliche Kaffeepause bevor wir zurück nach Sentosa fahren.
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Orchad Road |
Neues Parlament |
Die Insel Sentosa ist ein Wohn- und Urlaubsgebiet der Wohlhabenden, an dem noch kräftig gebaut wird. Es gibt Zugangskontrollen wie an einer Staatsgrenze, die man nur mit einer Genehmigung durchfahren kann.
Am 31.08.09 laufen wir bei Sonnenaufgang aus der One-15 Marina aus. Unser Ziel, die Admiral Marina bei Port Dickson in Malaysia, ist 140 sm entfernt. Da das Log nicht funktioniert, ankern wir gleich in der Nähe der Sister Islands, nicht weit vom Ankerplatz der Immigration-Behörde entfernt. Nachdem die kleinen Tierchen vom Loggeber entfernt sind, melden wir uns bei Immigration an. Doch die Herren sind nicht bereit, uns an dieser Stelle zu bedienen, obwohl sie nur eine viertel Seemeile von der vorgegebenen Position entfernt ist. Also fahren wir genau auf den gewünschten Platz und werden dort auch gleich bedient. Bei der Rückgabe der Papiere bremst das Immigration-Boot zu spät und rammt uns voll auf der Backbordseite. Es rappelt furchtbar, aber der Schaden hält sich in Grenzen. Eine Stütze des Windgenerators ist verbogen und eine Schelle für die Leinen des Windpiloten gebrochen.
Bei wenig Wind fahren wir weiter durch ein Feld von ankernden Frachtern. Erst nach 12 Uhr haben wir das Feld der vielen Ankerlieger weitgehend hinter uns. Von den unzähligen Schiffen zeigt unser AIS-Empfänger nur die dicht benachbarten an. Die Ursache ist bald gefunden: der automatische Umschalter zwischen Funkgerät und AIS-Empfänger ist defekt. Ich installiere eine Notantenne und wir haben wieder normalen AIS-Empfang.
Der Wind bleibt schwach und wir fahren mit Motor in die Nacht. Kurz nach 2 Uhr bleibt der Motor plötzlich stehen. Die Ursache ist sofort erkennbar. Der neue Plexiglaszylinder des Diesel-Vorfilters ist gebrochen. Zum Glück weiß ich jetzt genau was zu tun ist. Allerdings brauchen wir fast eine halbe Stunde, um die Koje leer zu räumen und Zugang zu dem Vorfilter zu bekommen. Der gebrochene Plexiglaszylinder ist schnell ersetzt. Dann wird das Kraftstoffsystem in der kürzlich geübten Weise entlüftet, und nach insgesamt einer Stunde ist der Motor wieder betriebsbereit
Beim Motorausfall hatten wir die Genua ausgerollt, und jetzt machen wir mit ihr schon mehr als 4 kn Fahrt. Also können wir den Motor noch etwas schonen. Doch schon nach einer halben Stunde ist der Wind so schwach, dass wir mit Motor weiter fahren müssen.
Ein Gewitter zieht auf, es regnet heftig und weht uns mit 20 kn entgegen, allerdings nicht sehr lange. Um 10 Uhr kommt uns wieder eine dunkle Front entgegen. Es regnet heftig, der Wind erreicht bald 30 kn aus NW und baut schnell kurze und steile Wellen auf. Ich muss auf Handsteuerung übergehen, weil der Autopilot die Steuerung bei der geringen Fahrt in den hohen Wellen nicht schafft. Regen und Seewasser schlagen mir ins Gesicht. Ich kann kaum etwas sehen. Nach einer halben Stunde ist das Schlimmste vorüber. Wir können unsere Fahrt nach dem Sumatra fast normal fortsetzen.
Am frühen Nachmittag legen wir in der Admiral Marina bei Port Dickson in Malaysia an. Beim Abbremsen schüttelt sich die Aquila heftig. Es muss sich etwas im Propeller verfangen haben. Bei diesem Törn bleibt uns auch nichts erspart.
Der Empfang in der Marina ist sehr freundlich. Veronica, die Büroangestellte, bereitet gleich die Einklarierung vor, so dass uns die Behördengänge erspart leiben. Dann bittet uns Veronica mit einem koreanischen Hochzeitspaar, das einen einstündigen Segeltörn gebucht hat, noch einmal auszulaufen. Wir lehnen ab, denn der ereignisreiche Nachttörn ohne Schlaf hat uns doch etwas erschöpft. Nachdem Veronica uns noch mehrmals angesprochen hat, sagen wir den Segeltörn schließlich für den nächsten Morgen zu, unter der Voraussetzung, dass der Propeller wieder funktioniert.
Nach dem Frühstück tauche ich zum Propeller und kann mit wenigen Handgriffen das Problem beseitigen. Eine dicke Plastiktüte hatte sich im Propeller verfangen und das Öffnen im Rückwärtsgang verhindert. Nun steht dem Hochzeitstörn, für den wir 400 Ringgit (80 EUR) bekommen sollen, nichts mehr entgegen.
Bei totaler Flaute laufen wir mit dem koreanischen Paar und ihrem Reiseagenten aus. Die beiden jungen Leute sind begeistert und sehen sich das Boot genau an, insbesondere den Wohnbereich. Wilma serviert den Aquila Cocktail, der etwas Rotwein enthält. Dabei erfahren wir, dass die junge Frau schwanger ist. Bei der Rückfahrt wird ihr dann auch übel, obwohl das Meer immer noch spiegelglatt ist. Trotzdem war die Fahrt für das junge Paar wohl ein besonderes Erlebnis.
Nachmittags fahren wir mit einem Taxi nach Port Dickson. Außer einem indischen Tempel finden wir nichts besonders Sehenswertes. In einem Kaufhaus versorgen wir uns mit Lebensmitteln und Getränken und fahren dann zurück zur Admiral Marina. Für die Taxifahrten über 20 km zahlen wir bei der Hinfahrt umgerechnet 2 EUR und bei der Rückfahrt 3 EUR.
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Schwimmen in Admiral Marina |
Entspannen in Admiral Marina |
Den nächsten Tag bleiben wir in der Admiral Marina, die Teil einer großen Club- und Hotelanlage ist. Es gibt ein großes Schwimmbad unter Palmen und anderen schattenspendenden Bäumen, einen Tennisplatz, eine Sporthalle, eine Bar und ein großes und gutes Restaurant. Nur an Gästen mangelt es sehr. Im Schwimmbad sind wir mit der Badeaufsicht, die extra für uns anrücken muss, immer allein. Nur im Restaurant gibt es abends mehrere Gäste. Bei dem hervorragenden Buffet ist das auch verständlich. Als über 50-jährige zahlen wir während des Ramadans dafür nur 2,80 EUR pro Person. Aber auch bei dem normalen Preis von 5,60 EUR würden wir auf dieses Buffet nicht verzichten.