Fahrt in eine andere Welt: Indonesien

Mehr unter www.syaquila.de

Wir liegen in der Cullen Bay Marina in Darwin und arbeiten an unserem Boot. Wilma näht verschiedene Taschen und ich installiere einen neuen Regler für den Windgenerator und ein neues Schaltsystem für die großen Solargeneratoren. Unsere Zeit in Darwin geht zu Ende. Die Windprognosen zeigen seit einer Woche nur schwache Winde auf der Strecke nach Indonesien, und auch in den nächsten zehn Tagen soll sich daran nicht viel ändern.

Unser erstes Ziel, die Stadt Ende auf der Insel Flores, ist 600 sm von Darwin entfernt. Nach 450 sm könnten wir bei der Insel Roti (gegenüber Timor) einen Zwischenstopp einlegen. Da die Windverhältnisse in absehbarer Zeit nicht besser werden, entschließen wir uns, Ende der Woche auszulaufen und informieren Customs entsprechend (mindestens 3 Tage vorher).

Zum Abschluss gehen wir Mittwochabend in die Sky City, wo wir schon letzte Woche mit Marianne und Jürg waren. Sky City ist ein großes Casino mit mehreren Restaurants und einem Hotel. Das gut besuchte Casino scheint so viel Geld abzuwerfen, dass man in einem der Restaurants ein extrem preisgünstiges Buffet (22/26 AUD inkl. nichtalkoholischer Getränke) von hervorragender Qualität anbieten kann. Bei Lifemusik genießen wir auf dem Balkon mit Meerblick die angebotenen Köstlichkeiten.

Den nächsten Tag beginnen wir mit einer Wanderung zu Customs zum Ausklarieren. Zum ersten Mal bekommen wir dabei Geld und müssen nichts zahlen. Die Steuer (GST:10%) auf einen Rechnungsbetrag von über 300 AUD wird uns auf einer Kreditkarte gutgeschrieben. Im Casuarina-Einkaufszentrum schließen wir unsere Einkäufe für die bevorstehende lange Flautenfahrt ab. Erst am späten Abend sind auch die anderen Vorbereitungen abgeschlossen.

Am 26.06.09 werden wir um 10 Uhr wieder ins offene Meer geschleust. Es ist Hochwasser, fast 7m über Null. Ein Strom von 3,5 kn beschleunigt unsere langsame Motorfahrt nach Norden. Der Wind ist verschwindend gering und das Meer spiegelglatt. Ein Polizeiboot fordert uns auf, einem großen Kriegsschiff auszuweichen, das offensichtlich den gleichen Kurs fährt. Als kleinere geben wir natürlich nach, obwohl wir eigentlich Vorfahrt hätten. Nach der letzten Boje nehmen wir Kurs auf Indonesien.

Nachmittags kommt etwas Wind auf, aber leider direkt von vorn. Also fahren wir weiter mit Motor. Nachts nimmt der Wind geringfügig zu und dreht etwas nach Süd und dann nach Nord. Auch am nächsten Tag bleibt der Westwind bestehen, obwohl nach der Prognose ein leichter Südwind wehen sollte. Als nachmittags der Wind eine etwas stärkere Südkomponente bekommt, setzen wir Segel. Den direkten Kurs können wir zwar nicht segeln (20-40° Abweichung), aber wir erreichen hoch am Wind 4 bis 5 kn Fahrt.

Auch am dritten Tag bleibt der schwache Westwind (6-10 kn) bestehen. Um einem Bohrfeld auszuweichen, machen wir einen Kreuzschlag von 20 sm nach Süden. Danach dreht der Wind langsam auf SW und wir können den direkten Kurs segeln. Es ist erstaunlich, mit wie wenig Wind man segeln kann (8 kn Wind, 5 kn Fahrt), wenn die Wellen nicht so hoch sind. In der zweiten Nachthälfte schläft der Wind endgültig ein. Wir bergen die Segel und fahren mit Motor langsam weiter.

Bei Sonnenaufgang ist das Meer spiegelglatt. Einige Delfine begleiten uns ein Stück des Weges. Mittags kommt ein leichter Südwind auf. Wir setzen Segel und schaffen sogar 4 kn Fahrt, aber nur zwei Stunden lang. Dann fahren wir wieder langsam mit Motor weiter.

Ein indonesisches Fischerboot taucht auf. Es ist ein massives Holzboot mit eigenartigen Aufbauten. Später sehen wir noch mehrere Fischerboote, auch nachts. Sie haben keine Positionslampen, sind aber hell erleuchtet.

Nach Sonnenuntergang kommt der leichte Südwind zurück. Wir setzen Segel und gleiten langsam (3 kn) durch die Nacht. Doch der Wind hält die Nacht nicht durch. Noch vor Sonnenaufgang müssen wir wieder die Maschine bemühen. Nach den neuen Prognosen soll erst in der kommenden Nacht ein brauchbarer Südost-Passat einsetzen.

Mittags kommt Timor am Horizont in Sicht und es setzt ein leichter Ostwind ein. Wir segeln wieder, kommen aber nur sehr langsam voran. Bis Mitternacht dreht der Wind allmählich auf Südost und nimmt die angekündigte Stärke an. Endlich können wir mit der Genua allein bequem und ausreichend schnell (5 kn)segeln.

Wir durchfahren die Passage zwischen den Inseln Timor und Roti. Auf Timor sind einige Lichter zu erkennen und am Himmel ein heller Schimmer, der von Kupang stammen müsste. Auf Roti blinkt ein Leuchtfeuer, sonst ist alles dunkel. Nördlich von Timor nehmen wir direkten Kurs auf die Stadt Ende auf der Insel Flores.

Morgens nimmt der Wind wieder ab, reicht zum Segeln aber gerade noch aus. Nur die relativ hohen und chaotischen Wellen machen die Fahrt etwas ungemütlich. Erst  im Laufe der Nacht nimmt das Meer wieder seinen Normalzustand an. Nachts fahren wir überwiegend mit Motor, weil der Wind einfach zu schwach ist.

Bei einem Segelversuch versagt der Autopilot. Die Ursache ist schnell gefunden. Wir haben bei geringer Fahrt eine starke Querströmung, die der Autopilot nicht mehr kompensieren kann. Unter Motor funktioniert er Autopilot wieder einwandfrei. Die starke Strömung ist sicher auch Ursache für die chaotischen Wellen.

Wir nähern uns dem Ziel dieser Reise und müssen die Fahrt reduzieren, damit wir bei Tageslicht ankommen. Bei Sonnenaufgang fahren wir langsam auf die Stadt Ende auf Flores zu. Die steilen grünen Berge und das klare Wasser erinnern uns etwas an die Marquesas. Vor der Stadt liegen viele Fischerboote vor Anker und an Bojen. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Einige sind mit sehr kleinen Booten unterwegs.

Wir Ankern in der Nähe einer Mole (südliche Mole) und sind froh, dass wir die 600 sm bei dem schwachen Wind in knapp  6 Tagen geschafft haben. Allerdings sind wir auch fast die Hälfte der Strecke mit Motor gefahren.

Jetzt warten wir auf Nyoman. Das ist der Touristenführer, der für die Silvercurl alles zur bestens organisiert hat. Aber Nyoman kommt nicht, und es kommt sonst niemand, der uns seine Dienste anbietet. Also lassen wir unser Schlauchboot zu Wasser und fahren zur Mole. Die scharfkantigen Muscheln an den Pfählen wollen wir unserem dünnwandigen Schlauchboot bei dem starken Schwell nicht zumuten. Deshalb bereiten wir eine Landung am Strand in der Nähe des Marktes vor, wo Einheimische mit einem kleinen Boot gerade gut gelandet sind. Eine Welle schiebt uns an Land. Doch als Wilma aussteigt, wird das Boot zurück ins tiefe Wasser gezogen. Wilma klammert sich fest und ich kann sie mit ihrem Rucksack schließlich wieder ins Boot ziehen. Einige Wellen später sind wir dann mit Unterstützung mehrerer junger Männer wirklich an Land.

Über den Markt gehen wir in die Stadt, die mit 8200 Einwohnern die größte der Insel ist. Es ist wie auf einem Basar. Nur so viele Mopeds haben wir noch nie wild durch die Gassen fahren sehen. Knapp tausend Kilometer von Australien entfernt sind wir in einer anderen Welt angekommen. Wilma kauft sich im ersten Laden eine neue Hose, weil sie mit der nassen nicht durch die Stadt gehen will. Wir kommen an einigen Moscheen vorbei und fühlen uns ein bisschen wie in der Türkei. Nur ist hier alles noch viel einfacher und etwas schmutziger.

Wir fragen an mehreren Stellen, wo man in Ende einklarieren kann. Aber auch die Wenigen, die etwas Englisch können, verstehen die Frage nicht. Daraufhin beschließen wir, am nächsten Morgen ohne Einklarierung auszulaufen. Auf das Auffüllen unserer Dieselkanister verzichten wir wegen des schwierigen Landungsmanövers auch.

Kurz nach Sonnenaufgang verlassen wir Ende in Richtung Labuan Bajo auf der Westseite der Insel. Bei schwachem Wind fahren wir mit Motor an der Südseite von Flores entlang. Grüne Berge und kleine Ansiedlungen bestimmen das Bild. Wir versuchen mehrmals zu segeln, müssen aber immer wieder abbrechen, weil wir zu langsam sind, oder die Segel bei den relativ hohen Wellen schlagen. Erst nach Sonnenuntergang kommt ein Nordostwind auf, der uns einige Zeit segeln lässt. Im Morgengrauen haben wir Kollisionskurs mit einem Fischer. Ich stoppe die Maschine und lasse ihn kurz vor unserem Bug durchfahren.

Mit dem Tageslicht nimmt der Wind wieder zu und wir können segeln. Am westlichen Ende der Insel Flores, wo wir den Kurs nach Norden ändern weht es mit 20 kn. Mit zwei Reffs im Großsegel und kleiner Genua rauschen wir dem Molo-Kanal entgegen, der die Inseln Rinca und Flores trennt. Den Kanal wollen wir aber erst Morgen durchfahren, weil dann die Strömung günstiger ist.

Gegen Mittag ankern wir im Schutz der Insel Rohbong. Auf dem Weg zum Ankerplatz sind wir nach unserer elektronischen Seekarte (Maxsea) über Land gefahren und ankern jetzt auf einem Korallenriff. Die Karte ist um 0,2 sm nach Süden und Westen verschoben, wie ich durch Peilungen ermitteln kann.

Zwei Frauen und ein junger Man besuchen uns mit ihrem Auslegerkanu. Wir laden sie zum Tee ein. Unser bescheidenes Boot ist für sie eine Luxusyacht, die sie interessiert betrachten und kopfschüttelnd bestaunen. Später kommt ein Mann und bietet uns Fisch an. Wir kaufen ihm einige Exemplare ab. Mit dem kleinsten Schein, den ich finden kann, ist er mehr als zufrieden.

Markt in Ende

Teestunde auf Aquila

Am nächsten Morgen durchfahren wir den Molo-Kanal. Die Strömung ist wesentlich schwächer (max. 2 kn nach N) als nach unserem Handbuch zu erwarten war. Auf spiegelglattem Meer fahren wir weiter nach Labuan Bajo auf Flores. Der kleine Ort (7500 Einw.) hat einen relativ großen Hafen, weil er Ausgangspunkt für den Komodo National Park ist.

Wir ankern bei den vorgelagerten Inseln, nicht weit von den Hafenanlagen entfernt. Mit dem Schlauchboot können wir bequem an einer Kaimauer festmachen (vollkommen ohne Schwell) und dann die Stadt erkunden. Obwohl Sonntag ist, haben fas alle Läden geöffnet. Es gibt viele kleine Restaurants. Wir ziehen dann aber doch ein Hotelrestaurant vor, von dem man auch noch einen herrlichen Blick auf den Hafen und die Bucht hat. Das Essen ist gut, und an die Preise (2 Essen, 4 Getränke, ca. 5 EUR) könnten wir  uns auch gewöhnen.

Ankerplatz in Labuan Bajo

Hauptstraße in Labuan Bajo

Der zweite Tag in Labuan Bajo ist für verschiedene Arbeiten und Beschaffungen vorgesehen. Der längst fällige Ölwechsel beim Motor ist schnell und problemlos erledigt. Die Beschaffung des reichlich verbrauchten Diesels dauert dagegen etwas länger. Zuerst müssen wir den geschäftstüchtigen Besatzungen zweier Boote klar machen, dass wir ihre Dienste für Diesel nicht in Anspruch nehmen wollen. Dann fahren wir mit zwei großen Kanistern zur Tankstelle. Nachdem ich die gewünschte Menge bezahlt habe, beginnt der Tankwart mit dem Füllen der Kanister in einer für Mitteleuropäer ungewohnten Art. Mit einem Gefäß, das gleichzeitig als Messbecher dient, schöpft er aus einem Behälter Diesel und schüttet ihn über einen Trichter in den Kanister. Da das Schöpfgefäß keinen Griff hat, muss er voll in die ölige Flüssigkeit greifen. Wenn der Dieselbehälter leer ist, wird er von einem großen Tank über eine Rohrleitung nachgefüllt.

Ich beobachte den Vorgang mit Skepsis, muss aber feststellen, dass der Diesel sauber ist. Unsere Kanister sind allerdings rund herum eingeölt. Wir reinigen sie notdürftig und fahren zurück an Bord. Bei der zweiten Fahrt kommen wir mit vier Kanistern, eingeseiften Lappen, Papiertüchern und Wasser. Die Leute sind verwundert und beeindruckt. Aber auf diese Weise ist für uns auch das Tanken in Labuan Bajo kein Problem.

Nach der erfolgreichen Dieselbeschaffung gönnen wir uns ein Mittagessen in dem Restaurant Matahari, das auf einer Anhöhe liegt und einen Blick auf den Hafen mit den exotischen Booten und Schiffen erlaubt. Besonders beeindruckend  sind die Fischerboote mit den langen Auslegern an beiden Seiten. Über die Ausleger sind dünnwandige Netze gespannt, auf denen die Fische getrocknet werden können.

Tanken in Labuan Bajo

Fischerboot mit Ausleger

Auch von unserem Ankerplatz aus lässt sich das Treiben auf dem Wasser gut beobachten. Schon vor dem ersten Tageslicht setzt ein reger Verkehr ein. Wasserfahrzeuge in verschiedener Form und Größe ziehen an uns vorbei. Einige kleine paddeln oder segeln, die meisten fahren aber mit Motor, wobei der langsam tuckernde Diesel die Geräuschkulisse bestimmt. Beängstigend wird das Geräusch, wenn ein Boot zwei Motoren besitzt und sich die Töne zu einer Schwebung überlagern. Schiffe und Boote sind in dem Inselstaat Indonesien nach wie vor ein wichtiges Verkehrsmittel.

Indonesien ist mit 13677 Inseln und einer Landfläche von fast 2 Millionen km² der größte Inselstaat der Welt und hat 190 Millionen Einwohner. Es ist auch der Staat mit der größten islamischen Bevölkerung, aber trotzdem kein islamischer Staat. Es gibt auch Christen und Hindus. Auf Flores sind z.B. 60% der Bevölkerung Christen und Bali ist überwiegend hinduistisch.

An unserem letzten Tag in Labuan Bajo versorgen wir uns mit Obst, Gemüse, Wasser, Bier (Bintang, indonesisch) und Geld (Bankautomat) und essen mittags in einem Restaurant mit kostenlosem Internetzugang (Wifi). Wir hätten nie gedacht, dass man in diesem kleinen Ort alles Notwendige so einfach und günstig bekommen kann.

Am 8.7. verlassen wir morgens Labuan Bajo in Richtung Rinca. Bei dem schwachen Wind können wir nur ein kleines Stück segeln. Kurz vor Mittag ankern wir vor dem Steg des Nationalparks auf Rinca . Als ein großes Ausflugsboot die Bucht verlässt, wollen wir uns etwas näher zum Steg verlegen. Doch unsere Ankerwinsch schafft nur die Hälfte der Kette, dann rattert sie und kommt nicht weiter. Nach einigen Versuchen ist mir klar, dass im Getriebe irgendwo ein Zahn fehlt. Die Ankerwinsch ist nun endgültig ausgefallen.

Inzwischen weht es mit 20 kn und 30 m Kette liegen noch auf 15 m Wassertiefe. Wir könnten warten bis der Wind nachlässt und dann den Anker von Hand hoch holen. Doch ich möchte schon jetzt nach Labuan Bajo  zurück fahren, damit wir noch bei Tageslicht ankommen. Nur in Labuan Bajo können wir in Ruhe die Ankerwinsch tauschen und notfalls Unterstützung bekommen. Eine neue Winsch hatte ich bereits in Bundaberg gekauft, weil der Ausfall bei dem lauten Geräusch irgendwann zu erwarten war.

Immer wenn der Wind etwas nachlässt, ziehe ich ein bis zwei Meter Kette an Bord. Bei 20 m Restlänge beginnen wir zu driften. Ich steuere in die Mitte der Bucht und der Wind treibt uns langsam in tieferes Wasser. Es dauert eine halbe Stunde bis ich den Rest der Kette und den Anker geborgen habe. Eine Stunde vor Sonnenuntergang liegen wir wieder auf unserem alten Ankerplatz in Labuan Bajo.

Noch am Abend bereiten wir den Austausch der Ankerwinsch vor. Der Ausbau beginnt am frühen Morgen. Die beiden Teile der Winsch (Kettenrad, Getriebe/Motor) sind mit vier Bolzen verschraubt. Wenn ich die vier Muttern lösen kann, sollten sich die beiden Teile trennen und herausnehmen lassen. Die vier Muttern sind tatsächlich schnell gelöst, aber es bewegt sich nichts. Drücken, Hebeln und Schlagen hat keine Wirkung. Schließlich erkenne ich über einen Spiegel, dass Material vom Flansch (AL) an dem Bolzen aus Edelstahl aufgewachsen ist. Es sieht aus wie eine Schweißverbindung. Diese vier gewachsenen Verbindungen können wir mit unserem Bordwerkzeug nicht lösen.

Wir fahren in den Ort und fragen nach einem Mechaniker. Sinyo wird uns als Spezialist genannt, aber wir können ihn nicht finden. Stephan, ein junger Mann aus einem der vielen Reisebüros führt uns schließlich zu ihm und betätigt sich als Dolmetscher. Sinyo packt etwas Werkzeug ein und kommt zusammen mit Stephan zu uns an Bord. Nach einer Stunde ist es ihm gelungen, eine der vier Verbindungen zu brechen, aber zum Ausbau reicht das noch lange nicht.

Sinyo will nun eine Abziehvorrichtung bauen und vielleicht noch am Nachmittag zurück kommen. Ich spreche die Kosten an und denke dabei an die niedrigen Preise in Indonesien. Doch Sinyo verlangt 3 Millionen Rupien (210 EUR) als Festpreis. Schließlich können wir uns auf 2,5 Millionen einigen, die im Erfolgsfall fällig sind.

Gegen drei Uhr kommt Sinyo mit Dolmetscher, Fahrer und einer gewaltigen Abziehvorrichtung zurück. Aber die Ankerwinsch lässt sich auch mit diesem Werkzeug kaum bewegen. Jetzt bleibt nur noch die totale Zerstörung. Ich würde mit dem Trennschleifer arbeiten, Sinyo will bohren und meißeln. Ich stelle den Generator auf und Sinyo beginnt mit der Zerstörung. Es ist schon dunkel, als die Winsch endlich in zwei Teile zerfällt und herausgenommen werden kann.

Frisches Gemüse vom Markt

Fünf an der Winsch

Morgens fahren wir zuerst zu Sinyo, um eine Montageplatte abzuholen, die noch gerichtet werden musste. Dann beginnen wir mit dem Einbau der neuen Winsch ohne fremde Hilfe. Die Hebevorrichtung mit einer Leine funktioniert wie vorgesehen. Nach kurzer Zeit ist die Winsch an ihrem Platz und kann montiert werden. Alles funktioniert, die Aquila ist wieder voll einsatzfähig.

Sinyo in seiner Werkstatt

Zerlegte Ankerwinsch

Am nächsten Morgen fahren wir ein zweites Mal nach Rinca, überwiegend mit Motor. Wir ankern wieder vor dem Steg des National Parks. Der Komodo National Park umfasst die Inseln Komodo und Rinca und ist besonders bekannt durch die Komodo-Drachen. Das sind Leguane, die nur in dieser Region leben und bis zu 4 m lang werden können.

Nachmittags gehen wir mit dem Schlauchboot an Land und erfahren von den Einheimischen auf einem Ausflugsboot, dass die Ranger Station noch 500 m entfernt ist. Sie erzählen uns auch, dass die Komodo-Drachen überall anzutreffen und nicht ganz ungefährlich sind. Man sollte sich auf jeden Fall mit einem langen Stock bewaffnen. Daraufhin verzichten wir auf den Abendspaziergang und beschäftigen uns noch etwas mit den Affen, die in der Nähe des Stegs herumtollen.

Am frühen Morgen gehen wir mit Machete und langem Stock bewaffnet wieder an Land. Auf dem Weg zur Ranger Station sehen wir tatsächlich die ersten Drachen und halten respektvoll Abstand. Im Büro der Station wird uns Bruno, ein siebzehjähriger Schüler, als Führer zugeteilt. Wir machen uns auf den Weg und sehen schon bald fünf Drachen, die müde in der Sonne liegen. Einige bewegen sich dann langsam auf neue Ruheplätze zu.

Nachbar am Ankerplatz

Gefährlicher Drache

Auf dem Weg durch den Busch erzählt uns Bruno mehr über die Drachen. Sie ernähren sich von Büffeln, Wildscheinen und Hirschen, die sie aber nur im Schlaf angreifen können. Durch den Biss eines Drachens sterben die Tiere nach kurzer Zeit an einer bakteriellen Vergiftung. Die Drachen können dann ihre Beute in aller Ruhe verzehren.

Bei der Wahl ihre Beute sind die Drachen nicht wählerisch. Sie verzehren auch ihren eigenen Nachwuchs, wenn sie ihn erwischen. Deshalb wandern die jungen Drachen sofort in die Bäume, wenn sie aus dem Ei geschlüpft sind.

Büffel, Wildschweine und Hirsche sehen wir bei unserer Wanderung nicht. Doch auf dem Rückweg versperrt uns der größte Drache der Insel (King of the Dragons) den Weg. Er ist etwa 4 m lang und bewegt sich im Moment noch langsamer als wir. In einem großen Bogen überholen wir ihn und sind dann schon bald zurück an der Ranger Station.

Gegen 11 Uhr fahren wir weiter in Richtung Komodo. Inzwischen weht es mit 30 kn und es entstehen steile Wellen durch die Strömungen zwischen den Inseln. Bei schneller Fahrt mit stark gereffter Genua haben wir unser Ziel, die Bucht Gili Lawa im Norden von Komodo, nach knapp vier Stunden erreicht.

Schon bald nähert sich ein Boot mit vier Männern, die uns Fisch, Perlen und geschnitzte Drachen anbieten. Wir kaufen den größten Fisch und den kleinsten Drachen. Als die Männer dann nach Kleidung fragen, teilen wir großzügig aus. Am Ende bekommen sie noch eine neue Leine, die wir nicht gebrauchen können, und einige Dosen alkoholfreies Bier, das Wilma nicht schmeckt. Die Männer sind überglücklich und verlassen uns singend und winkend.

ZURÜCK