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Wir liegen seit mehreren Tagen bei schwachem Wind vor dem Ort Wagaga auf Horn Island. Inzwischen sind wir überall bekannt, im Laden, im Hotel (Internet) und bei den Bootsnachbarn. Von Sandy und Trevor, die direkt neben uns ankern, erfahren wir, dass die Untiefe im Escape River bei Australiern bekannt ist. Uns durchreisenden Seglern hilft das allerdings wenig, wenn sie weder im Handbuch noch in der Karte eingezeichnet ist.
Unser nächstes Ziel, die Stadt Darwin, ist ungefähr 700 sm entfernt. Nach etwa 600 sm wollen wir einen Zwischenstopp auf der Insel Croker oder der Halbinsel Coburg einlegen. Nach den Prognosen (UGrib) sollte sich ab Montag wieder ein Südost-Passat einstellen, der auf der ganzen Strecke gute Segelbedingungen liefern müsste. Also bereiten wir uns auf die Abreise vor.
Am 25.05.09 laufen wir gegen 9 Uhr aus, kurz vor Stillwasser. Vorsichtig umfahren wir die verschieden Untiefen bis zum Normanby Sound. Hier strömt es bereits mit mehr als zwei Knoten Richtung Westen. Hinter Booby Island fahren wir noch etwas nach Süden, um den Hocking Patches auszuweichen. Danach haben wir endlich freies Wasser vor uns.
Der Wind ist noch schwach und wir fahren zeitweise mit Motor. Nachmittags setzt schließlich der angekündigte Passat ein. Mit leicht gereffter Genua machen wir 5 bis 6 kn Fahrt in Richtung Westen. Die Wellen sind manchmal chaotisch und es kommt auch etwas Wasser ins Cockpit. Insgesamt ist die Arafura See hier aber wesentlich angenehmer als ihr Ruf.
Am zweiten Tag nimmt der Wind langsam aber stetig ab. Nach Mitternacht rollen wir die Genua ganz ein und fahren bis zum Morgen nur mit Motor im Sparbetrieb (4,5 kn, 1l/h). Danach versuchen wir es wieder mit Segeln. Es geht gerade so, weil die Wellen abgenommen haben. Aber über 4 kn Fahrt kommen wir nie hinaus. Erst gegen Abend setzt wieder der normale Passat ein und bringt uns auf die normale Reisegeschwindigkeit (5-6kn).
Gegen 21 Uhr spricht uns Customs Coast Watch über Funk von einem Flugzeug aus an und stellt die üblichen Fragen: Name of vessel, port of registration, last port of call, next port of call. Wir kennen das aus Berichten und wissen es von anderen Schiffen. Für uns war aber es der erste Kontakt dieser Art.
In der zweiten Nachthälfte nimmt der Wind wieder ab und wir kommen nur noch sehr langsam voran (3 kn). Nach Sonnenaufgang frischt der Wind etwas auf, aber 5 kn Fahrt erreichen wir nur selten. Nachmittags stellt uns die Air Force die bekannten Fragen. In diesem Seegebiet können wir nicht verloren gehen.
Bei Sonnenuntergang zieht eine dunkle Wolkenfront heran. Sie bringt zuerst Regen in Böen und dann guten Segelwind (SE 20 kn). Der Wind ist beständig, nimmt aber am nächsten Tag auf 25 bis 30 kn zu. Nun wird das Meer etwas ruppig. Bei reduzierter Fahrt mit kleiner Genua ist es jedoch noch erträglich.
Heute werden uns von Maritime Control die Standardfragen gestellt. Wir fragen uns, wie viele Stellen das Seegebiet überwachen und ob sie in irgendeiner Form zusammen arbeiten. Nachts schwächt sich der Wind 20 kn ab und die Fahrt wird wieder angenehm.
Gegen 11 Uhr ändern wir den Kurs in Richtung Coral Bay auf der Halbinsel Coburg. Vor dem Ankern müssen wir noch einmal die üblichen Fragen beantworten, diesmal wieder an ein Flugzeug von Customs Coast Watch. Danach fällt der Anker in der Coral Bay, fast genau 600 sm und 5 Tage nach dem Aufbruch von Horn Island in der Torres Strait. Es war eine angenehme Reise bei überwiegend leichtem Wind und mäßigen Wellen. So hatten wir uns die Fahrt durch den Pazifik vorgestellt.
Die Coral Bay ist an den Landstrukturen praktisch nicht zu erkennen. Von zwei Riffen ist nur eins sichtbar. Wir müssen uns deshalb voll an den elektronischen Seekarten orientieren. Obwohl wir nicht im ganz flachen Bereich ankern, ist das Wasser einigermaßen ruhig. Doch als nachts der Wind nachlässt, läuft von Norden Schwell in die Bucht hinein, und wir werden heftig durchgeschüttelt.
Am nächsten Morgen fahren wir weiter in Richtung Alcora Bay. Als Wilma merkt, dass heute Pfingstsonntag ist, wird das Mittagessen um eine Suppe als Vorspeise ergänzt. Der Wind reicht gerade zum Segeln aus, obwohl wir zeitweise einen Strom von 2,5 kn gegen uns haben. Nachmittags ankern wir in der großen Alcora Bay in flachem Wasser. Ein Motorboot eines Resorts kommt auf uns zu. Man fragt, ob wir uns verfahren haben, denn hier hat seit Wochen kein Schiff mehr geankert.
Hinter Cape Hotham soll unser letzter Ankerplatz vor Darwin liegen. Wir starten wieder kurz vor Sonnenaufgang und haben überwiegend guten Segelwind. Als wir uns gegen 17 Uhr dem Ziel nähern, zieht eine dunkle Front vom Kap herauf. Doch nichts deutet auf ein Gewitter oder starken Wind hin. Schließlich verdunkelt sich die Sonne, es wird etwas unheimlich. Nach einer Stunde sind wir am Ziel. Wir vermuten, dass der frühe Sonnenuntergang durch Rauchwolken eines Waldbrandes entstanden ist.
Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei, und wir fahren sehr früh Richtung Howard Channel, um eine günstige Strömung zwischen den Inseln zu nutzen. Die Strömung ist unterschiedlich, aber wegen der Nipptide selten über 2 kn. Obwohl der Wind schwach ist, versuchen wir immer wieder Richtung Darwin zu segeln. Letztlich müssen wir doch überwiegend mit Motor fahren.
Einige Seemeilen vor Darwin werden wir vom Lock Master der Cullen Bay Marina, die wir von Horn Island aus gebucht hatten, über Funk gerufen. Er empfiehlt uns, mit Fishery (Fischereibehörde) die Freigabeprozedur für den Zugang zur Marina zu besprechen.
In Darwin sind wegen des großen Tidenhubs von bis zu 7 m alle Marinas durch Schleusen vom Meer getrennt. Man kann in die Marinas erst einlaufen, wenn eine Freigabe von Fishery vorliegt. Bei ausländischen Schiffen ist dazu oft eine Untersuchung des Unterwasserschiffes und eine entsprechende Behandlung erforderlich.
Über Mobiltelfon erreiche ich einen freundlichen Herrn bei Fishery. Er stellt mir mehrere Fragen und kommt dann zu dem Schluss, dass unser Schiff frei von schädlichen Pflanzen und Tieren sein müsste (3 Monate an Land, neues Antifouling, nur 4 Tage in Cairns). Also könnten wir noch heute in die Marina geschleust werden.
Gegen 18 Uhr machen wir bei der Schleuse fest. Doch bevor sich die Tore für uns öffnen müssen erst noch die Versicherungsunterlagen geprüft werden. Drei Formulare mit vielen Antworten und einer Kreditkartennummer hatten wir der Marina bereits vorab zugeschickt. Obwohl unsere Versicherungsunterlagen nicht neuesten Datums sind, darf uns der Lock Master nach Rücksprache mit seinem Chef doch in die Marina schleusen. Es ist schon dunkel, als wir an dem reservierten Steg festmachen können.
Mit Darwin haben wir unsere letzte Station in Australien erreicht. Von hier aus wollen wir weiter nach Indonesien segeln. Insgesamt haben wir von Bundaberg bis Darwin 1900 sm entlang australischen Küste zurückgelegt und doch weniger als drittel des Landes umrundet.
Die Cullen Bay Marina liegt am Rande von Darwin. Aber es gibt einen Linienbus in die Stadt und einen Cortesy Bus zu dem Casuarina Einkaufzentrum im Norden der Stadt.
Am wichtigsten ist mir am Anfang jedoch die Inspektion unseres Ruders. Hier in der Marina soll es nur kleine Haie und die gefährlichen Quallen (Box Jellyfish) geben, aber keine Krokodile. Ich ziehe einen Anzug (Singer Suit) an und gehe mit Maske und Flossen ins Wasser. Die Sicht beträgt weniger als einen halben Meter. Nach mehreren Tauchgängen komme ich zu dem Schluss, dass das Ruder in Ordnung sein müsste. Es ist nur unten stark angekratzt. Erleichtert beende ich das erste Bad in einem australischen Gewässer.
Nachdem wir verschiedene Einkäufe erledigt und die Visa und die Fahrerlaubnis für Indonesien vom Konsulat bekommen haben, machen wir uns mit einem Campingbus auf den Weg in die Nationalparks der Umgebung. Der Kakadu National Park, der von der UNESCO aufgrund seiner kulturellen und natürlichen Werte zum Weltkulturerbe erklärt wurde, ist unser erstes Ziel.
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Tauchgang in der Marina |
Mobil im Kakadu Park |
Über den Arnhem Highway fahren wir bis an das nordöstliche Ende des Parks. Der Weg führt überwiegend durch eine trockene, verbrannte und brennende Savannen-Landschaft. Die Brände sind nach der Tradition der Aborigines zu einem großen Teil künstlich gelegt und sollen eine Regeneration der Vegetation bewirken. Die meisten Bäume, überwiegend Eukalyptus, überstehen die Brände ohne größere Schäden.
Kurz vor Ubirr übernachten wir auf einem Caravan-Platz. Am nächsten Morgen besichtigen wir die berühmten Felszeichnungen in Ubirr. Einige Zeichnungen der Aborigines, die hier seit 50 000 Jahren leben, sollen 2000 Jahre alt sein und Geschichten von vor 20 000 Jahren erzählen. Es gibt aber auch Zeichnungen aus jüngerer Zeit, die z.B. die Ankunft der Europäer darstellen. Die Zeichnungen und die Erläuterungen zu der Geschichte sind sehr beeindruckend. Das gleiche gilt für den Blick von einem Hügel in die weite Landschaft: grünes Sumpfland, etwas Regenwald, Savanne und große Felsplateaus.
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Verbrannte Erde |
Landschaft bei Ubirr |
In dem Bowali Visitor Centre und dem Warradjan Aboriginal Cultural Centre lernen wir noch mehr über die Fauna die Flora der Region, die jährlichen Klimaunterschiede und die Kultur und Geschichte der Aborigines. Es gibt im Kakadu-Park 68 verschiedene Säugetiere, 120 Reptilienarten, 26 verschiedene Frösche und 290 Vogelarten. Gesehen haben wir davon allerdings nur sehr wenig. Sehr amüsant war für uns ein Kakadu, der in einem Baum Pandanüsse pflückte und in einem anderen genüsslich verzehrte.
Die Aborigines führten und führen ein sehr einfaches Leben in und mit der Natur. Für sie sind das Land, seine Formation, die Tiere und Pflanzen von großer spiritueller Bedeutung. Nur wenigen Außenstehenden ist das komplexe System und die Philosophie der Aborigines verständlich. Wir wissen nicht, wie ursprünglich die Aborigines heute noch in ihren selbstverwalteten Communities leben. Die Aborigines in den Städten leben wohl größtenteils am Rande der westlichen Gesellschaft.
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Felszeichnung Jäger |
Felszeichnung Tiere |
Nachmittags fahren wir den Kakadu Highway weiter nach Süden und übernachten auf dem Caravan-Platz beim Mary River Roadhouse. Hier gibt es sogar Stromanschluss. Mobilfunk ist in seiner Standardversion (GSM) in abgelegenen Gebieten nirgends verfügbar. Man hat sich beim Ausbau des Netzes in Australien gleich auf die Version Next Generation konzentriert, die wir nicht installiert haben.
Am nächsten Morgen fahren wir weiter zum Litchfield National Park, den wir am frühen Nachmittag erreichen. Wir durchfahren den Park bis zu den Wangi Falls und finden gerade noch einen freien Platz im Caravan-Park. Es bleibt auch noch Zeit, zu den Wasserfällen zu wandern. Der breitere der beiden Fälle ist der größte, den wir bislang in den Tropen aus der Nähe gesehen haben. Doch noch schöner als die beiden Wasserfälle ist das kühle Bad in ihrem großen Becken. Klares Wasser, einige Fische, das haben wir in Australien noch nirgends gesehen.
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Kakadu mit Pandanüssen |
Wangi Falls |
Morgens fahren wir früh zurück in Richtung Tolmer Falls. Auf der Strecke sehen wir viele Wallabies (kleinere Känguruart) und zwei Dingos. Die Tolmer Falls kann man nur von einer Plattform aus betrachten. Nach einer einstündigen Wanderung fahren wir weiter zu den Magnetic Termite Mounds (magnetische Termitenhügel). Die Besonderheit dieser Termitenhügel liegt in der flachen Form und der genauen Nord-Süd-Ausrichtung, durch die ein günstiger Thermalhaushalt im Innern erzeugt wird. Neben den unzähligen ausgerichteten Hügeln gibt es hier auch die normalen Hügel (cathedral mounds), die man in dieser Region überall sehen kann. Beide Arten werden bis zu 5 m hoch.
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Ausgerichteter Termitenhügel |
Großer Termitenhügel |
Wir verlassen den Litchfield National Park in Richtung Darwin. Kurz vor Darwin besuchen wir noch den Crocodylus Park, wo wir Fütterung der riesigen Salzwasserkrokodile miterleben können. Diesen Tieren sollte man wirklich aus dem Wege gehen. Jungtiere mit zugeklebtem Maul kann man dagegen ohne großes Risiko auf Händen tragen, wovon sich Wilma selbst überzeugt. Neben den vielen Krokodilen verfügt der Park auch über ein kleines Museum und einen Minizoo mit Raubkatzen, Affen und verschiedenen exotischen Vögeln.
Abends sind wir wieder auf unserem Schiff. Es ist natürlich alles komfortabler als in dem Campingbus. Trotzdem hat uns diese Art des Reisens gut gefallen.
Inzwischen ist auch die Brio in Darwin angekommen und in der Fannie Bay vor Anker gegangen. Marianne und Jürg besuchen uns auf der Aquila, wo wir uns viel zu erzählen haben. Am nächsten Abend gehen wir gemeinsam auf den Mindil Market, der in einem Park am Strand stattfindet. Hier wird Handwerkskunst aus verschieden Kulturen angeboten, besonders viel von den Aborigines. Beim Essen ist das Spektrum noch breiter, nur Bier ist nirgends zu bekommen (Alkoholverbot). Dafür sehen wir einen schönen Sonnenuntergang.
Die Stadt Darwin ist uns inzwischen sehr vertraut. Wir stellen fest, dass man das Zentrum von der Marina aus in einer halben Stunde auch gut zu Fuß erreichen kann. In Darwin gibt es viele Touristen und auffallend viele junge Deutsche. Bei einem Rundgang sehen wir uns das Government House, das Parliament House, den Supreme Court und den Brown Mart an. Das Parliament House, das erst 1994 fertig gestellt wurde, ist von interessanter Architektur und Technik. Es ist ganz dem tropischen Klima angepasst. Das Dach und die Fassaden reflektieren 90 % des Sonnenlichts und das ganze Gebäude ist wirbelsturmsicher.
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Gebändigtes Krokodil |
Parliament House in Darwin |
Auf der Aquila gibt es verschiedene Reparatur- und Wartungsarbeiten. Wilma näht einen Sonnenschutz für unser Schlauchboot. Ansonsten bereiten wir uns allmählich auf die Reise nach Indonesien vor.