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Auf Menorca wird uns klar, dass wir bis zu unserem Rückflug von Almeria nach Deutschland Ende August viel Zeit haben. In der Bucht Taulera bei Mahon bleiben wir deshalb eine Woche. Die Bucht ist zwar dicht belegt mit Ankerliegern aus aller Welt, aber dafür bei allen Winden absolut sicher. Einziger Nachteil ist der lange Weg zum Einkaufen nach Mahon, für den wir mit unserem Schlauchboot eine halbe Stunde brauchen.
Abends sind wir mehrmals mit Henning und Tatjana von der Motoryacht Baracuda zusammen. Die beiden Hamburger wohnen seit 17 Jahren auf ihrem 17m-Schiff, auch schon während ihrer Berufstätigkeit. Seit zwei Jahren sind sie ihrem Schiff im Mittelmeer, ihr Ziel ist letztlich die Türkei.
Am 3.7. verlassen wir früh morgens Menorca mit dem Ziel Mallorca. Kurz nach dem Auslaufen stelle ich fest, dass der Kühlschrank nicht mehr anspringt. Das beunruhigt mich wenig, weil der Kühlschrank schon häufiger ausgefallen ist. Ich mache mich an die Fehlersuche. Da wir wenig Wind und Seegang haben, kann ich auch einiges zerlegen und intensiv überprüfen. Nach einiger Zeit wird mir klar: dieser Kühlschrank ist am Ende.
Ich beschäftige mich intensiv mit den verschieden Kühlschrankkonzepten (Literatur ist an Bord) und habe Ideen für eine bessere Lösung. Aber wie komme ich hier an ein neues Gerät?
Nach 60 sm, davon nur 15 sm unter Segel, erreichen wir den Naturhafen Porto Colom. Wir fahren durch das Feld der Ankerlieger und sehen plötzlich Knaatsche. Knaatsche heißt die Segelyacht von Hans aus Tannhausen bei Aalen, Baden-Württemberg. Hans hat einige Wochen vor uns Marmaris, Türkei, verlassen und ist wie wir auf dem Weg in die Karibik. Zur Zeit ist er allein an Bord.
Hans kennt sich in Porto Colom schon gut aus und hat auch eine Idee, wie wir unser Kühlschrankproblem lösen können, nämlich über den örtlichen Volvo Service. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zu dem Volvo Service, der leider weit außerhalb der Stadt liegt. Er ist in deutscher Hand, und nach kurzer Zeit ist alles arrangiert. In den nächsten Tagen wird eine Firma aus Palma kommen und uns ein neues Kühlaggregat und einen neuen Verdampfer einbauen. Das Kühlaggregat soll auch so klein sein, dass es unter unser Kühlfach passt.
Schon am nächsten Tag kommt der ersehnte Anruf, dass die Firma aus Palma gegen 16 Uhr das Kühlaggregat austauschen will. Wir gehen an einen Steg des Club Nautico und warten, vergebens.
Schließlich wird uns gesagt, dass er am nächsten Morgen kommt. Wir warten wieder, mittags ist es dann wirklich so weit. Ein Monteur kommt und tauscht Kühlaggregat, Verdampfer und Regler aus. Zur gleichen Zeit kommt auch ein Monteur des Volvo Service und tauscht die defekten Simmeringe an der Wasserpumpe des Motors aus. Nachmittags ist alles geregelt, die Kosten waren trotz der langen Anfahrt von Palma niedriger als in Deutschland.
Der Kühlschrank läuft und kühlt, arbeitet aber in Intervallen von 3 Minuten. Das häufige Schalten ist sicher nicht gut und außerdem störend. Deshalb schalte ich wieder meinen externen Regler vor, der die Kühlschranktemperatur in einem vorgegebenen Bereich hält.
Unsere große Sorge, tagelang ohne kalte Getränke leben zu müssen war übrigens völlig unbegründet. In Porto Colom gibt es in unzähligen Geschäften Eis zum Kühlen.
Wilma bei ihrem Lieblingsgericht
Am nächsten Tag nehmen wir uns einen Leihwagen, um unsere Verwandten Bernd und Monika zu besuchen, die gerade in Ihrem Haus in Can Picafort sind. Wir genießen die Fahrt durchs Land. In Monarcor kaufe ich bei Vodafone eine SIM-Karte, obwohl die Verkäuferin behauptet, dass damit ein Internet-Zugang über GPRS nicht möglich ist.
Nach einigem Suchen finden wir Bernd und Monika. Ihr Haus hat einen eigenen Swimming Pool und liegt 10 min vom Strand entfernt und damit auch abseits des Touristenrummels. Nach der geplanten Aufstockung werden sie auch einen direkten Meerblick haben. Hier kann man leben.
Nach dem Besuch fahren wir weiter nach Alcudia. Kurz vor Alcudia begegnen wir zum ersten Mal dem berüchtigten Mallorca-Tourismus, hier in der britischen Variante. Die Engländer sehen hier genau so aus wie in Marmaris: spärlich bekleidet, weiß- oder rothäutig, tätowiert und sehr gut genährt. Ich kann mir vorstellen, dass ähnliche Beschreibungen auch auf die Touristen an den deutschen Hochburgen auf Mallorca zutreffen.
Am folgenden Tag besuchen uns Bernd und Monika in Porto Colom. Es wird leider ein Kurzbesuch, weil wir den Steg bereits mittags wegen der Vorbereitungen für ein Fischerfest verlassen müssen. Wir gehen wieder vor Anker, direkt neben Hans von der Knaatsche.
Am 10.7 verlassen wir Porto Colom und segeln in die Bucht von Palma. Wir ankern hinter den Inseln Las Illetas, 2,5 sm südwestlich von Palma. Es ist ein schöner Platz mit klarem Wasser und reizvoller Umgebung. Tagsüber ankern hier viele Boote, abends fahren die meisten aber zurück in den Hafen von Palma. Dann wird es ruhig, und am Himmel sieht man in Abständen von weniger als 2 Minuten Flugzeuge starten und landen. Zum Glück ist der Abstand so groß, dass es nicht störend ist.
Ankerplatz bei Las Illetas
Am nächsten Tag weht es so stark in die Bucht, dass wir es vorziehen, auf der gegenüber liegenden Seite (2,5 sm) vor Palma Nova zu ankern. Hier gibt es einen langen Sandstrand, viele Hotels und den üblichen Massentourismus, überwiegend britisch. An dem Strand herrscht reger Bootsverkehr, der starken Schwell erzeugt. Als uns schon morgens durch ein vorbei fahrendes Boot Wasser über die Bordwand kommt, fahren wir wieder zurück zu den Inseln Las Illetas.
Nach insgesamt vier Tagen fahren wir weiter nach Port Andratx, einem Naturhafen mit guten Ankerplätzen. Der Ankerbereich ist dicht belegt mit Seglern aus aller Welt. An Land fallen uns die unzähligen Immobilienbüros, deutsche Möbelhäuser und andere deutsche Geschäfte auf. Die Hügel um Port Andratx sind bewaldet und mittlerweile mit vielen Häusern und Wohnlagen bestückt. Man sagt uns, dass hier viel deutsche Prominenz wohnen soll, u.a. Sabine Christiansen und Claudia Schiffer.
Beide sehen wir nicht, aber dem Chefredakteur des Stern, Jörgens, begegnen wir zweimal. Mein Problem in Port Andratx war aber nicht so sehr die deutsche Prominenz, sondern viel mehr die mobile Kommunikation. Mit der SIM-Karte von Vodafone kam ich anfangs sofort ins Internet. Nach und nach wurde es immer schwieriger, eine Verbindung herzustellen. Am Ende ging gar nichts mehr.
Das wäre eigentlich kein Problem gewesen, wenn nicht gerade Inmarsat den RBGAN-Dienst, den ich fürs Internet nutze, von dem Satelliten Thuraya auf den eigenen Satelliten Inmarsat 4 umgestellt hätte. Für den neuen Satelliten braucht man eine neue Software, die ich nicht hatte. Nach mehreren Anläufen gelingt es mir schließlich in einem Internet Cafe, die neue Software zu laden und schließlich auf meinen PC zu installieren. Damit war der Internetzugang wieder hergestellt.
Von unserem Ankerplatz aus erleben wir das Fischerfest in Port Andratx aus nächster Nähe. Kurz vor Sonnenuntergang geht eine Prozession mit vielen geschmückten Booten und Schiffen aufs Meer hinaus. Auf einem Schiff soll die Schutzheilige der Fischer sein. Nach Sonnenuntergang kehren alle in den Hafen zurück, und es startet eine große und laute Feier mit Feuerwerk. In der nächsten Nacht gibt ein noch größeres Feuerwerk in der Hafeneinfahrt.
Nach drei Tagen vor Anker gehen wir an einen Gastliegeplatz im Club Vela. Hier gibt es Wasser und Strom und auch ein Schwimmbad. Der Hauptgrund für den Wechsel in die Marina ist aber unsere geplante Busfahrt nach Palma.
Kurz nach dem wir festgemacht haben, fährt ein schnittiges, hellblaues deutsches Motorschiff an uns vorbei nach draußen. Auf dem Deck lässt sich lässig ein junger blonder Mann nieder, der aussieht wie Boris Becker. Ich spreche einen Mariniero an. Ja, es ist Boris Becker, er hat einen festen Liegeplatz 30 m von uns entfernt. Dort parken auch die zugehörigen teuren Cabrios.
Die Busfahrt nach Palma war kein Vergnügen. Für die Strecke von 40 km braucht der Bus wegen der vielen Halte- und Baustellen fast zwei Stunden. Wir besichtigen die Kathedrale und ihre Umgebung und schlendern dann langsam durch die Gassen über den Plaza Major bis zum Bahnhof Soller. Wir sind froh, als wir den Busbahnhof gefunden haben und nach längerer Wartezeit auch der Bus nach Port Andratx erscheint.
Die Kathedrala von Palma
Am 19.7 verlassen wir kurz vor 7 Uhr Port Andratx mit dem Ziel Ibiza. Der Wind hält sich weitgehend an die Vorhersage des DWD (NE 4-5), nur die Wellen sind etwas höher. Mit einer Segelstellung und einer Einstellung des Autopiloten (Wegpunkt) erreichen wir nach 9,5 Stunden und 55 sm die Bucht Port Portinatx auf Ibiza.