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Am 30.05.08 laufen wir zusammen mit der Golden Tilla gegen 8 Uhr aus Hakehetau, Ua Pou, in Richtung Tuamotus aus. Unser Ziel, das Atoll Rangiroa im Norden der Tuamotus, ist 570 sm entfernt. Auf dem offenen Meer hat der Wind die vorhergesagten 15 kn aus Ost, und wir können mit 6 kn Fahrt auf unser Ziel zusteuern. Im Laufe der Nacht nimmt der Wind weiter zu und wir werden noch schneller.
Bereits am zweiten Nachmittag wird klar, dass wir die Fahrt deutlich reduzieren müssen, um nicht nachts auf Rangiroa anzukommen. Zum ersten Mal binden wir ein drittes Reff ins Großsegel ein. Da das von der Werft nicht vorgesehen war, habe ich dafür spezielle Leinen vorbereitet. Trotz der hohen Wellen gelingt das Manöver problemlos.
Nachts nimmt der Wind weiter zu und wir sind froh, dass wir nun stark gerefft segeln können. Plötzlich heult der Windgenerator laut auf. Die Schutzkontakte haben wegen Überhitzung geöffnet und die Flügel drehen jetzt im Leerlauf rasend schnell. Wir entschließen uns, den Windgenerator zu stoppen und die Flügel festzubinden. Nach guter Vorbereitung ist auch dieses Manöver bald erfolgreich abgeschlossen.
Der nächste Tag bringt anfangs etwas weniger Wind bei gleichbleibenden hohen Wellen, die unangenehm von der Seite anrollen. In der Nacht nimmt der Wind wieder zu und wir haben mit den drei Reffs im Groß die richtige Segelfläche. Allerdings ist die Aquila immer noch zu schnell. Mittags bergen wir das Großsegel komplett und fahren nur noch mit einem kleinen Teil der Genua. Das ist auch gut möglich, weil der Wind jetzt mehr von achtern kommt. Das Schiff liegt nun ruhiger, ist aber mit 5,5 kn immer noch zu schnell.
Zwei Stunden vor Sonnenaufgang rollen wir das letzte Stück Genua ein und wundern uns, dass die Aquila noch 4,5 kn Fahrt macht. Bei 20 kn Wind, die in Böen mehrmals auftreten, erreichen wir sogar 6 kn Fahrt.
Um 9 Uhr ist Land in Sicht. Ein schmaler Streifen mit Palmen ist gerade am Horizont erkennbar. Gegen 11 Uhr nähern sich außer uns die Golden Tilla, die Palmask und die Nomad dem Pass bei Tiputa auf Rangiroa. Nach unseren Informationen ist eine Stunde nach Niedrigwasser (oder Hochwasser) die Strömung am geringsten. Demnach sollten wir um 11.30 durch den Pass in das Atoll fahren.
Wir überlassen der Palmask den Vortritt und wundern uns, dass sie so langsam voran kommt. Kurze Zeit später wissen wir warum. Das Wasser strömt mit 5 bis 6 kn aus dem Atoll heraus und erzeugt mit den hohen Passatwellen steile kurze Wellen im Pass. Nur mit voller Maschinenkraft gelingt es uns, aus dem Getöse herauszukommen. Wir sind froh als, als wir kurz nach 12 Uhr hinter einem Riff in ruhigem Wasser ankern können.
Rangiroa ist das größte Atoll der Tuamotus, 80 km lang und 20 km breit. Der Landstreifen im Norden ist am breitesten und deshalb auch am stärksten besiedelt. Rangiroa hat 2500 Einwohner und im Norden eine Autostrasse und einen Flughafen. Die anderen Atolle der Tuamotus ( ca. 70) sind wesentlich kleiner und zum Teil unbewohnt.
Die Atolle haben ihren Ursprung in einem Vulkan, der erkaltet und sehr langsam abgesunken ist. An den Rändern des Vulkans sind dann Korallen relativ schnell nachgewachsen. Wenn der Vulkan ganz abgesunken ist, bleibt am Ende ein Ring aus Korallen bestehen, der dann nach einiger Zeit von Pflanzen bewachsen wird.
Auf Rangiroa ist der Landstreifen im Norden bis zu 500 m breit, üppig bewachsen und dicht besiedelt. Hier liegt auch die luxuriöse Hotelanlage Kia Ora mit Bungalows unter Palmen und auf Pfählen im Meer. Wir ankern ganz in der Nähe und können das Dinghy Dock der Anlage benutzen. Gleich am zweiten Abend gönnen wir uns mit Uli und Wolfgang ein Barbecue im Hotel. Das Buffet ist hervorragend, die Tänze der Damen sind anmutig und die Preise polynesisch hoch.
An den nächsten Tagen erkunden wir die nähere Umgebung. Wir trampen zum Hauptort Avatoru, melden uns bei der Gendarmerie an und begutachten den Pass bei Avatoru. Er scheint viel unkritischer zu sein als der bei Tiputa. Inzwischen wissen wir von den Einheimischen auch, warum wir bei der Einfahrt durch den Pass eine so starke Strömung hatten. Die hohen Wellen, die zur Zeit vorherrschen, schlagen über die flachen Riffe und erzeugen einen erhöhten Wassertand im Atoll. In solchen Zeiten besteht immer eine starke Strömung nach außen.
Bei einer Wanderung lernen wir Hellen und Charly kennen, die als Bootstramper unterwegs sind, zur Zeit auf der Nomad. Hellen hat in der Schule deutsch gelernt und möchte es gern praktizieren. Also laden wir sie zu einem deutschen Filmabend auf der Aquila ein. Natürlich sind unsere deutschsprachigen Nachbarn Uli und Wolfgang und Andreas auch dabei. Wir wählen den Film „Meuterei auf der Bounty“, um uns auf unser nächstes Ziel Tahiti einzustimmen. An diesem Abend ist es wieder extrem schwellig am Ankerplatz (bei Hochwasser schlagen Wellen über das Riff) und es gehen drei Gläser kostbaren Rotweins verloren. Der Film (Teil 1) ist für uns Seefahrer immer wieder spannend, obwohl wir ihn alle schon mehrmals gesehen haben.
Am Tag vor unserer Abreise besuchen wir die Perlenfarm. Zufällig haben die Crews der anderen ankernden Schiffe den gleichen Termin. Der Chef des Hauses, ein Franzose, führt uns durch die Anlage und erklärt die einzelnen Arbeitsschritte. Etwa 25 Mitarbeiter sind an dem Prozess beteiligt und arbeiten offensichtlich im Akkord. Es dauert mindestens zwei Jahre bis aus einer eingesetzten kleinen Perle eine größere schwarze Perle wird. Wir verstehen jetzt, warum die schwarzen Perlen so teuer sind.
Wilma und die anderen weiblichen Crewmitglieder lassen sich aber nicht davon abhalten, mehrere dieser Kostbarkeiten zu kaufen. Die Besichtigung der Farm ist natürlich kostenlos.
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Ankerplatz Rangiroa |
Perlenernte |
Am 10.06.08 starten wir um 15.30 zusammen mit der Golden Tilla in Richtung Tahiti. Etwa eine Stunde später durchfahren wir den Pass bei Avatoru. Ein Strom von 3 kn schiebt uns hinaus aufs Meer. Dieser Pass ist wesentlich einfacher zu durchfahren als der bei Tiputa. Nur am Ausgang erzeugt der gegen die Passatwellen laufende Strom kurze steile Wellen. Danach rollen wir die Genua aus und fahren zunächst Richtung Westen. Später setzen wir zusätzlich das Großsegel mit den üblichen Reffs und segeln bei knapp 20 kn Wind aus ESE (Ost-Süd-Ost) einen Kurs von 110°. Wir halten etwas nach Osten vor, weil der Wind am nächsten Tag auf Süd-West drehen soll. Morgens nimmt der Wind etwas ab, aber wir schaffen immer noch mehr als 5 kn Fahrt.
In der zweiten Nacht dreht der Wind auf Süd-Ost und hält sich damit genau an die Prognose. Mit unserer Reserve kommen wir jetzt sogar auf 6 kn Fahrt. Gegen 2 Uhr ist Tahiti bereits als Schimmer am Horizont zu erkennen. Wir sind mal wieder zu schnell, doch dann schwächt sich der Wind ab. Im Morgengrauen sehen wir die markanten Berge Tahitis, die wir aus dem Bounty-Film noch gut in Erinnerung haben. Mit Motor fahren wir an der Insel entlang zu dem Hauptpass bei Papeete. Der Pass ist breit und unkritisch. Wir fahren am Flughafen vorbei zur Marina Taina und ankern dort kurz nach 10 Uhr in unruhigem Wasser. Das kabbelige Wasser entsteht offensichtlich durch gegenläufige Strömungen. Gibt es denn keine ruhigen Ankerplätze in der Südsee? Die Golden Tilla ankert einige Zeit später neben uns, sie hat auch keinen besseren Platz gefunden.
Erst am nächsten Tag fahren wir in die 10 km entfernte Hauptstadt Papeete. Wir nehmen einen der roten Holzbusse (Holzaufbau auf altem LKW). Sie fahren in kurzen Abständen und sind am preisgünstigsten. Unser erster Weg führ zur Einklarierungsstelle, dann besuchen wir die Bootszubehörläden. Das Angebot ist nicht schlecht, doch die Dinge die wir brauchen finden wir nur zum Teil. Dagegen findet Wilma im ersten Brillenladen ein Gestell, in das die Gläser ihrer alten Brille passen, die durch Korrosion gebrochen war.
Nach den wichtigsten Erledigungen genießen wir erst einmal die Großstadt mit den vielen Läden, dem Markt, den Bars und den Cafes. Papeete ist die größte Stadt Polynesiens und natürlich stark französisch geprägt. Der berühmte Stadtkai, an dem früher die Weltumsegler lagen, ist in eine kleine Marina umgewandelt worden. Wegen der geringen Nachfrage sind die Preise hier im Moment sogar niedriger als in der Taina Marina.
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Holzbus in Papeete |
Markthalle in Papeete |
Wir fahren fast täglich nach Papeete, besuchen das Perlenmuseum, erledigen verschiedene Einkäufe (u.a. MP3 Player) und ich sehe mir die EM-Fußballspiele der deutschen Mannschaft an. Leider ist das letzte Spiel nicht so erfolgreich.
An Bord werden mehrere Wartungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt. Das Wasser ist inzwischen ruhig wie man es an einem guten Ankerplatz erwartet. Es gibt die üblichen gegenseitigen Besuche an Bord und wir sehen uns mit Uli, Wolfgang und Andreas den 2. Teil des Bounty-Films an. Das Ende, bei dem Fletcher Christian (Marlon Brando) durch das Feuer auf der Bounty stirbt, gefällt uns gar nicht, weil es nicht den Tatsachen entspricht.
Am Freitagabend fahren wir mit Uli und Wolfgang nach Papeete und gehen an den Kai, wo viele Buden und Stände aufgebaut sind, wie auf einem Jahrmarkt. Es gibt auch eine große Bühne für verschiedene Vorstellungen. Heute ist sogar das Fernsehen dabei, weil bekannte Sänger und mehrere Tanzgruppen auftreten. Die Tänze ähneln denen auf Nuku Hiva. Es sind aber wesentlich mehr Akteure dabei und es ist alles etwas professioneller. Danach gehen wir noch auf ein Bier in die Brasserie, wo auch noch Tanzgruppen auftreten.
Nach und nach treffen mehrere uns bekannte Schiffe ein. Wilma regt ein deutschsprachiges Treffen zur Happy Hour in der Marina Bar an, und alle kommen: Golden Tilla, Outis, Brio, Contessa, Shiva und Upps. Das zwanglose Plaudern ist in der Muttersprache doch immer noch am einfachsten.
Zusammen mit Uli und Wolfgang umrunden wir in einem Leihwagen die Insel. Richtig umrunden können wir allerdings nur den nördlichen Teil der achtförmigen Landfläche, der kleinere südliche Teil besitzt keine durchgehende Straße.
Tahiti und die anderen Gesellschaftsinseln sind von der Natur in vielfacher Hinsicht begünstigt. Sie haben ein angenehmes Klima, eine üppige Vegetation mit vielen essbaren Früchten und sind fast vollständig von einem Korallengürtel umgeben, der als Wellenbrecher wirkt und das Land vor den hohen Pazifikwellen schützt.
Tahiti ist mit rund 2000 km² und 185 000 Einwohnern die größte der Gesellschaftsinseln. Die Insel ist sehr gebirgig und im Innern kaum zugänglich. Der höchste Berg ist 2200 m hoch und bis zum Gipfel dicht bewachsen. Die Menschen leben an der Küste, die meisten in Papeete und die anderen in kleinen langgezogenen Ortschaften. Größere landwirtschaftliche Flächen gibt es im Südosten des größeren Inselteils. Angebaut werden Bananen, Ananas, Pampelmusen, Papayas, Mangos und Limonen.
Als erstes halten wir an der Kultstätte Marae Arahurahu, die vollständig restauriert ist. Die Figuren und Steinansammlungen auf den grünen Rasenflächen, umgeben von hohen Bäumen und blühenden Sträuchern, erzeugen in dem Morgenlicht eine wunderbare Stimmung. Diese Kultstätte hat uns bislang am meisten beeindruckt. Stadtkai Papeete
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Stadtkai Papeete |
Kultstätte auf Tahiti |
Danach sehen wir uns die Maraa-Grotten an und machen einen Abstecher auf den kleinen Inselteil Tahiti Iti. Auf dem großen Inselteil Tahiti Nui fahren wir dann an der Westküste entlang nach Norden bis zu den Faarumai-Wasserfällen. Sie sind tatsächlich höher und größer als die anderen in dieser Region. Das in der Nähe gelegene Blowing Hole (Höhle, in der durch Wellen Wasser pfeifend herausgedrückt wird) ist heute nicht besonders aktiv. Das Meer ist wohl einfach zu ruhig.
Wir fahren weiter die Küste entlang und sehen von einer Anhöhe aus die Bucht, in der die Bounty gelegen haben soll. Kein schlechter Ankerplatz. Heute beginnt gleich dahinter die Großstadt Papeete.
Zwei Tage später fahren wir mit dem Bus zum Gauguin Museum, das im Süden von Tahiti Nui liegt. Das Museum gibt einen Überblick über die Werke des Künstlers und stellt seinen Lebensweg dar. Die wertvollen Originale sind leider in alle Welt verstreut.
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Ankerbucht der Bounty |
Gauguin-Schönheit |
Unsere Zeit auf Tahiti geht zu Ende. Die Insel ist noch schöner als in dem Film „Meuterei auf der Bounty“ dargestellt. Wir haben volles Verständnis für die Meuterer und verstehen, dass die meisten Meuterer zurück nach Tahiti wollten.