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Am 22.02.08 verlassen wir am frühen Morgen Porvenir in Richtung Panamakanal. Bei schwachem Wind fahren wir mit Motor am Riff entlang ins offene Meer. Dann segeln wir unter Vollzeug mit mäßiger Geschwindigkeit an der Küste entlang nach Westen. Nach langer Zeit versuchen wir mal wieder zu angeln. Es dauert keine halbe Stunde, bis der erste Fisch am Haken hängt. Leider nur eine Makrele, die gerade für zwei Personen reichen würde. Wir wollen mehr und es funktioniert auch. Genau eine Stunde später fangen wir einen Barracuda, 2,7 kg schwer und 80 cm lang. Sein Gebiss ist beeindruckend. Nach der Lektüre unseres Fischbuches kommen uns jedoch Zweifel, ob wir den Genuss des Fisches unbeschadet überstehen würden. Barrakudas dieser Größe können eine Vergiftung (Ciguatera) hervorrufen, unter der man Monate oder Jahren zu leiden hat. Also werfen wir unseren Fang über Bord und stellen für heute das Angeln ein.
Am frühen Nachmittag starten wir nördlich der Insel Linton die Maschine und fahren zu dem geschützten Ankerplatz zwischen der Insel und dem Festland. 26 Schiffe liegen hier bereits vor Anker, darunter auch mehrere Deutsche. Abends essen wir unsere Makrele, eine zweite hätten wir notfalls auch noch geschafft.
Nach dem Frühstück starten wir zu unserem hoffentlich letzten Törn in der Karibik. Bei schwachem Wind fahren wir mit Motor Richtung Panamakanal. Dann kommt doch noch etwas Wind auf, so dass wir uns unter Segel dem berühmten Kanal nähern können. Mittags haben wir die breite Einfahrt durch die Wellenbrecher des Hafens von Colon erreicht. Überall ankern große Schiffe, die offensichtlich auf die Kanaldurchfahrt warten. Wir bergen Segel und fahren direkt in die Shelter Bay Marina, die am Ende des westlichen Wellenbrechers liegt. Niemand beantwortet unsere Funkrufe, obwohl wir angemeldet sind. Schließlich erscheinen doch zwei Herren und weisen uns einen Platz an dem ersten Dock zu.
Schon nach kurzer Zeit kommt Doris von der Kurtisane zu uns. Wir waren über E-Mail in Kontakt und wussten, dass wir uns hier treffen würden. Doris und Kurt stehen mit der Kurtisane noch an Land und bereiten sich auf das Kranen vor. Auch die Silvercurl und die Upps, die wir schon aus der Türkei kennen, liegen in der Marina.
Mit Doris und Kurt planen wir die Kanalpassage. Wir wollen uns gegenseitig als Leinenhalter unterstützen und deshalb zu verschieden Zeiten durch den Kanal fahren. Aber vorher gibt es auf beiden Schiffen noch viel zu erledigen. Ich möchte alle wichtigen Reparaturen und Wartungsarbeiten erledigt haben und die Kurtisane sollte im Wasser sein, bevor wir uns für den Kanaltransit anmelden.
Bei uns sind die wichtigen Reparaturen der Ersatz einer Spannleine im Achterliek der Genua und die Überprüfung der Halterung des Windgenerators. Wir demontieren den gesamten Windgenerator einschließlich der Kabel und stellen dann fest, dass die Halterung in Ordnung ist. Es ist nur ein schlechtes Design. Auch die Genua ist schnell und problemlos repariert. Bei der Kurtisane läuft es ähnlich gut, sie kann ins Wasser gehoben werden.
Den Kanaltransit lassen die meisten Yachten von einem Agenten organisieren. Die Agenten verlangen für ihre Dienste 300 bis 500 USD. Wir wollen zuerst alles in eigener Regie machen, entscheiden uns dann aber für einen inoffiziellen Agenten. Der bekannteste unter ihnen ist Tito. Als wir ihn anrufen ist er gerade auf dem Weg in die Marina. Kurze Zeit später treffen wir uns mit ihm in der Bar und nach wenigen Minuten ist der Handel perfekt. Tito, ich nenne ihn Halbagent, wird uns zu allen Behörden fahren und uns bei dem Ausfüllen der Formulare unterstützen. Für diesen Service verlangt er 40 USD. Die erforderlichen vier Leinen (leihweise) und die zehn Autoreifen, umwickelt mit Plastikfolie, sollen insgesamt 90 USD kosten. Ein zusätzlicher Leinenhalter, den wir beide benötigen, kostet 110 USD.
Am 28.2. fahren wir morgens mit dem Marina-Bus in das Einkaufszentrum 4 Alto und dann mit dem Taxi weiter in den Panama Canal Yacht Club. Hier treffen wir Tito. Er macht mehrere Kopien von unseren Dokumenten und fährt mit uns dann zu Immigration. Hier bekommen wir zum ersten Mal einen Einblick in die Stadt Colon. Der Zustand der Häuser und die offensichtliche Armut der Menschen sind erschreckend. Aus der Architektur kann man erkennen, dass die Stadt unter den Amerikanern bessere Zeiten erlebt hat. Heute wird uns aus Sicherheitsgründen empfohlen, nicht zu Fuß durch die Stadt zu gehen und auch keine Fotos zu machen.
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Barracuda am Haken |
Typischer Einkauf |
Im Immigrations-Büro warten viele Leute. Tito geht an allen vorbei, holt Formulare, die wir ausfüllen und mit Fingerabdrücken versehen müssen. Dann geht er mit den Formularen zurück und diskutiert mit den Angestellten. Damit ist die Prozedur abgeschlossen und wir fahren weiter zum Kontrollgebäude der Kanalbehörde. Hier stellt Tito die Damen den Offizieren vor während Kurt und ich unsere Schiffe zur Vermessung anmelden. Der Vermesser soll schon Morgen Vormittag an Bord kommen.
Die Vermesser kommen leider erst nachmittags und es ist Freitag. Deshalb können wir erst am Montag bei der City Bank die Kanalpassage bezahlen und danach einen Termin erfragen. Die Vermesser messen nicht nur die Länge des Schiffes, sondern stellen auch Fragen zur den Eigenschaften und der Ausrüstung. Am Ende bedankt sich der Vermesser bei Kurt und mir dafür, dass er so bedeutende Leute kennenlernen durfte. Neben dem Doktortitel ist es bei Kurt der Titel Professor und bei mir der Name Ohm was ihn beeindruckt.
Am Sonntag machen wir zusammen mit Doris und Kurt eine Dschungelwanderung. Die Shelter Bay Marina liegt nämlich direkt am Rande des Dschungels, weit entfernt von allen Wohngebieten und Einkaufsmöglichkeiten. Es gibt aber an Werktagen eine kostenlose Busverbindung zu einem Einkaufzentrum in Colon (4 Altro), von dem man mit einem Taxi für 2 USD in jeden anderen Stadtteil fahren kann.
Die Marina befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen amerikanischen Militärbasis, die ursprünglich zur Sicherung der Kanalzone diente. Später wurden hier Soldaten für den Vietnamkrieg ausgebildet. Die von den Amerikanern verlassenen Gebäude sind unbewohnt und größtenteils verfallen. Trotzdem wird das Gelände von Sicherheitsleuten bewacht.
Auf einer breiten Teerstraße wandern wir durch den Dschungel. Vögel zwitschern, Grillen zirpen und unsichtbare Tiere knistern im Unterholz und auf den Bäumen. Am Ende der Straße entdecken wir in einem großen Baum eine Gruppe von Brüllaffen, die aber keinen Laut von sich geben. Dafür lärmt eine andere Gruppe von Brüllaffen in einiger Entfernung durch den Wald.
Die vor uns liegende Offizierssiedlung ist normalerweise nicht zugänglich. Ein zufällig anwesender Wächter erlaubt uns jedoch einen Rundgang durch die Siedlung. Hier zwitschert es noch lauter in den Bäumen. Am aktivsten sind die Vögel an den hängenden Nestern in den Palmen. Interessant ist auch ein Nasenbär, der sich voll auf die Nahrungssuche konzentriert und uns kaum beachtet. Später sehen wir noch einige Tukane in den Palmen.
Am Montag, den 3.3., fahren wir morgens zur City Bank in Colon, um die Transitgebühr von 600 USD zu zahlen und die geforderte Kaution von 891 USD zu hinterlegen. Man kann bar oder mit der Visa-Karte zahlen. Von anderen Seglern wissen wir, dass es bei der Visa-Karte oft Probleme gibt. So ist es dann auch, wir können den Betrag nicht zahlen, weil er wie eine Barauszahlung behandelt wird. Ich rufe bei unserer Bank in Stuttgart an und lasse das Cash Limit kurzeitig erhöhen. Es funktioniert, nach einer viertel Stunde kann ich den Betrag mit meiner Visa-Karte zahlen.
Abends erfragen wir bei dem Kanalplaner (Canal Scheduler ) unsere Termine. Für beide Schiffe ist der 12. 3. der früheste Termin. Die Kurtisane nimmt den 12. und wir wählen den 15., weil wir vorher bei der Kurtisane als Leinenhalter mitfahren wollen. Jetzt haben wir genügend Zeit, um die restlichen Arbeiten durchzuführen und die Proviantbeschaffung für den Pazifik fortzusetzen. Wir fahren oft mit dem Marina-Bus zum Einkaufzentrum 4 Alto und dann mit Taxi weiter zu anderen Supermärkten. Jedes Mal kommen wir schwer bepackt zurück und unser Schiff sinkt tiefer und tiefer. In bin nicht sicher, ob wir bei dieser Beladung noch unsinkbar sind.
Unser Platz am ersten Dock der Marina ist bei starken Winden sehr unruhig. Es dauert drei Tage bis der Manager der Marina meinem ständigen Drängen nachgibt und uns einen ruhigen Platz im hinteren Bereich zuweist. Wilma bedauert das etwas, weil wir von hier aus die Filmaktivitäten für den neuen Bondfilm nicht mehr so gut sehen können. Bei der Szene eines sich überschlagenden Schlauchboots sitzen wir dagegen wieder in der ersten Reihe. Ob wir in dem neuen 007-Film zu sehen sein werden, ist fraglich. Allerdings mussten wir die Gastflagge Panamas herunternehmen, weil der Film in Haiti spielt.
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Wächter in US-Siedlung |
yRuhiger Teil der Marina |
E ist unvorstellbar, welcher Aufwand für kurze Szenen eines 007-Films getrieben wird. Vor der Marina ankern mindestens zwei Wochen lang 25 Segler, die als Kulisse dienen und 100 USD pro Tag bekommen. Wir haben aus Zeitgründen auf dieses schöne Zusatzeinkommen verzichtet. Auf dem Marinagelände stehen viele große LKW und Zelte mit technischem Gerät. Bei gefährlichen Szenen steht immer ein Rettungshubschrauber bereit und es ist unwahrscheinlich viel technisches Personal im Einsatz. Einen bekannten Schauspieler haben wir in der Marina aber noch nie gesehen. Auch in dem Ankerfeld sollen bislang nur Stuntmen in Aktion gewesen sein.
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Bond-Aktivitäten in der Marina |
Bond Girl (Double) |
Am 12.3. fahren wir um 16 Uhr mit der Kurtisane zu den Flats, einem Ankerfeld vor Colon. Hier soll der Lotse (Adviser) um 17 Uhr an Bord kommen. Außer uns ist noch Markus, ein Sohn Titos, als Leinenhalter an Bord. Die Ankunft des Lotsen wird immer wieder verschoben. Erst nach 20 Uhr kommt er an Bord. Nun fahren wir und zwei andere Segelboote zu den Gatun-Schleusen.
In den Gatun-Schleusen werden die Schiffe in drei Stufen um insgesamt 26 m auf die Höhe des Gatun-Sees angehoben. Jede der drei Schleusenkammern ist 34 m breit und 305 m lang. Der Gatun-See ist künstlich angelegt und mehr als 400 km² groß. Die Transitstrecke durch den See ist etwa 20 sm lang. Danach kommt der Gaillard-Kanal, der durch gebirgiges Gelände führt und sehr aufwändig in der Herstellung war. Am Ende des Kanals liegt die Pedro-Miguel-Schleuse, in der die Schiffe um 9 m abgesenkt werden. Eine Seemeile weiter kommen die Miraflores-Schleusen, die die Schiffe in zwei Stufen schließlich auf den Pegel des Pazifiks absenken, der hier einen maximalen Tidenhub von mehr als 5 m hat. Beiden Schleusenseiten sind zweispurig, das heißt es gibt insgesamt 12 Schleusenkammern.
Vor den Gatun-Schleusen müssen wir wieder warten. Dann wird ein Päckchen gebildet. Die kleineren Yachten machen an den größeren längsseits fest. Die Kurtisane ist an der Backbordseite des größeren Schiffes festgezurrt. Gegen 21 Uhr fährt das Päckchen, angetrieben durch das größere Schiff in die erste Schleuse ein. Im Schleusenbereich ist alles hell erleuchtet. Von den vorgeschriebenen zwölf Leinenhaltern (4/Schiff) werden in dieser Konfiguration nur vier benötigt. Ich bin einer der Leinenhalter.
Beim Einfahren in die Schleuse werden von beiden Seiten nacheinander dünne Leinen mit sogenannten Affenfäusten auf die Schiffe geworfen. Mit diesen Leinen holen die Leinenhalter an Land die dicken Leinen von den Schiffen zu sich und legen sie über Poller. Die Leinenhalter auf den Schiffen müssen die Leinen an den Klampen immer so einstellen, dass das Päckchen in Schleusenmitte bleibt. Das heißt, bei steigendem Wasser sind die Leinen schrittweise dicht zu holen.
Nach dem Schließen der Schleusentore läuft das Wasser durch ein Rohrsystem (nur Schwerkraft) in die Kammer. Es brodelt und strömt furchtbar, aber das Päckchen bleibt gut in der Mitte. Nachdem die Schleusenkammer nach etwa 15 min gefüllt ist, öffnet sich das vordere Tor und das Päckchen kann in die nächste Kammer einfahren. Vorher werden die Halteleinen von den Pollern losgeworfen und zurück an Bord geholt. Sie bleiben aber mit den dünnen Leinen verbunden, mit den die Leinenhalter an Land zur nächsten Schleusenkammer weiter gehen. Diese Prozedur wiederholt sich in jeder Kammer.
Gegen 22.30 Uhr fährt das Päckchen aus der dritten Schleusenkammer heraus und trennt sich wieder auf. Dann fahren die Schiffe einzeln zu nahegelegenen Festmachertonnen. Die Kurtisane macht zusammen mit der Morning Star an einer Tonne fest und die Lotsen gehen von Bord. Plötzlich werden Wilma und ich laut gerufen. Es sind Sylvia und Heinz, die auf der Morning Star als Leinenhalter mitfahren. So trifft man sich immer wieder auf dem weiten Weg nach Westen.
Morgens um 7 Uhr kommt ein neuer Lotse an Bord und es beginnt die Fahrt durch den Gatun-See. Wir nehmen die für kleine Schiffe übliche Abkürzung durch den Banana Cut. Vor der Pedro-Miguel-Schleuse bilden die Schiffe wieder ein Päckchen und fahren so in die Schleuse ein. Das abfließende Wasser erzeugt in der Schleusenkammer wesentlich weniger Wirbel und Strömungen als das steigende in den Gatun-Schleusen. Gegen 14 Uhr hat die Kurtisane auch die beiden Miraflores-Schleusen hinter sich und schwimmt im Pazifik. Der Lotse wird von einem Schlepper abgeholt und die Kurtisane an einer Boje des nahegelegenen Balboa Yacht Club festgemacht. Kurt öffnet eine Flasche Champagner und opfert Neptun einen kräftigen Schluck. Den Rest teilt er auf die Leinenhalter und die überglückliche Crew auf.
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Leinenhalter mit Affenfaust |
Vor Gatun-Schleuse |
Zusammen mit Markus und den vier schweren Leinen verlassen wir die Kurtisane. Wir fahren mit dem Taxi zum Busbahnhof und von dort mit dem Express-Bus weiter nach Colon. Hier erwartet uns Tito und lässt uns zusammen mit den Leinen zur Shelter Bay Marina bringen. Jetzt haben wir die Leinen und die Autoreifen und können der eigenen Kanalpassage gelassen entgegensehen.
Wilma fährt morgens mit dem Bus zum Supermarkt, um die frischen Lebensmittel für den Kanaltransit zu kaufen. Es sind immerhin zwei warme Mahlzeiten und ein Frühstück für sechs Personen vorzubereiten. Ich rufe gegen 11 Uhr den Kanalplaner ( Canal Scheduler) an. Er bestätigt den Transittermin für den nächsten Tag und bittet uns, um 17 Uhr auf den Flats zu sein.
Nachmittags gehen wir im Restaurant ins Internet, weil man hier besser über Skype telefonieren kann. Ich lese nebenher entspannt unsere E-Mails. Doch dann kommt eine E-Mail, die uns schockiert. Wir können nicht durch den Kanal fahren, weil unsere Visa-Karte, von der die City Bank jetzt die Gebühren abbuchen wollte, nicht belastbar ist. Ich rufe sofort die entsprechende Stelle bei der Kanalgesellschaft an. Es ist nichts zu machen. Ich muss den Vorgang mit der City Bank klären. Aber heute ist Freitag und die Bank hat gerade geschlossen. Unser Transittermin am Samtag ist damit nicht mehr zu retten. Vor drei Wochen wäre das noch kein großes Problem gewesen. Aber jetzt betragen die Wartezeiten für den Transit schon 30 Tage.
Das Wochenende wird uns durch verstärkte Aktivitäten bei den 007-Dreharbeiten etwas verkürzt. Im hinteren Teil der Marina werden wiederholt Szenen eines sich überschlagenden Schlauchboots gefilmt, die gewaltigen Schwell erzeugen. In der Einfahrt wird immer wieder eine wilde Verfolgungsjagd gedreht. Das Bond Double ist mittlerweile ein vertrauter Gast in der Marina und der Hauptdarsteller soll auch schon gesehen worden sein. Es ist unvorstellbar, welcher Aufwand in diesen Film gesteckt wird. Inzwischen parken etwa 30 große LKW mit technischem Gerät auf dem Marinagelände.
Am Montag fahren wir morgens zur City Bank in Colon. Der Sachbearbeiterin ist unser Fall bekannt. Sie erklärt uns, dass das erhöhte Cash Limit zeitlich begrenzt war der erforderliche Betrag am Freitag nicht mehr abgebucht werden konnte. Um jedes weitere Risiko zu vermeiden zahlen wir jetzt alles bar und hoffen, dass uns die Kaution nach einem problemlosen Transit wirklich per Scheck in Deutschland erstattet wird.
Nach einer kurzen Wartezeit rufe ich den Kanalplaner an. Es ist zu früh, er kann erst nach 18 Uhr einen Termin nennen. Ich informiere Tito über den Stand. Er ist der Meinung, dass er für uns einen frühen Termin aushandeln kann. Also überlassen wir Tito mit seinen guten Beziehungen die Terminvereinbarung.
Gegen 15 Uhr meldet sich Tito triumphierend mit einem neuen Termin. Es ist der kommende Mittwoch, fast unglaublich. Dienstag bringen Titos Jungs die Leinen zurück und erinnern mich an die Extrazahlung, die ich für einen frühen Termin versprochen hatte. Ich zahle gern und großzügig, denn Tito unterstützt vierzig Jugendliche in den Armenvierteln von Colon. Wilma fährt am nächsten Morgen noch einmal zum Einkaufen und hofft, dass sie das Fleisch nicht wieder einkochen muss.
Am Montag, den 19.3.08, ist es endlich so weit. Unsere Leinenhalter Doris, Kurt und Eric, ein Sohn Titos, sind frühzeitig an Bord. John und Francis von der Palmask, die notfalls auch als Leinenhalter eingesprungen wären, verabschieden sich von uns. Um 15.30 lösen Eva und Horst von der Albatros unsere Leinen und wir laufen aus zu den Flats. Wir ankern an der vorgegebenen Stelle und warten auf den Lotsen. Dabei sind wir über Funk immer in Kontakt mit der Signal Station, die den Verkehr der ein- und auslaufenden Schiffe regelt.
Ein amerikanischer Segler, der offensichtlich mit uns durch den Kanal fahren wird, fährt unruhig hin und her und versucht mehrmals vergeblich zu ankern. Er hat auch nur zwei der empfohlenen Autoreifen als Fender ausgebracht, obwohl bei seiner Länge mindestens sechs angemessen wären. Wir ahnen nichts Gutes.
Um 17.40 kommt unser Lotse Armando an Bord und die Fahrt zur ersten Schleuse kann beginnen. Auch der amerikanische Segler, die Spectacle, hat den Lotsen übernommen, nur das angemeldete dritte Schiff ist nirgends zu sehen. Als wir nach langsamer Fahrt vor der ersten Schleuse angekommen sind, ist auch das dritte Schiff, die holländische Yacht Aquarius in Sicht. Wir bilden ein Päckchen: die Spectacle in der Mitte, an ihre Backbordseite die Aquarius und an ihrer Steuerbordseite die Aquila. Natürlich hat die Spectacle zu wenig Fender, aber die Crew kümmert sich mehr ums Fotografieren und Telefonieren. Eric versteht sofort meine Bedenken und bringt zusätzlich Fender von uns aus.
Um 19 Uhr fährt das Päckchen in die erste Schleuse, angetrieben von der Spectacle. Die beiden seitlichen Schiffe müssen ihre Maschinen auch immer laufen lassen, aber nur bei Bedarf korrigieren. Die Schleusentore schließen sich und das Wasser strömt mit heftigen Wirbeln ein. Der hintere Leinenhalter der Aquarius ist etwas langsam, aber das Päckchen bleibt doch einigermaßen in der Mitte. So läuft es auch in den beiden nächsten Schleusen, und der Steuermann der Spectacle ist gar nicht so schlecht wie befürchtet. Trotzdem sind wir erleichtert, als wir den Gatun-See erreicht haben und um 20 Uhr an der Tonne festmachen können. Wilma serviert das obligatorische warme Abendessen: Sahnegulasch mit Pilzen und Nudeln. Der Lotse geht von Bord, die Leinenhalter bleiben über Nacht an Bord. Der Lotse hatte sein Essen, das ihm neben kalten Getränken und Sonnenschutz vertraglich zusteht, bereits in der letzten Schleuse bekommen. Die Amerikaner haben den Vertrag wohl nicht so genau gelesen. Jedenfalls fragt ihr Pilot bei uns nach kalten Getränken. Natürlich helfen wir gerne aus.
Kurz nach 7 Uhr kommt der neue Lotse, Nefial, an Bord. Er drängt mich, durch den Gatun-See mindestens 6 kn zu fahren, später sogar 6,5 kn. So schnell sind wir unter Motor noch nie längere Zeit gefahren. Zeitweise fährt der Lotse selbst und nimmt einige kleinere Abkürzungen. So bleiben alle drei Schiffe dicht zusammen.
Natürlich waren wir zu schnell und müssen vor der Pedro Miguel-Schleuse einige Zeit warten. Schließlich bilden wir wieder ein Päckchen und fahren um 11.45 Uhr in die Schleuse ein. Ich informiere Christiane und Michael, damit sie uns über die Web Camera der Schleuse verfolgen können. Sie sehen unser Schiff, können aber nicht die einzelnen Personen erkennen.
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Tito und Markus |
Im Pazifik angekommen |
Um 13.15 fahren wir aus der letzten Schleuse in den Pazifik hinein. Nun liegt der große Ozean vor uns. Doch für heute ist unser Ziel nur der nahegelegene Balboa Yacht Club. Wir machen an einer Boje fest, öffnen eine Flasche Champagner und feiern mit unseren Leinenhaltern die Ankunft auf der anderen Seite.