Mehr unter www.syaquila.de
Über Wind und Segeln gibt es in dieser Region nicht viel zu berichten. Man könnte zwar auch hier sagen, dass der Wind häufiger von vorn als aus anderen Richtungen kam, aber es war ohne Bedeutung. Der Wind war zum Segeln fast immer zu schwach. Nur an der Südküste Siziliens entlang hatten wir einen richtigen Segeltag mit 2 bis 7 Bft, und wir hatten zum ersten Mal in diesem Jahr achterlichen Wind.
Zum Glück haben moderne Segelschiffe leistungsfähige Motoren, mit denen man auch bei schwachem Wind oder Flaute lange Strecken gut überbrücken kann. Ein Vorteil der Motorfahrt ist die gute Planbarkeit. Man gibt am PC den Zielpunkt ein, startet die Maschine und den Autopiloten und wartet bis man das Ziel erreicht hat. Dabei sagt einem das Navigationsprogramm immer, wann man das Ziel erreicht, wenn man mit der eingestellten Geschwindigkeit weiter fährt.
Auf diese Weise haben wir den größten Teil der 380 sm von Italiens Stiefelspitze über Sizilien bis nach Sardinien zurückgelegt. Die einzelnen Stationen waren Rocella Ionica, Reggio di Calabrio, die Insel Vulcano, Cefalu, Castellmare del Golfo, die Bucht Malfaltano und Carloforte auf der Insel San Pietro.
Vulcano: Begegnung unterhalb des Vulkans
Vulcano: Baden in heißem Schlamm
Die Plätze zur Übernachtung haben wir nach dem "Küstenhandbuch Italien" von Rod Heikell ausgewählt. Diese Handbuch ist groß und schwer und enthält detaillierte Beschreibungen aller Jachthäfen (Marinas) und Ankerbuchten. Das Buch gibt es in mehreren Sprachen und wird eigentlich von allen Seglern, die in der Region unterwegs sind, benutzt. Als wir in Reggio di Calabrio auf einem der wenigen ungemütlichen Gastliegeplätze lagen, sagte unser englischer Nachbar: Rod Heikell is some times a little bit optimistic. Das ist britisches Understatement, im deutschen Klartext heißt das: Rod Heikell liegt meistens total daneben.
Vulcano: Nachbar vor Anker
Extrem war Rod Heikells Optimismus bei Perd' e' Sali . Er preist diesen Hafen mit 2-3 m Wassertiefe als gute Alternative zu Cagliari. Als wir nach zwei Tagen Fahrt von Sizilien kommend in den Hafen einfahren wollen laufen wir in der Einfahrt auf Grund. Mit Vollgas zurück sind wir gleich wieder frei. Wir tasten uns langsam an die Tankstelle in der Einfahrt heran, die eigentlich geschlossen ist. Trotzdem kommt nach kurzer Zeit der Tankwart und erklärt uns, dass wir gegen Cash Diesel bekommen, aber nicht in den Hafen einlaufen können. Die Wassertiefe beträgt nur 1,4m. Wir tanken und fahren dann weiter in die Bucht Malfaltano.
Wenn ich nicht im Norden Italiens mit eigenen Augen richtige Marinas gesehen hätte, würde ich glauben, dass es in diesem Land keine gibt. Erst in Carloforte an der Südspitze Sardiniens finden wir eine Marina, die man wirklich so bezeichnen kann, auch wenn die Duschen und Toiletten in Containern untergebracht sind und nur in den Büroöffnungszeiten benutzt werden können. Auch in Griechenland haben wir auf unserer Durchreise keine Marina gesehen. Es liegen Welten zwischen Ländern mit modernem Bootstourismus wie Türkei und Kroatien und den unterentwickelten EU-Staaten Griechenland und Italien.
Ähnliches gilt für die mobile Telekommunikation. In der Türkei kauft man sich eine SIM-Karte und kann dann über GPRS mit dem Handy sofort kostengünstig ins Internet gehen. SIM-Karten gibt es in jedem Dorf, im Zentrum von Marmaris fast alle 100 m. In Griechenland haben wir keinen Laden gefunden, der SIM-Karten hatte. In Italien waren wir gleich in der ersten Stadt Rocella Ionica fündig, allerdings sollte das Aktivieren 24 Stunden dauern. Nach 36 Stunden erklärt man uns in dem Laden, dass die Firma TIM (italienisch: TIMME) sehr viele Aufträge hat und das Aktivieren nun 48 Stunden dauern wird. Wir fahren weiter und unsere Karte ist auch nach mehreren 48 Stunden immer noch nicht aktiviert. In Cefalu auf Sizilien finden wir einen TIM-Laden und zufällig dort eine freundliche deutsch sprechende Kundin. Hier gelingt es, die SIM-Karte zu aktivieren, allerdings nicht für GPRS. Das wäre mit weiterem Warten und weiteren Kosten verbunden. Wir geben auf. Aber jetzt können wir immerhin von den 15 EUR, die uns die Karte kostete, 5 EUR zum Telefonieren verbrauchen.
Auch wenn in Italien vieles nicht funktioniert, so ist es doch ein schönes liebenswertes Land. Ich bin vor 44 Jahren das erste Mal in Italien gewesen und war von den Kunstdenkmälern und der Lebensweise der Menschen fasziniert. Von der Kunst haben wir diesmal nicht viel gesehen, aber das Leben in den Städten hat uns wieder sehr gut gefallen.
Sonnenuntergang auf der Fahrt nach Sardinien
Am schönsten fanden wir Cefalu auf Sizilien und Carloforte auf Sardinien. In beiden Städten gibt es viel Tourismus, aber fast keine Ausländer. Den schönsten Ankerplatz seit unsere Abreise aus der Türkei hatten wir vor der Insel Vulcano, die etwa 25 sm nördlich von Sizilien liegt und zu den Liparischen oder Äolischen Inseln gehört.
Wir ankerten in der Bucht Porto di Levante, direkt unterhalb des rauchenden Vulkans. Es riecht stark nach Schwefelgas. Erst später merken wir, dass der Geruch nicht vom Vulkan stammt, sondern von den Schwefelquellen am Strand. Ich schwimme hin und bade in dem trüben warmen Wasser. Es brodelt überall und einige Steine im Wasser sind sehr warm. An unserem Ankerplatz in 300 m Entfernung ist von der Erwärmung kaum noch etwas zu spüren.
Natürlich ist man in Europa an solchen Plätzen nicht allein. In der Bucht liegen ungefähr 15 Segler vor Anker und es gibt einen regen Fährverkehr zu dem Hafen der Insel. Eine Attraktion ist das Baden in den Geothermen und in einem Schlammbad in der Nähe des Strandes.
In Carloforte an der Südspitze Sardiniens bereiten wir uns auf die Überfahrt nach Menorca, Spanien, vor. Unsere französischen Nachbarn sind am Vortag gerade von Mahon auf Menorca gekommen und haben unterwegs zwei große Thunfische geangelt. Wir bekommen ein großes Stück. Das reicht nicht nur zum Mittagessen, sondern auch noch für eine große Portion Salat am Abend.
Am 26.06.05 brechen wir um 3.00 Uhr in Richtung Menorca auf. Es ist schwach windig. Erst am zweiten Tag kommt morgens Ostwind auf, so dass wir die letzten 20 sm der insgesamt 205 sm segeln können. Gegen 14.00 ankern wir in der Bucht von Mahon vor der Cala Llonga. Später werden wir aufgefordert, den Platz zu verlassen und in die Cala Taulera zu gehen. Wir kommen der Aufforderung nach und stellen fest, dass dieser geschützte Ankerplatz neben der großen Festungsanlage auch wesentlich schöner ist. Hier liegen dicht gedrängt viele Langzeitsegler aus allen Nationen.