Bonaire und Curacao mit Charlotte und Michael

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Die Weihnachtsfeiertage nähern sich und wir haben eine lange Liste der durchzuführenden Arbeiten. Jetzt kommt noch eine weitere Position hinzu: Beschaffung eines neuen Schlauchbootes.

In Trinidad hatte ich bereits die Verbindung zwischen dem Spiegel (Holz) und den Schläuchen nachgeklebt. Das war oberhalb der Wasserlinie. Aber auch unterhalb der Wasserlinie hatte sich eine Klebestelle leicht gelöst, durch die ständig etwas Wasser ins Boot kam und langsam in das Holz zog. Das Holz wurde an dieser Stelle ganz weich. Ich konnte zwar alles reparieren, aber das Vertrauen in dieses Schlauchboot war dahin.

Am Heiligen Abend gibt es das Wienser Traditionsessen: Würstchen mit Kartoffelsalat. Dann fahren wir an Land und besuchen in der Protestantischen Kirche den Gottesdienst um Mitternacht. Der Gottesdienst wird in drei Sprachen gehalten, in Holländisch, Englisch und Papiamento, der hiesigen Umgangssprache (vereinfachtes Spanisch). Eindrucksvoll singt ein gemischter Chor: männlich, weiblich, schwarz und weiß. Durch die geöffneten Türen und Fenster weht ein angenehmer Wind. Unwillkürlich denkt man dabei an das Wetter in der Heimat, das man normalerweise an diesem Tage hat.

Nach den Weihnachtstagen beschäftigen wir uns intensiv mit der Beschaffung eines neuen Schlauchboots. Natürlich hat der örtliche Bootszubehörladen Budget, der von einem Deutschen (Peter Werdath) geleitet wird, kein Schlauchboot auf Lager. Es können aber verschiedene Typen von der Budget-Zentrale auf St. Marten beschafft werden. Unsere Fragen zu den Booten, die per E-Mail an die Zentrale gehen, werden aber nicht beantwortet. Wir ahnen nichts Gutes.

Unser Bootsnachbar Alfred, der mit seiner Frau Kathrin seit vielen Jahren in Venezuela lebt, nennt uns einen günstigen Händler (Imke) auf Curacao. Ich nehme Kontakt auf, muss aber leider feststellen, dass das von ihm vertriebene Schlauchboot für unser Vorschiff zu breit ist.

Nachdem Budget auf St. Marten unsere Fragen auch nach einer Woche noch nicht beantwortet hat und auch nicht die Zeit für eine normale Lieferung per Container nicht nennt, entschließen wir uns für ein leichtes Schlauchboot mit aufblasbarem Boden, das per Luftfracht geliefert werden kann. Es soll in drei bis vier Tagen auf Bonaire sein. Wir sind skeptisch, denn unsere anderen Bootsnachbarn, Jacqueline und Peter von der Ahu, warten schon längere Zeit auf eine Lieferung und werden jeden Tag mit anderen Aussagen vertröstet.

Einen Tag vor Sylvester beschließen die Damen der Schiffe Ahu, Antares und Aquila bei einem Spaziergang, den Jahreswechsel gemeinsam auf der Antares zu feiern und beschließen auch gleich die Arbeitsteilung für die Zubereitung der Speisen. Die Männer der Schiffe fügen sich ohne Murren der Entscheidung.

Die Antares ist ein moderner Katamaran von etwas mehr als 40 Fuß Länge. Katrin hat für die Feier alles festlich vorbereitet. Es gibt ein 4-Gänge-Menu: Schinken mit Melone, Curry und Paprikahähnchen mit Reis, Karotten- und Krautsalat, Rinderfilet mit Kartoffeln und Vanilleeis mit Rhabarber, dazu guten Weiß- und Rotwein und später Champagner.

Anders als in Deutschland beginnen die Feuerwerke und die Knallerei lange vor Mitternacht, eigentlich schon mehrere Tage vorher. Aber zwischen 0 bis 1 Uhr ist doch ein deutlicher Höhepunkt. Wir bleiben noch lange zusammen, bevor wir zu unseren Schiffen zurückfahren. Für uns war es der dritte Jahreswechsel in der Karibik.

Am 5.1 verlegen wir uns in die Harbour Village Marina, die am Stadtrand von Kralendijk liegt. Nur in einer Marina kann ich den neuen Windgenerator montieren. Außerdem ist es einfacher Gäste mit viel Gepäck in einer Marina an Bord zunehmen als an einer Boje, vor allem wenn sie nachts ankommen.

Zur Demontage des alten Windgenerators (Air-X Marine) und Montage des neuen Windgenerators (Kiss) stelle ich eine Leiter vom Steg an den Trägermast. Das ist zwar etwas wackelig, aber die Arbeiten lassen sich trotzdem problemlos durchführen.  Nach zwei Tagen haben wir einen neuen leisen Windgenerator, der außerdem noch mehr Leistung bringt als der alte.

Inzwischen sollte auch unser neues Schlauchboot in Bonaire angekommen sein. Doch es ist beim Zoll nicht auffindbar. Am nächsten Tag erklärt uns Peter von Budget Marine, dass das Schlauchboot fälschlicherweise nach Curacao geliefert wurde. Nun muss es nur noch nach Bonaire gebracht werden.

Dagegen kommen Michael und Charlotte aus Stuttgart am 8.1. gegen 4.30 Uhr fast pünktlich auf dem Flughafen von Bonaire an. Charlotte schenkt uns ein müdes Lächeln. Ob sie ihre Großeltern noch kennt, kann sie uns mit ihren 13 Monaten leider nicht sagen. Es ist noch dunkel als wir an Bord gehen und das Gepäck verstauen. Michael und Charlotte ziehen ins Vorschiff und wir belegen den Salon.

Der erste Tag mit unseren Gästen dient zum Eingewöhnen in die neue Umgebung. Wir fahren zum Bummeln und Einkaufen in die Stadt (Kralendijk), die für karibische Verhältnisse sehr gepflegt und holländisch geprägt ist. Es gibt einen schattigen Platz, auf dem Charlotte rennen und mit anderen Kindern spielen kann. Wir fragen bei Budget auch nach unserem Schlauchboot. Morgen soll es nun wirklich auf Bonaire ankommen.

Am nächsten Tag fahren wir in den Washington Slagbaii National Park, der im Norden Bonaires liegt und mehr als 5000 Hektar umfasst. Der Park ist ein Schutzgebiet für Flamingos, Papageien, Sittiche, Leguane und viele andere Vögel und Reptilien. Die Vegetation besteht aus niedrigen Bäumen, Buschwerk und vielen Kakteen und an den Seen aus Mangroven. Die Wege durch den Park sind unbefestigt und mit einem normalen PKW nicht befahrbar. Wir haben deshalb einen Pick-Up gemietet.

Da wir erst gegen 11 Uhr am Parkeingang sind, wird uns von den Parkwächtern dringend die kurze Route empfohlen. Gleich am ersten See sehen wir eine große Anzahl von Flamingos. So viele haben wir im letzten Jahr nirgends gesehen. Zum Mittagessen suchen wir einen schattenspendenden  Baum und setzen uns auf die Ladefläche des Pick-Ups. Auf dem weiteren Weg sehen wir viele Echsen und auch Leguane ganz aus der Nähe. Im letzten Jahr hatten wir nur einen flüchtenden Leguan gesehen. An einer Wasserstelle treffen wir einen besonders zutraulichen Leguan. Er läuft Wilma hinterher, die Charlotte auf dem Arm trägt. Doch er hat es wohl nur auf Charlottes Schnuller abgesehen, den er für etwas Fressbares hält.

Sylvester 07 auf Antares

Mittagspause im Nationalpark

Ein anderer interessanter Punkt ist die Slagbaii (Schlachterbuch) mit einem schönen Strand, einem See mit Flamingos und dem historischen Schlachtgebäude, von dem früher Vieh nach Curacao verschifft wurde. Danach fahren wir auf dem holprigen Weg langsam zurück zum Ausgang. Unserem Fahrer Michael macht es sichtlich Spaß, uns durchzurütteln, und seine Tochter Charlotte freut sich auch darüber.

Am nächsten Tag fahren wir in den Südteil Bonaires. Im Mangrovenbereich der Lagune Lac ay gibt es wieder viele Flamingos. In der Nähe des Strandes steht ein Windrad aus deutscher Produktion. Nach erfolgreichem Test sollen hier weitere Windräder aufgebaut werden. Wir fahren um die Südspitze der Insel herum und besichtigen die Sklavenhütten. Die kleinen Steinhütten haben nur zwei Öffnungen, und Stehhöhe gibt es nur in der Mitte. Vorbei an den Salinen und den Salzbergen  fahren wir zurück nach Kralendijk.

In Kralendijk gehen wir wieder zu Budget und fragen nach unserem Schlauchoot. Das machen wir jetzt seit mehr als einer Woche und jedes Mal heißt es: Morgen kommt es. Aber heute ist es wirklich da. Peter liefert es am späten Nachmittag in die Marina.

Mit zwei Schlauchbooten fahren wir morgens zurück an eine Boje. Unser altes Schlauchboot, da nach der Reparatur wieder dicht ist, möchten wir möglichst schnell verkaufen. Von Peters Interessenten ist nach Auslieferung des neuen Bootes keiner mehr greifbar. Doch wir haben noch Felix Keller, einen Farbigen mit deutschen Namen, der am Strand sein altes Schiff zu einem Restaurant ausbaut. Als wir ihn Weihnachten kennenlernten, zeigte er Interesse an unserem Schlauchboot. Wir einigen uns schließlich auf 50 USD. Er ist glücklich und wir haben unser altes Schlauchboot verkauft und nicht einfach weggeworfen.

Charlotte entdeckt Leguane

Neues Schlauchboot

An der Boje lernt auch Michael die Unterwasserwelt Bonaires kennen. So schön, vielfältig und zahlreich hatte er sich die Fische doch nicht vorgestellt. Die Fische sind so zutraulich, dass sie einem beim Schnorcheln aus der Hand fressen. Der kleinen Charlotte können wir diese schöne Welt leider nicht zeigen. Sie kann sich nur die Fische ansehen, die beim Füttern ans Boot kommen.

Am nächsten Tag machen wir für einige Stunden an einer Tauchboje 3 sm weiter nördlich fest. Hier gibt es noch mehr Fische und vor allen Dingen mehr und schönere Korallen, insbesondere Elchgeweih-Korallen.  Wilma sieht hier auch eine Schildkröte, und Michael macht viele schöne Unterwasseraufnahmen.

Umschwärmter Kofferfisch

Blauer Schwarm

Michael hat der Nationalpark so gut gefallen, dass er noch einmal durchfahren möchte. Also nehmen wir wieder einen Pick-Up, starten diesmal aber wesentlich früher, damit es für die lange Route reicht. Wir besuchen das Blowing Hole, eine Felsformation an der die Atlantikwellen hoch aufspritzen und pfeifende Geräusche erzeugen, den alten Leuchtturm und die Wasserstelle Pos Mangel. Hier treffen wir auf mehrere sehr zutrauliche Leguane. Wilma hat zum Füttern altes Brot und Salatreste mitgenommen, was ihnen offensichtlich gut schmeckt. Sie fressen ihr aus der Hand und laufen ihr immer wieder nach. Zwei Esel, die später ans Auto kommen, wollen dagegen nur Brot haben.

Der Nationalpark ist auch am zweiten Tag wieder ein großes Erlebnis. Neben den Leguanen sehen wir wieder viele Flamingos, verschiedene bunte Vögel und viele Echsen. Es ist uns ein Rätsel, weshalb wir im letzten Jahr so wenige Tiere gesehen haben.

Flüchtende Flamingos

Leguan

Nach dem Nationalpark bleibt uns noch genügend Zeit für eine Fahrt zu Lagune Lac Bay. In dem flachen Wasser kann Charlotte schön plantschen und im Sand spielen. Es macht ihr sichtlich  großen Spaß.

Für mich gibt es noch einiges an Bord zu erledigen. Wilma, Michael und Charlotte nutzen die Zeit für Spaziergänge im Ort. Auf dem schattigen Platz findet Charlotte immer wieder Kinder, mit denen sie sofort Kontakt aufnimmt. Sprachbarrieren gibt es in ihrem Alter noch nicht.

Natürlich schnorcheln wir auch viel, denn eine so schöne und interessante Unterwasserwelt werden wir nicht mehr lange haben. Eingroßer Schwarm gelbschwarzer Fische hält sich fast ständig unter unserem Schiff auf und wartet auf Futter. Sie fressen alles, was bei uns über Bord geht. Ich nehme unser Tauchgerät (Freediver) und reinige den Propeller von Seepocken und anderem Bewuchs. Dabei bin ich immer von unserem gelbschwarzen Hausschwarm umgeben.

Am 16.1. klarieren wir aus. Danach bekomme ich ordnungsgemäß die Seenotpistole und die zugehörige Munition zurück. Danach haben wir noch etwas Zeit für den Fantasy Garden einer lokalen Künstlerin. Hier gibt es Flamingos, Land- und Wasserschildkröten und Krabben aus nächster Nähe, fast zum Anfassen für unsere kleine Charlotte. Lustig sind auch die vielen lebensgroßen Stofffiguren.

Nach dem Frühstück laufen wir in Richtung Curacao aus. Der Wind sollte nach der Prognose unter 20 kn liegen. Tatsächlich weht es bald mit 25 kn und die Wellen werden entsprechend hoch. Wir rauschen bei leicht gereffter Genua mit 6,5 kn unserem Ziel entgegen. Charlotte ist die ganze Zeit sehr müde und muss schließlich spucken. Das kleine Mädchen ist seekrank geworden, obwohl es sicher keine Angst hatte.

Kurz nach 13 Uhr umrunden wir de Südspitze Curacaos und kommen in ruhiges Wasser. Eine Stunde später ankern wir in Spanse Water, der weitläufigen Lagune Curacaos mit vielen Ankerplätzen. Wir legen uns wieder auf unseren Stammplatz zwischen der Sarifundi’s Marina und dem Fischerhafen, um kurze Wege zu den Dinghy Docks zu haben.

Charlotte bei Schildkröten

Fahrt nach Curacao

Am nächsten Morgen entdecken wir ganz in unserer Nähe die Magic Life, mit der wir hier im letzten Jahr Weihnachten und Sylvester gefeiert haben. Sabine informiert uns über Neuigkeiten aus der Region und über alte Dinge, die wir vergessen haben. Dann fahren wir mit dem Stadtbus nach Willemstad zum Einklarieren. Den langen Weg zum Hafenmeister darf ich zweimal gehen, weil das Büro sich vorzeitig in die Mittagspause verabschiedet hat. Wir gehen zum Mittagessen in die Markthalle, wo mehrere Küchen gutes und preiswertes Essen anbieten. Danach bleibt noch viel Zeit für einen Stadtbummel.

Am nächsten Tag stehen vormittags Einkäufe im Supermarkt und nachmittags Baden in der Caracas Baii auf dem Programm. An dem flachen Sandstrand geht aber nur Charlotte ins Wasser. Nachmittag hole ich den Segelmacher Rob Harms an Bord, um ihm die Risse im Unterliek unserer Genua zu zeigen. Er meint sie sind durch UV-Einwirkung entstanden und noch nicht dramatisch. Die alte Genua nimmt er mit zur Reparatur.

Sonntag gehen wir am Strand der Caracas Baii in einer kleinen Bodega zum Mittagessen. Danach treffen wir uns in einer benachbarten Bodega mit anderen Deutschen, die hier auf Curacao leben. Sabine hatte uns zu diesem Treffen eingeladen. So erfährt man etwas mehr über das Leben auf der Insel.

In den nächsten drei Tagen haben wir einen Leihwagen (25 USD/Tag, Imke). Ich bringe Michael, Charlotte und Wilma zu Sea Aquarium und fahre dann in die Stadt, um diverse Eratzteile zu kaufen. Das Sea Aquarium ist eine der Attraktionen der Insel. Es gibt die hier lebenden Tiere wie Delfine, Haie, Muränen, Schildkröten, Flamingos, aber auch Seelöwen. Interessant sind auch die Vorführungen mit Haien, Delfinen und Seelöwen. Einige Tiere darf man sogar streicheln, was Wilma mutig bei einem Hai getan hat.

Für den vorletzten Tag mit unseren Gästen haben wir uns eine Inselrundfahrt vorgenommen. Vorher müssen Michael und Charlotte noch ausklarieren. Wer mit einem Schiff reist muss viel Bürokratie über sich ergehen lassen.

Die Rundfahrt führt uns von Willemstad teilweise an der Westküste entlang bis nach Westpunt, dem nördlichsten Ort der Insel. Vorher halten wir in der Cruz Baii, die auch als Ankerbucht geeignet ist. Die Bucht hat einen schönen Sandstrand, der für Charlotte ideal ist. Sie planscht im Wasser und hämmert mit Korallen. Auf der Rückfahrt bleibt uns noch etwas Zeit für einen Stadtbummel in Willemstad.

Charlotte am Strand

Willemstad

Der letzte Tag mit Michael und Charlotte ist angebrochen. Michael ist mit dem Packen beschäftigt und wir haben noch etwas Zeit mit unserer kleinen Enkeltochter. Charlotte ist ein reizendes liebenswertes Mädchen, sehr kontaktfreudig und immer neugierig. Sie lächelt fremde Menschen an und geht sofort auf alle Kinder zu. An Bord haben es ihr alle elektrischen Druckknöpfe und Schalter angetan. Am liebsten sind ihr die, bei denen auch etwas passiert, z.B. beim 230V-Konverter und bei der Elektrowinsch.

Nachmittags fahren wir zum Flughafen. Um 17 Uhr verabschieden wir Michael und Charlotte. Wieder ist in schöner Familienurlaub fern der Heimat zu Ende.

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