Von Martinique über Trinidad nach Bonaire

Mehr unter www.syaquila.de

Nachdem Christiane und Ralf von Bord gegangen sind, bereiten wir uns auf die Fahrt nach Bonaire, Niederländische Antillen, vor. Hier wollen uns im neuen Jahr unser Sohn Michael und unsere Enkeltochter Charlotte besuchen. Natürlich nutzen wir auf Martinique die guten Einkaufsmöglichkeiten für Wein, Bier und verschieden Lebensmittel. Leider ist unser Boot für eine ausreichende Versorgung über mehrere Monate viel zu klein.

Seit Tagen ist der Wind sehr schwach. Nach der Prognose sollte er aber in den nächsten Tagen langsam zunehmen. Wir fahren deshalb von Le Marin nach St. Anne, um von dort aus am nächsten Tag Richtung St. Lucia zu segeln. Nach der kurzen Motorfahrt werfe ich einen Blick auf den Impeller und sehe das bekannte Bild. Ein Flügel ist fast vollkommen abgerissen. Immerhin hat dieser Impeller jetzt mehr als eine Saison und 237 Stunden gehalten. Das ist eigentlich noch zu wenig, aber doch ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den früheren 5 bis 10 Stunden. Ich baue einen neuen Impeller vom gleichen Typ ein und bin gespannt, wie lange der nun halten wird.

Am 2.12.07 brechen wir morgens in Richtung St. Lucia auf. Die prognostizierten 8 kn Ostwind bleiben leider aus. Zum ersten Mal erleben wir den offenen Atlantik als fast glatte Fläche in totaler Flaute. So müssen wir bis St. Lucia mit Motor fahren. Wir ankern in der Rodney Bay, klarieren aber nicht ein, weil wir am nächsten Tag weiter nach Bequia fahren wollen. Nach der Prognose sollte der Wind zum Segeln gerade reichen.

Um 4 Uhr starten wir die Maschine und fahren los. Natürlich ist hinter der Insel kein Wind zu erwarten, aber auch als die Südspitze St. Lucias hinter uns liegt, ändert sich nur wenig. Der offene Atlantik ist fast spiegelglatt und es weht kein Wind. Gegen Mittag kommt etwas Wind auf, endlich können wir segeln. Aber nach zwei Stunden ist es schon wieder vorbei. Wir starten die Maschine und fahren durch bis Bequia, wo wir kurz nach 17 Uhr ankommen.

Am nächsten Morgen gehen wir an Land. Das Ein- und Ausklarieren fassen wir diesmal zusammen. Die Anzahl der auszufüllenden Formulare reduziert sich dadurch allerdings nicht. Bei einem Segelmacher kaufen wir einen neuen Reißverschluss für die Segelpersenning, denn der vorhandene wird wohl nicht mehr lange halten.

Unser nächstes Ziel ist Carriacou. Wir starten bei Sonnenaufgang und haben nach zwei Stunden auch genügend Wind zum Segeln.  Nach dem Einklarieren in Hillsborough erreichen wir nachmittags die Tyrrel Bay, den beliebten Ankerplatz vieler Dauerlieger. Ich werfe einen Blick auf den Impeller und bin leicht irritiert. Es ist schon wieder ein Flügel eingerissen und das nach nur 20 Stunden. Wenn ich das Impeller-Problem im letzten Jahr nicht intensiv untersucht hätte, würde jetzt wieder das große Rätselraten einsetzen. Nun können wir etwas gelassener sein, auch wenn dieser Frühausfall überhaupt nicht zu den bisherigen Ergebnissen passt.

Ich baue jetzt einen dünneren Nocken ein und verwende eine neue Plexiglasscheibe. Damit beginnt ein neuer Impellertest mit hoffentlich besseren Ergebnissen. Durch den dünneren Nocken wird die Pumpleistung (Wassermenge/Zeit) der Wasserpumpe um 30% reduziert. Es muss sich nun zeigen, ob der Motor damit noch ausreichend gekühlt wird.

Am nächsten Morgen starten wir Richtung Grenada. Der Wind ist bald ausreichend, um allein unter Genua nach Süden zu segeln. In der Windabdeckung von Grenada starten wir die Maschine. Es zeigt sich bald, dass der Motor bei dem reduzierten Kühlwasserfluss nicht heißer wird als vorher. Der dicke Nocken, der die Impeller extrem quetscht und dadurch schnell zerstört, ist vollkommen unnötig überdimensioniert.

Kurz nach 13 Uhr ankern wir in der Lagoon von Grenada. Von hier aus würden wir normalerweise nach Westen segeln, wenn es den Kiss-Windgenerator nicht gäbe. Auf der Fahrt nach Norden habe ich mich dazu durchgerungen, unseren modernen Windgenerator Air-X Marine durch den primitiven Kiss-Windgenerator zu ersetzen. Die Entscheidung fiel erst, nachdem ich ein Regelkonzept für den ungeregelten Kiss-Generator gefunden hatte, dass ich mit vorhandenen Schaltungsteilen (bereits in Deutschland dafür gekauft) realisieren kann.

Der Kiss-Windgenerator wurde von dem kanadischen Kaufmann Douglas Billing entwickelt und wird jetzt unter seiner Leitung in Chaguaramas, Trinidad, von vier schwarzen Arbeitern komplett handgefertigt. Die einfache Werkstatt liegt direkt neben dem Restaurant Wheel House, in dem wir immer regelmäßig mittags gegessen haben. Douglas und sein Hund, den wir zuerst kennen und lieben lernten, waren auch Stammgäste in dem Restaurant. So konnte ich in der Mittagspause nebenbei viele Fragen zu dem Windgenerator klären. Entscheidend waren aber nicht die persönlichen Kontakte, sondern die Eigenschaften des Windgenerators. Er liefert deutlich mehr Leistung als alle bekanten Modelle und ist außerdem viel leiser.

Nach einer Nacht in der Lagoon von St. George’s laufen wir nachmittags gegen 15 Uhr Richtung Trinidad aus. Bei dem angekündigten Wind von 15 kn NE sollte es bereits hell sein, wenn wir uns Trinidad nähern. Tatsächlich ist der Wind stärker, aber mit 20 bis 25 kn noch nicht unangenehm. Unser Schiff zieht eine weiße Schaumspur durch das schwarze Wasser und ist wieder einmal schneller als geplant. So müssen wir im Dunkeln durch die schmale wellige Passage Boca de Monas fahren, bevor wir in der Scotland Bay ankern können. Nach einem kurzen Schläfchen und einem guten Frühstück fahren wir nach Chaguaramas und klarieren dort ein.

Dann gibt es ein freudiges Wiedersehen mit Marianne und Reinhard von der Daddeldu, und später auch mit Jörg von der Chilom. Wir gehen wieder gemeinsam zum Mittagessen ins Wheel House, wo ich auch Douglas treffe, den Entwickler und Hersteller des Kiss-Windgenerators. Wir vereinbaren die Übergabe des Windgenerators für den kommenden Montag.

Lagoon von St. George

Widersehen in Trinidad

Nach dem Kauf des Windgenerators bereiten wir uns auf die Weiterfahrt zu der Insel Margarita in Venezuela vor. Wir füllen unsere Dieseltanks für 0,17 EUR pro Liter auf, obwohl der Diesel in Venezuela noch billiger ist. Der Wind ist seit Tagen schwach, soll aber in der nächsten Zeit deutlich zunehmen. Da ist uns recht, denn nach Margarita haben wir achterlichen Wind, von den man durchaus etwas mehr vertragen kann.

Kiss-Werkstatt

Arbeiter bei Generator-Fertigung

Am 12.12. laufen wir gegen 11 Uhr bei Regen und unangenehmen Böen aus Chaguaramas aus. Nach der schmalen Passage Boca de Monas sind die Wellen ungewöhnlich hoch und auch der Wind stärker als vorhergesagt. Wir rollen die Genua aus und fahren zunächst in nordwestliche Richtung, um Abstand vom venezolanischen Festland zu gewinnen, das als Piratenhochburg gilt. Normalerweise nehmen die Wellen hier mit dem Abstand vom Land ab, aber heute werden sie immer höher und steiler. Plötzlich steigt eine Welle schräg von hinten voll ins Cockpit ein. Es dauert lange, bis das Wasser über die beiden Abflussrohre wieder abgelaufen ist. So etwas haben wir bislang noch nie erlebt.

Nach diesem Schreck versuche ich den Windpiloten (mechanische Steuerung über Windfahne) anstelle des elektrischen Autopiloten in Betrieb zu nehmen. Trotz der hohen Wellen und notwendiger Justierungen gelingt das relativ schnell. Der Windpilot funktioniert danach sofort und reagiert in den hohen Wellen deutlich schneller und besser als der elektrische Autopilot.

Am späten Nachmittag nehmen Wind und Wellen langsam ab. In der Nacht ist der Wind zeitweilig so schwach, dass wir die Maschine einsetzen müssen. Aber es ziehen auch immer wieder Regenböen mit bis zu 30 kn Windstärke über uns hinweg. Gegen 9 Uhr erreichen wir nach 140 sm die Bucht von Porlamar auf der Insel Margarita.

Nach dem Ankern fahren wir mit dem Schlauchboot an Juans Steg. Juan erledigt als Agent das Ein- und Ausklarieren und organisiert kostenlose Busfahrten zu den Supermärkten. In den Supermärkten kann man vieles preiswert einkaufen. Richtig niedrig werden die Preis aber erst, wenn man zu einem günstigen Wechselkurs Geld eingetauscht hat. Uns gelingt das einigermaßen bei einem Boot, das Diesel verkauft. Hier füllen wir auch unseren Tank nach, der allerdings nach 15 l schon wieder randvoll ist. Zahlen müssen wir den Diesel nicht. Bei diesen kleinen Mengen lohnt sich das Abrechnen einfach nicht. So werden wir wohl nie erfahren, wie teuer der Diesel in Venezuela wirklich ist. Die Preise in den Supermärkten sind nicht ganz so niedrig, aber bei vielen Produkten doch sehr günstig. Wir decken uns insbesondere mit Bier, Rum und einigen Lebensmitteln ein.

Im Moment ist das Liegen in der Bucht von Porlamar kein Vergnügen. Von dem starken Wind kommt zwar wenig an, aber es läuft extrem hoher Schwell in die Bucht hinein. So unruhig soll es hier über längere Zeit noch nie gewesen ein.

Am 17.12. verlassen wir bei Sonnenaufgang Porlamar mit dem Ziel Los Roques. Nur mit Genua segeln wir bei mäßigem Wind die Küste Margaritas entlang. Auf dem offenen Meer weht es bald mit mehr als 25 kn, was bei achterlichem Wind und reduzierter Genua kein Problem darstellt. Unangenehm sind nur die häufigen Regenböen, in denen der Wind jedes Mal kräftig zulegt. Bei Einbruch der Dunkelheit nimmt der Wind deutlich ab, nur die Wellen bleiben relativ hoch. Am frühen Morgen ist der Wind zeitweilig so schwach, dass wir die Maschine einsetzen müssen.

Gegen 11.30 Uhr sind wir kurz vor der südöstlichen Einfahrt (Sebastopol) in das Riffgebiet Los Roques. Eine heftige Regenböe zieht heran. Es gießt in Strömen und die Sicht beträgt nur wenige Meter. Als Brillenträger kann ich in solchen Situationen auch kein Instrument ablesen. Zum Glück sind solche Regengüsse meistens nur von kurzer Dauer. Eine halbe Stunde später passieren wir die schmale Einfahrt in die Roques. Die Navigation ist hier etwas schwierig, weil die Seekarten in diesem Gebiet nicht stimmen. Im letzten Jahr hatten wir uns hier verfahren und brauchten lange, um aus dem Labyrinth von Riffen wieder herauszukommen. Jetzt fahren wir nach der Beschreibung von Doyle immer dicht an der Ostseite des mittleren Riffs entlang bis wir bei Espanique ins freie Wasser kommen. Gegen 15 Uhr ankern wir nach 180 sm an dem langen Sandstrand hinter der Insel Crasqui.

Los Roques ist ein wunderbares Riffgebiet mit vielen kleinen Inseln, guten Ankerplätzen und einer schönen Unterwasserwelt. Die meisten Segler halten sich hier längere Zeit auf. Wir fahren schon am nächsten Tag weiter, weil wir möglichst schnell nach Bonaire wollen, um dort mehrere Arbeiten durchzuführen und auch in Ruhe die Feiertage zu verbringen. Unser heutiges Ziel ist die Inselgruppe Aves de Sotavento, um von dort aus in einem Tagestörn Bonaire zu erreichen. Der Wind liegt meistens unter 20 kn, aber wir werden mehrmals von heftigen Regenböen überholt. An dem Vogelparadies Aves de Barlavento fahren wir schweren Herzens vorbei.

Gegen 16 Uhr nähern wir uns den Aves de Sotavento und eine Stunde später ankern wir hinter der kleinen Insel Palmeras. Auf der Insel stehen drei Palmen und einige Büsche. Abends ankert ein Fischer neben uns, zwei Yachten ankern in größerer Entfernung hinter dem Riff.

Kurz nach Sonnenaufgang starten wir zu unserem letzten Törn in diesem Jahr. Nach der Prognose, die wir mit dem Pactor-Modem über Kurzwelle bekommen, soll der Wind zwischen 10 und 15 kn liegen. Außerhalb der Regenböen stimmt das auch ungefähr. Nur zieht heute eine Regenböe nach der anderen mit doppelter Windstärke und heftigem Regen über uns hinweg. Das ist nicht kritisch, aber doch unangenehm. So stellen wir uns das Segeln in nordeuropäischen Gewässern vor.

Noch vor 15 Uhr haben wir Kralendijk auf Bonaire erreicht. Wir machen an einer Boje bei Karel’s Bar fest und fahren zum Einklarieren. Nachdem wir bei Customs die ausgefülten Formulare abgegeben haben, fragt man uns sehr genau nach Waffen. Ich hatte keine angegeben. Als der Beamte dann von möglichen Kontrollen an Bord spricht, fällt mir doch noch eine Signalpistole ein. Die muss ich dann auch prompt inklusive Munition abliefern.

Sonnenuntergang nach Trinidad

Merry Xmas and Happy 2008

Am nächsten Tag verlegen wir uns einige Bojen weiter nach Norden, um mehr Abstand von Karel’s nächtlicher lautstarker Disco-Musik zu haben. Hier wollen wir bis ins nächste Jahr liegen bleiben. Bonaire bezeichnet sich in der Werbung als Diver’s Paradise. Hier ist die Werbung mal nicht überzogen. Wir haben nirgends in der Karibik eine so schöne und vielfältige Unterwasserfauna gesehen wie auf Bonaire. Und jetzt liegen wir mit unserem Schiff wieder mitten drin.

ZURÜCK