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Am 24.11.07 landen wir abends in Trinidad. Ein Fahrer von Jesse James (Taxiunternehmer) erwartet uns am Flughafen und bringt uns zu unserem Boat Yard (Power Boats), wo wir für zwei Tage ein Appartement gemietet haben.
Am nächsten Morgen betreten wir gespannt unser Schiff. Im Innern ist es bei 26 °C und 70% Luftfeuchtigkeit fast angenehm kühl. Kein Wasser, kein Schimmel, kein Ungeziefer und die Batterien sind noch gut geladen. Außen haben die Leinen und das Teak einige grüne Stellen und es hat sich viel Schmutz angesammelt. Aber unser Schiff hat die tropische Regenzeit wieder ohne elektrischen Entfeuchter und Abdeckfolie, für die andere viel Geld ausgeben, gut überstanden.
Bei der Inbetriebnahme unseres neuen Pactor-Modems stelle ich fest, dass eines der mitgelieferten Kabel nicht zu unserem Funkgerät passt. Nach einigen Telefongesprächen mit dem Hersteller des Modem SCS in Hanau wird klar, dass er nicht weiß, wie das Modem an unser Funkgerät (ICOM 710) anzuschließen ist. Zum Glück hat die Firma Navitech in Chaguaramas einen Experten, der weiß wie es geht. Dass erspart mir einige Stunden Arbeit, kostet uns aber 60 USD.
Mit dem Pactor-Modem können wir jetzt über Kurzwelle Wetterinformationen einholen und E-Mails senden und empfangen. Das System Sailmail, das wir verwenden, kostet 250 USD/Jahr und bietet praktisch weltweite Abdeckung. Es ist damit wesentlich günstiger als das Satellitensystem Iridium, bei dem man für jede Verbindung nach Zeit zahlen muss. Allerdings hat Iridium den Vorteil, dass man damit auch ganz normal telefonieren kann.
Eine andere Verbesserung an unserem Schiff sind LED-Lampen im Masttopp (Ankerlicht, 3-Farbenlampe). Jetzt können wir auch nachts unter Segel fahren, ohne die Batterien nennenswert zu belasten.
Das Aufbringen des Antifoulings und das Reinigen und Polieren des Schiffes haben wir wieder vergeben (Cow). Die Arbeiten ziehen sich etwas in die Länge, aber am Ende ist doch alles rechtzeitig und gut erledigt. Bei Nachbarn und Freunden ist das keineswegs der Fall.
Natürlich treffen wir auch viele Freunde und Bekannte wieder (Fiete, Salina Due, Yellowman, Avalon, Melmar), mit denen wir uns zum Essen und Sundowner treffen.
Am 6.11. ist es endlich soweit, unser Schiff wird morgens als erstes ins Wasser gesetzt. Der Mechaniker, der die große Saildrive-Dichtung ersetzt hat ist mit an Bord, um bei einem Leck schnell reagieren zu können. Aber es ist alles in Ordnung, auch der Motor springt sofort an.
Mit Customs treffen wir die Vereinbarung, dass wir abends um 21 Uhr ausklarieren können, obwohl wir erst um 4 Uhr auslaufen wollen. Nach dem Gesetz muss man Trinidad spätestens zwei Stunden nach dem Ausklarieren verlassen. Allerdings müssen wir für das Ausklarieren außerhalb der regulären Zeit einen Überstundenzuschlag zahlen.
Am 8.11. legen wir um 4 Uhr von der Boje ab, erreichen um 5 Uhr das offene Meer und setzen bei Sonnenaufgang die Segel. Der Wind kommt genau aus Osten mit 15 bis 20 kn und wir laufen mit mehr als 6 kn Fahrt Richtung Grenada. Zeitweilig hilft ein Strom von fast 2kn zusätzlich nach. Bereits um 16.00 erreichen wir die Prickley Bay im Süden Grenadas. Mit 7 kn Durchschnittsgeschwindigkeit war das eine schnelle Fahrt, allerdings hat der Strom uns auch sehr geholfen.
Nach dem Einklarieren fahren wir am nächsten Tag in die Lagoon von St. George’s. Trotz der Bauarbeiten an der neuen Marina Port Louis gibt es noch genügend Platz zum Ankern. Hier in der Lagoon liegt man ruhig und sicher und hat dazu noch kostenlosen Internetzugang durch den ansässigen Bootsausrüster Island Waterworld. Wir liegen hier, weil ich bei dem Bootsausrüster Solargeneratoren bestellt habe und wir außerdem hier unser Tochter Christiane und unseren Schwiegersohn Ralf an Bord nehmen wollen, um mit ihnen nach Martinique zu segeln.
Die bestellten Solargeneratoren sind wirklich da und funktionieren auch. Ich will sie anstelle der flexiblen über dem Bimini montieren. Die beiden neuen Solargeneratoren (Kyocera) haben einen festen Aluminiumrahmen und liefern je 65 W maximal. Das ist gegenüber der bisherigen Anlage fast eine Verdopplung der Leistung.
Die Montage dauert 3 ½ Tage. Abgesehen von einigen Schellen müssen alle Rohre und Blechteile zugeschnitten und gebohrt werden. Ohne Trennschleifer und Edelstahlbohrer wäre das kaum möglich gewesen. Nachdem alles in Betrieb ist, bemerke ich, dass der vorhandene Regler die hohe Leistung nicht einwandfrei regelt. Ich kaufe einen größeren Regler und habe wieder einen halben Tag Montagearbeit.
Am 15.11. kommen unsere Tochter Christiane und unser Schwiegersohn Ralf an Bord. Sie sind seit einer Woche auf Grenada und haben die Insel mit einem Leihwagen erkundet. Jetzt kennen sie sich hier fast besser aus als wir. Ihre Ferienanlage (Coral Cove Cottages) auf der Halbinsel Lance aux Epines hat ihnen gut gefallen, auch weil dort immer ein frischer Wind weht. Das ist auf unserem Schiff im Moment nicht der Fall, dafür regnet es wieder fast den ganzen Tag. Die Regenzeit ist wohl doch noch nicht ganz vorüber.
Kurz nach 8 Uhr laufen wir am nächsten Tag Richtung Carriacou aus. Trotz des günstigen Ostwindes (15-20 Kn) müssen wir am Ende noch einen kurzen Kreuzschlag einlegen, um die Tyrrel Bay unter Segel zu erreichen. Gleich nach der Wende entdeckt Christiane ein großes Tier im Wasser. Es ist keiner der von ihr so gefürchteten Haien, sondern ein Pottwal. Er ist nur wenige Meter neben uns, deshalb weiche ich etwas aus. Aus solcher Nähe haben wir noch keinen Wal im Meer gesehen.
Gegen 14 Uhr fällt der Anker in Tyrrel Bay auf Carriacou. Christiane und Ralf haben ihren ersten Hochseetörn in atlantischen Wellen gut überstanden. Bei Christiane ist das nicht überraschend, denn sie war bei den vielen Törns in ihrer Kindheit noch nie seekrank. Probleme bereiten ihr nur die hohen Temperaturen in der Karibik.
Am nächsten Morgen fahren wir zuerst nach Hillsborough zum Ausklarieren. Danach geht es weiter nach Clifton auf Union Island zum Einklarieren in den Staat St. Vincent and the Grenadines (SVG). Dazu müssen wir jedes Mal ankern, das Schlauchboot ins Wasser bringen und den Motor montieren. Anschließend ist alles wieder an Bord zu bringen und festzuzurren. Außerdem haben die Damen an Land immer etwas einzukaufen, auch wenn es dort eigentlich nicht viel gibt. So vergeht die Zeit, jedenfalls erreichen wir erst nach 17 Uhr das Horse Shoe Reef in den Tobago Cays.
Die Tobago Cays gelten als das schönste Schnorchelrevier auf dem karibischen Inselbogen. Man ankert hinter dem Riff und hat dann den offenen Atlantik vor sich liegen. Meistens weht es hier kräftig, aber heute ist die Brise eher schwach. Deshalb installieren wir in Christianes Koje einen Lüfter und erzeugen den fehlenden Wind elektrisch.
Am nächsten Morgen fahren wir gemeinsam mit dem Schlauchboot zum Schnorcheln an das Riff. Es gibt viele bunte Fisch und vielfältige Korallen. Christiane und Ralf meinen aber, dass es an ihrem Hotelstrand genau so viel zu sehen gab. Jedenfalls sind die Tobago Cays ein touristischer Anziehungspunkt, für den inzwischen auch Eintrittsgeld erhoben wird. Heute liegen hier etwa 50 Schiffe vor Anker, davon sind 90 % Charterschiffe, und das sind fast ausschließlich Katamarane.
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Ruhiges Segeln |
Fische in den Tobago Cays |
Nach zwei Tagen verlassen wir das Schnorchelparadies und fahren weiter nach Bequia. Schon mittags haben wir bei den üblichen Winden unser Ziel erreicht und können in der geschützten Admirality Bay ankern. Christiane und Ralf sehen sich den beschaulichen Ort Port Elizabeth an, er gefällt ihnen sehr gut.
Für den nächsten Tag haben wir eine Inselrundfahrt mit einem Taxi gebucht. Wir besuchen die Turtle Farm, den höchsten Berg der Insel und das kleine Fort an der Admirality Bay. Die Turtle Farm ist eine private Einrichtung von Brother King, einem einheimischer Fischer. Er sammelt die Eier von Schildkröten an verschiedenen Stränden der Insel, bringt sie auf seine Farm, zieht die Schildkröten auf und entlässt sie nach 2 bis 3 Jahren in die Freiheit, wenn sie eine gute Überlebenschance haben. In der realen Natur werden nur aus wenigen Eiern ausgewachsene Schildkröten.
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Turtle Farm |
Admirality Bay (Fort) |
Am kommenden Morgen lichten wir schon eine Stunde vor Sonnenaufgang den Anker. Unser Ziel Soufriere auf St. Lucia ist zwar weniger als 60 sm entfernt, liegt aber etwas östlicher als St. Vincent. Bei dem vorhergesagten Wind (ENE 15 Kn) werden wir wohl nördlich von St. Vincent kreuzen müssen. Als wir St. Vincent gerade hinter uns haben, fängt es heftig an zu regnen sehr böig zu wehen. Die Sicht ist Null und ich kann kein Instrument ablesen. Ich hoffe nur, dass wir halbwegs nach Norden segeln. Als der Regen nachlässt, stelle ich fest, dass wir sogar etwas nach Osten vorangekommen sind. Der Wind legt ständig zu und erreicht schließlich 25 kn und mehr. Die Wellen sind im offenen Atlantik entsprechen hoch, es kommt aber nur gelegentlich etwas Wasser ins Cockpit.
Plötzlich bricht ein Reffring im Großsegel. Wir starten die Maschine und ich ersetze den Reffring durch zwei Schäkel. Nach 20 Minuten sind wir wieder voll unter Segel. Inzwischen hat der Wind mehr auf Ost gedreht, so dass wir jetzt direkt auf unser Ziel zusegeln können.
Noch vor 15 Uhr machen wir an einer Boje westlich von Soufriere fest. Der Boat Boy Stephen hatte uns lange vorher abgefangen und uns die Boje angeboten. Jetzt bietet er eine Taxifahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung an. Christiane und Ralf nehmen das Angebot an.
Stephen kommt morgens mit der landesüblichen Verspätung und bringt uns dann nach Soufriere. Christiane und Ralf starten ihre Taxifahrt und wir gehen zum Einklarieren und zum Einkaufen. Christiane und Ralf kommen erstaunlich früh zurück. Sie waren beim Vulkan (einziger Drive-in-Vulkan der Welt), einem Wasserfall und in der Kakao-Plantage, die auch für sie sehr eindrucksvoll war. Da alles sehr dicht zusammen liegt, haben Stephen und der Taxifahrer mit 80 USD gut verdient.
Der Bojenplatz bei Soufriere ist nicht nur von der Lage mit dem Blick auf die Pitons (steile Kegelförmige Berge) sehr schön, sondern auch wegen seiner interessanten Unterwasserwelt. Ob es hier mehr und schönere Fische gibt als auf den Tobago Cays, ist an Bord umstritten. Aber die schönsten Fächerkorallen gibt es auf jeden Fall bei Soufriere. Ralf macht hier wieder viele Unterwasseraufnahmen.
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Raues Meer |
Piton mit Großsegler |
Unser nächstes Ziel ist die Rodney Bay im Norden St. Lucias. Auf dem Weg dorthin drehen wir eine Runde durch die Marigot Bay, angeblich eine der schönsten Buchten in der Karibik. Auf jeden Fall ist die Marigot Bay mit der neuen Hotelanlagen und den Läden inzwischen sehr kommerziell.
In der Rodney Bay ankern wir vor dem südlichen Hotelstrand. Hier wird man gut mit Wifi versorgt, muss dafür aber den Lärm des modernen Strandlebens ertragen (Scooter, Wasserski,…). Am nächsten Morgen verlegen wir uns in die Lagoon. Hier gibt es vor der Marina mehr Platz zum Ankern als man zunächst vermutet.
Christiane, Ralf und Wilma fahren nach Castries und sehen sich dort einen Lehrpfad im Regemwald (Nature Trail) und die Stadt selbst an. Ich beschaffe Gas, Benzin, Brot und diverse Ersatzteile. Für den Abend lädt uns Christiane zu einem Geburtsagessen in ein Restaurant der Lagoon ein. Vorher klarieren wir noch aus, damit wir morgens früh nach Martinique fahren können.
Die Fahrt von St. Lucia nach Martinique ist eigentlich einfach. Aber heute kommt der Wind ungünstig aus Nordost und ist mit 20 kn stärker als erforderlich. Entsprechend hoch sind die Wellen auf dem offenen Meer. Wir schaffen es deshalb nicht ganz, Le Marin unter Segel direkt zu erreichen. Die letzten Seemeilen fahren wir mit Motor nach Le Marin, wo wir schon kurz nach Mittag ankern können.
Wir reservieren einen Leihwagen und lassen noch einmal unseren Liegeplatz in der Marina bestätigen. Als wir zu unserem Schiff zurückkommen, ankert die Yellowman mit Klaus und Marina neben uns. Jetzt kann ich endlich die versprochenen CDs übergeben, bevor die beiden weiter nach Norden segeln. Wir verlegen uns nach St. Anne, damit Christiane noch einmal auf einem sauberen Ankerplatz baden kann.
Morgens fahren wir zurück nach Le Marin und machen in der Marina fest. Christiane und Ralf sehen ich den Ort an, wir erledigen die üblichen Arbeiten bei einem Marina-Aufenthalt.
Am nächsten Morgen übernehmen wir den Leihwagen und starten unsere Inselrundfahrt. Bei Fort de France, der Inselhauptstadt, stehen wir fast eine Stunde in dem hier üblichen Stau. Die Strasse durch den Regenwald nach Morne Rouge ist zum Glück weniger stark befahren. Nach der Kirche Sacre Coeur, von der man einen wunderbaren Blick auf die Bucht von Fort de France hat, fahren wir zu dem Botanischen Garten Balata. Er ist mit Abstand der schönste in der Karibik, aber leider wegen Zerstörungen durch den Hurrikan Dean geschlossen. Das gleiche gilt auch für das in der Nähe liegende Arboretum. Als Entschädigung finden wir vor Morne Rouge ein Restaurant mit schönem Garten und gutem Essen.
Danach fahren wir zu dem Vulkan Mt. Pelée, der zuletzt 1902 ausgebrochen ist und dabei die damalige Hauptstadt St. Pierre vollkommen zerstört hat. Nur ein Gefängnisinsasse hat die Katastrophe überlebt.
Vom höchstgelegenen Parkplatz unterhalb des Gipfels genießen wir den Blick auf den blauen Atlantik und den grünen Regenwald. Plötzlich beginnt die Erde heftig zu beben. Das Gebäude am Parkplatz und der Pavillon werden kräftig durchgeschüttelt, bleiben aber stehen. Eine Frau wirft sich zu Boden und betet. Ihr Gebet wird erhört, der Vulkan bricht nicht aus. Trotzdem verlassen wir schnell den etwas unheimlichen Ort.
Unser nächstes Ziel ist die Rumfabrik Depaz vor St. Pierre. Aber auch hier hat uns der Hurrikan Dean einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Strasse zur Rumfabrik ist wegen Aufräumungsarbeiten gesperrt. Nach kurzen Aufenthalten am Strand bei St. Pierre und in Case Pilote fahren wir zurück nach Le Marin. In der Mango Bay Bar erfahren wir von Günter (Kaktus) und Marianne, dass nicht nur der Vulkan gebebt hat, sondern die ganze Karibik. Das Epizentrum lag nördlich von Martinique und das Beben hatte eine Stärke von 7,4. Es gab Stromausfall, aber größere Schäden an Gebäuden sind nicht entstanden.
Heute am 30.11. fliegen Christiane und Ralf zurück nach Deutschland. Insbesondere Christiane möchte auch noch am letzten Urlaubstag im Meer schwimmen. Wir fahren deshalb zunächst zum Club Med und dann, nach einem Spaziergang durch den Ort St. Anne, zum Grande Anse des Salines. Dieses ist für Christiane ein Traumstrand, an dem sie längere Zeit bleiben könnte.
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Abkühlung im Regenwald |
Strand bei St. Anne |
Das geht nicht mehr. Gegen 17 Uhr verbschieden wir uns von Christine und Ralf auf dem Flughafen Lamentin. Ein schöner Familienurlaub ist zu Ende.