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Wir liegen in der Prickley Bay auf Grenada und bereiten uns auf die Überfahrt nach Trinidad vor. Diesmal wollen wir die 80sm bis zur Scotland Bay auf Trinidad in einem Tagestörn zurücklegen, was wegen des starken Gegenstroms allerdings eine Durchschnittsgeschwindigkeit (Fahrt durchs Wasser) von 7 kn erfordert. Leider passen die Windprognosen der nächsten Tage überhaupt nicht zu unserem Plan. Nur in der Nacht vom 15. auf 16.05. ist der vorhergesagte Wind von 15 kn aus Ost für uns akzeptabel. Also entscheiden wir uns wieder für eine Nachtfahrt und laufen nach dem Ausklarieren am 15.05 um 17 Uhr in Richtung Süden aus. Der Wind hält sich leider nicht an die Prognose, er hat eine Südkomponente und bläst mit 25 kn (6 Bft). Es ist genau der Wind für den nächsten Tag. Mit den üblichen Reffs rauschen wir mit 7 kn Richtung Trinidad. Trotz der Südkomponente im Wind und der starken Strömung können wir den direkten Kurs halten und zeitweise noch etwas Reserve herausfahren.
Mehrere Frachter kreuzen unseren Kurs und wir erkennen auch einige unbeleuchtete Objekte auf dem Radarschirm. Kurz vor Mitternacht hören wir ein lautes Motorengeräusch, das wir nicht orten können. Wir denken an einen Hubschrauber, aber die fliegen normalerweise mit Licht. Als ich die Entfernung des Radargerätes stark reduziere, erkenne ich auf dem Schirm ein großes Objekt, das in kurzer Entfernung unseren Kurs kreuzt. Es ist verdammt knapp. Wir sind froh, als das Motorengeräusch langsam verschwindet.
5 sm vor Trinidad haben wir 3 kn Strom gegen uns und es weht immer noch mit 20 kn. Etwas später begleiten uns einige Delfine eine Zeitlang. Kurz nach 7 Uhr fahren wir an der Scotland Bay vorbei und um 8 Uhr machen wir an einer Boje in Chaguaramas fest. Damit haben wir für diese Strecke genau 2 ½ Stunden weniger gebraucht als im letzten Jahr.
In Chaguaramas wollen wir unsere Aquila wieder an Land stellen und während der Hurrikan-Zeit für einige Monate verlassen. Trinidad liegt südlich der üblichen Hurrikan-Zugbahnen. Trotzdem kann man nicht ausschließen, dass ein Hurrikan auch mal etwas südlicher durchzieht. Deshalb betrachten die meisten Versicherungen Trinidad mittlerweile auch als Hurrikan-Gebiet. Da in diesem Jahr mit überdurchschnittlich vielen Hurrikans gerechnet wird, wollen wir unser Schiff an Land zusätzlich sichern.
Bis zu unserem Flug nach Deutschland haben wir noch einen Monat Zeit. Wir legen die Termine für Wartungs- und Reparaturarbeiten und das Kranen fest und pendeln dann mehrmals zwischen Chaguaramas und der Scotland Bay. Nach Chaguaramas fahren wir nicht nur wegen des besseren Internetzugangs, sondern auch wegen der Bootsausrüster, die wirklich sehr gut sortiert sind. Chaguaramas ist bezüglich Service, Ausrüstung und Lagerung der beste Platz in der Karibik. Nicht ohne Grund werden hier jedes Jahr in der Hurrikan- und Regenzeit mehr als tausend Schiffe an Land gestellt, während ihre Eigner in den Heimaturlaub gehen.
Die nur zwei Seemeilen entfernte Scotland Bay ist nicht der übliche Ankerplatz der Karibik mit langem Sandstrand und Palmen oder großen Korallenriffen. Man ankert hier mitten im Dschungel und ist umgeben von einer interessanten Tier- und Planzenwelt. Im Wasser gibt es viele Fische, gelegentlich sieht man auch große Rochen, Schildkröten und Landschlangen, die ein Bad nehmen. In der Vogelwelt dominieren Habichte, die oft in großer Höhe über der Bucht segeln, Papageien, die besonders morgens und abends laut kreischen, und sehr zutrauliche Schwalben. Pelikane kommen nur selten in die Bucht, sind dann aber besonders jagdlustig. Ein Schwalbenpaar beginnt bereits am zweiten Tag mit dem Nestbau in unserem zusammen gefalteten Großsegel.
Interessant sind auch die Brüllaffen, die morgens und abends kräftig im Chor brüllen. Wenn man das Geräusch nicht kennt, klingt es richtig unheimlich. Gesehen haben wir die Brüllaffen hier allerdings noch nie. Natürlich gibt es auch Menschen in dieser Bucht, überwiegend Segler. Wir treffen hier die Ute und Hans von der Taimada und Heinz von der Galathe, mit dem wir oft einen Sundowner trinken.
Diese Idylle hält aber nur fünf Tage pro Woche an. Am Wochenende, insbesondere Sonntags, strömen viele Einheimische in die Bucht, Schwarze, Braune und Weiße. Sie kommen mit Wassertaxis und eigenen leistungsstarken Motorbooten. An den kleinen Stränden bauen sie Lautsprecherboxen auf und betreiben sie mit maximaler Lautstärke. Dazu flitzen Motorboote mit Wasserski durch die ankernden Boote. Für den normalen Mitteleuropäer liegt der Lärm an der Schmerzgrenze. Aber abends wird die Bucht schnell leer und die Geräuschkulisse wieder von den Papageien und Brüllaffen bestimmt. Ihr Gesang ist nicht besonders anspruchvoll, aber doch wesentlich angenehmer als die laute Soca-Musik.
Am 29.05.07 ist unser Krantermin. Da wir an dem vorgegebenen Stellplatz mit dem Bug in Windrichtung stehen wollen, müssen wir vorwärts in den Travellift fahren und dazu vorher das Vorstag lösen. Bei unserem fraktionellen Rigg ist das eine aufwändige Angelegenheit (alle Wanten lösen), die wir am Vortag erledigen. Trotzdem gelingt es dem Kranführer Michael zunächst nicht, die Aquila an Land zu heben. Erst nachdem die Gurte weiter vorn angesetzt sind, lässt sich unser Schiff an Land heben und zu dem 400 m entfernten Stellplatz transportieren. Das aufwändige Lösen des Vorstags hätten wir uns sparen können.
Jetzt können alle Wartungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Das Schlauchboot und die Abdeckung bringen wir in die entsprechenden Werkstätten und ich beginne mit der Motorwartung. Als erstes baue ich den Impeller aus, der inzwischen 209 Betriebsstunden hinter sich hat. Im letzten Jahr haben die gleichen Impeller nach 5 bis 10 Stunden die ersten Flügel verloren. Jetzt zeigt der Impeller zwar Verschleißspuren, aber keine Beschädigungen, die in absehbarer Zeit zu einem Abriss der Flügel führen würde. Dieses positive Ergebnis wurde mit dem langen dicken Nocken (Volvo/Johnson-Teil) und einem speziellen Deckel erzielt.
Das Geheimnis der Impeller ist damit endgültig gelüftet. Die Firma Volvo interessiert sich dafür nicht. Ob Johnson die Pumpen nun modifiziert, ist mir nicht bekannt. Tatsache ist, dass die Johnson Pumpe F4B in der Karibik und anderen warmen Regionen mit den Original-Impellern und dem normalen dicken Nocken nicht einsetzbar ist.
Sie größte Wartungsarbeit ist der Austausch der großen Saildrive-Dichtung (ca. 40 cm Æ). Dazu muss der Motor nach vorn geschoben und der Saildrive ausgebaut werden. Die Firma Gittens führt die Arbeiten fachgerecht durch. Ob das große Loch wirklich dicht ist, wird sich aber erst im Herbst zeigen, wenn unser Schiff wieder im Wasser ist.
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Ankerplatz Scotland Bay |
Ausbau Saildrive |
Die anderen Wartungsarbeiten (Außenborder, Wassermacher, Ankerwinsch/-kette, Anker, Toilette, Ruderlager, ...) führen wir selbst aus. An dem oberen Ruderlager sind keine erhöhten Verschleißspuren erkennbar, obwohl wir in dieser Saison immer wieder Klopfgeräusche hatten. Nach der letzten Schmierung mit einem Bosch-Silikonfett sind die Geräusche allerdings nicht mehr aufgetreten. Vielleicht ist dieses weiche Fett, das der Werftempfehlung widerspricht, die Lösung unseren letzten mysteriösen Problems.
Da unser Boot nach sieben Jahren immer noch nicht perfekt ist, leisten wir uns auch einige Neuanschaffungen wie z.B. einen Batterie-Monitor, einen kleinen Schwenkkran am Heck, einen Augbeschlag für Bojen und zwei weitere Bücherregale. Den Batterie-Monitor zur Überwachung des Ladezustandes der Service-Batterien habe ich bereits in der Scotland Bay installiert und seit dem getestet. Es ist wirklich ein sehr sinnvolles Messgerät auf einem Fahrtenschiff.
Das Leben an Land mit einem Schiff ist hart, weil es immer mit viel Arbeit verbunden ist. Dieses gilt besonders für die Tropen, wo man bei jeder Anstrengung nach kurzer Zeit in einer Schweißlache steht, kniet oder liegt. Aber hier in Chaguaramas gibt es aber auch die angenehmen Seiten. Abends treffen wir uns oft mit anderen Seglern zum Sundowner, meistens im Sail Restaurant bei Power Boats. Wir treffen alte Bekannte wieder (Salinadue: Waltraud und Viktor, September: Gabi und Hans, Planet: Erika und Reinhard)) und lernen neue kennen (Yellowman: Marina und Klaus, Meerstern: Bernhard, Hibiscus: Natascha und Walter). Mittags gehen wir regelmäßig mit Kurt (Fiete) in der Tropical Marine zum Essen. Selbst Kochen lohnt bei den Restaurant-Preisen in Trinidad nicht.
Zum Einkaufen fahren wir mehrmals in die Hauptstadt Port of Spain bzw. in das große Einkaufszentrum (West Mall) vor der Stadt. Die Preise für Textilien, Schuhe und Brillen sind etwa halb so hoch wie in Deutschland. Bei solchen Preisen spart man zwar beim einzelnen Produkt, gibt in der Summe aber meistens viel Geld aus.
Am 6.05. machen wir mit Jesse James, dem beliebten und bekannten Taxiunternehmer der Bootsgemeinde, eine Inseltour mit den Schwerpunkten Asa Wright Nature Center und Caroni Swamp. Wir haben eine rein deutsche Gruppe organisiert mit Kurt, Erika, Marina und Klaus. Jesse erzählt uns wieder viel über Land und Leute und bringt uns zuerst zum Asa Wright Center, das in den nördlichen Bergen Trinidads liegt. Auf der Fahrt durch den Regenwald erklärt er uns die verschiedenen Bäume und Sträucher und ihre Früchte. Bis auf die Cashews ist uns eigentlich alles bekannt. Wilmas Begeisterung für diese Früchte erinnert Jesse an seine erste Begegnung mit einem Apfelbaum in Kanada. Äpfel an Bäumen war für ihn genau so fremd wie für uns Cashews an Bäumen.
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Einkauf in Port of Spain |
Cashew am Baum |
Das Asa Wright Center ist eine gemeinnützige Einrichtung, die sich um den Naturschutz im Arima und Aripo Valley kümmert und dabei auch Forschung und Ausbildung betreibt. Die vielfältige Vogelwelt Trinidads bildet ein Schwerpunkt der Aktivitäten. 160 verschiedene Vogelarten kommen in dem Gebiet des Asa Wright Centers vor. Bei unserem einstündigen Rundgang bekommen wir allerdings nur wenige davon zu sehen. Hören können wir mehr, insbesondere die Bellbirds, die ein sehr lautes Organ haben. Viele Vogelarten kann man besser von der Terrasse des Haupthauses an den Futterstellen beobachten. Sehr interessant sind auch die Kolonien der Blattschneideameisen und ihre Organisation des Arbeitsprozesses. Bei der Anlieferung der Blätter gibt es Polizisten für den Schutz des Transports und Qualitätsprüfer am Eingangstor.
Nachmittags fahren wir durch den Regenwald zurück in das flache sumpfige Land südlich der Hauptstadt Port of Spain an der Westküste Trinidads. Das große Sumpfgebiet um den Fluß Caroni (Caroni Swamp) ist ein Vogelschutzgebiet. Mit einer Piroge (einheimisches Holzboot) fahren wir langsam über die teilweise schmalen Kanäle Richtung Meer. Die Landschaft erinnert uns etwas an den Orinoco, auch wenn die Bäume, überwiegend Mangroven, hier deutlich niedriger sind. An einer breiten Wasserkreuzung halten wir und warten auf die Attraktion des Caroni-Sumpfes: die roten Ibisse (auf deutsch auch Scharlachsigler). Aber zuerst müssen wir einen heftigen Regenguss überstehen, bei dem sich die meisten unter einer Plastikplane verkriechen. Danach können wir die roten Vögel bewundern, die in Gruppen zu ihren Nestern in die Mangroven fliegen. Leider ist der Abstand zu groß, um Details zu erkennen und gute Fotos zu machen. Bei Einbruch der Dunkelheit verlassen wir den Sumpf und fahren mit Jesse zurück nach Chaguaramas.
Drei Tage vor unserem Abflug ziehen wir in ein Appartement auf dem Boat Yard. Die Aquila ist mittlerweile mit zwei Gurten an schwere Betonklötze angeschnallt und mit einer Cockpit-Persenning versehen. Damit sollte sie zumindest einen leichten Hurrikan überstehen. Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit liegen im abgeschlossenem Schiff in einem guten Bereich. Das ist wichtig, weil wir im Gegensatz zu den meisten anderen Schiffen keinen elektrischen Entfeuchter einsetzen.
Am 18.06 fliegen wir zusammen mit Kurt nach Tobago. Nachdem wir Tobago segelnd nicht erreicht haben, unterbrechen wir unsere Reise nach Deutschland hier um zwei Tage. Das Hotel, das wir auf Empfehlung von Jesses Frau gebucht haben, liegt in der Nähe des Flughafen am Crown Point und ist wirklich ein Glücksgriff. Es heißt Kariwak Village und ist ein kleines Bungalow-Dorf in einem großen Garten mit eigenem Kräuteranbau fürs Restaurant, einem Schwimmbad und vielen Wellness-Angeboten (ganzheitliche Methoden).
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Aquila angeschnallt |
Im Hotelgarten |
Mit einem Leihwagen starten wir am nächsten Tag eine Inselrundfahrt. Die Insel Tobago, die zusammen mit Trinidad einen Staat bildet, ist 60 km lang und hat 50 000 Einwohner. Der Tourismus ist mittlerweile die Haupteinnahmequelle der ursprünglich armen Insel.
Wir fahren zunächst nach Norden und dann die Küste entlang bis Plymouth. Hier hat man von den ehemaligen kleinen Forts Bennet und James einen herrlichen Blick auf das Meer. Nach Plymouth fahren wir auf einer kurvenreichen Strecke durch den Regenwald, der hier bis zum Meer reicht und sehr üppig ist. Wir kommen durch viele kleine Dörfer in idyllischer Lage. Stellenweise nähert sich die Strasse dem Meer und auch schönen Ankerbuchten wie der Englishman’s Bay und der Bloody Bay. Die beliebteste Ankerbucht liegt aber weiter östlich vor dem Städtchen Charlotteville. Heute ankern hier allerdings nur vier Segler, und andere Touristen sieht man auch kaum. Nach einem Essen im einzigen Restaurant der Stadt fahren wir auf die Luvseite der Insel und dann die Küste entlang bis zur Hauptstadt Scarborough. Viel hat die Metropole nicht zu bieten, deshalb sind wir schon vor Sonnenuntergang zurück in Crown Point.
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Bei Fort James |
Charlotteville |
Am nächsten Tag können wir ausgiebig den Garten und den Pool unseres Hotels genießen bevor wir nachmittags zum Flughafen fahren. Die Maschine (Condor) fliegt über die Insel Margarita in Venezuela nach Frankfurt und kommt dort viel zu früh an. Aber dann müssen wir eineinhalb Stunden warten bis wir aussteigen können. Angeblich gibt es zu wenig Treppen in Frankfurt. Dann stehen wir weitere zwei Stunden an der Gepäckausgabe bevor die Koffer aufs Band rollen. Nur auf Nachfrage erhalten wir einige Informationen, allerdings sehr spärlich und widersprüchlich. Erst als wir unseren Leihwagen abholen, erfahren wir mehr von dem Chaos, das durch starke Regenfälle entstanden sein soll. Schließlich kommen wir abends mit viel Verspätung doch noch gut zu Hause an. Jetzt hoffen wir nur, dass die Regenzeit in Deutschland kürzer ist als in Trinidad und wir den in den nächsten vier Monaten hier auch ab und zu mal die Sonne sehen.