Die Jungferninseln

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Christopher Columbus gab den Inseln östlich von Puerto Rico den Namen Islas Virgenes, das heißt Jungferninseln. Der schöne deutsche Name ist aber kaum noch gebräuchlich, fast alle sprechen heute von den Virgin Islands.

Wenn man von Puerto Rico nach Osten fährt, kommen zuerst die Spanish Virgin Islands (SVI), dann die U.S. Virgin Islands (UVI) und schließlich die Britisch Virgin Islands (BVI). Die Virgin Islands waren nach ihrer Entdeckung durch Columbus mehr als zwei Jahrhunderte hart umkämpft zwischen Briten, Franzosen, Spaniern, Niederländern und Dänen. Heute gehören nur die noch die östlichen Inseln zu Großbritannien, jedenfalls formal. Tatsächlich ist alles von den USA dominiert. Einziges Zahlungsmittel ist überall der Dollar.

Die Spanish Virgin Islands gehören zu Puerto Rico, das schon seit langem ein Teil der USA ist.

Die jetzigen U.S. Virgin Islands haben die Amerikaner den Dänen 1917 für 25 000 Dollar abgekauft.

Die Virgin Islands waren über Jahrhunderte ein beliebter Schlupfwinkel für Piraten. Heute lebt man hier überwiegend vom Tourismus, der von Westen nach Osten ständig zunimmt. Man kann durchaus auch einige Parallelen zwischen Piraterie und Tourismus finden, aber natürlich läuft heute alles viel humaner und freundlicher ab.

Die Insel Culebra, unsere erste und einzige Station auf den SVI, steckt touristisch noch in den Kinderschuhen. Am zweiten Tag (21.01.07) verlegen wir uns vor den Hauptort der Insel. Zusammen mit Marianne und Reinhard schlendern wir durch das kleine Städtchen Dewey. Es gibt mehrere Läden, auch kleine Supermärkte, und ein nettes Restaurant am Meer, in dem wir zu Mittag essen.

Am nächsten Morgen brechen wir gegen 8 Uhr Richtung St. Thomas, UVI, auf. Der Wind kommt uns mit 15 kn direkt entgegen. Aber bei dem moderaten Seegang und der kurzen Entfernung macht das Kreuzen richtig Spaß. Kurz nach 14 Uhr ankern wir bereits in der großen Hafenbucht von Charlotte Amalie, dem kulturellen und politischen Zentrum der UVI. Es ist der totale Kontrast zu Culebra und Dewey. Drei riesige Kreuzfahrtschiffe liegen an der Pier und es gibt viele Ankerlieger. Auch die Magic Life, die mit uns vor zwei Wochen aus Curacao ausgelaufen ist, treffen wir hier wieder.

Die dänische Vergangenheit ist in Charlotte Amalie überall sichtbar. Es gibt zwei kleine Festungsanlagen, mehrere sehenswerte Verwaltungsgebäude, Kirchen und viele kleine Lagerhallen, in denen sich heute Touristenläden eingerichtet haben. Mehrmals täglich rollen Touristenwellen von den Kreuzfahrtschiffen in das Einkaufsviertel, das direkt vor unserem Ankerplatz liegt. Gelegentlich mischen auch wir uns unter die Kreuzfahrer, aber von uns könnten die unzähligen Schmuck- und Souvenierläden nicht leben.

Festung in Charlotte-Amalie

Beim Black Beard Ale

Am 29.01. fahren wir morgens weiter Richtung St. John. Wir kreuzen, aber der Wind ist schwach, so dass wir zeitweise den Motor einsetzen. Nach 20 sm haben wir unser Ziel, die Bucht Coral Harbour, im Ostteil der Insel schon erreicht.

St. John ist das komplette Gegenteil von St. Thomas. Der größte Teil der Insel ist Nationalpark, teilweise von der Rockefeller-Familie gestiftet. Viele Aussteiger und Künstler hat es auf die Insel gezogen. Die Wohlhabenden wohnen in schönen Häusern an den grünen Berghängen, die anderen in eher bescheidenen Hütten. Einer der kleinen Supermärkte in Coral Harbour wird von Palästinensern betrieben, die diese friedliche Gegend ihrer Heimat vorziehen.

Aquila in Fahrt

Mini Market auf St. John

Nach zwei Tagen fahren wir morgens mit dem Bus zum Ausklarieren nach Cruz Bay, dem Hauptort auf der Westseite der Insel. Die Fahrt geht über eine kurvenreiche Strecke durch die Berglandschaft mit herrlichen Blicken auf die Buchten und das Meer. Cruz Bay ist ein kleiner idyllischer Ort mit sanftem Tourismus. Die Formalitäten bei Immigration und Customs sind schnell erledigt.

Am frühen Nachmittag laufen wir aus Coral Harbour aus und verlassen damit das Gebiet der Vereinigten Staaten. Unser Ziel ist das nur 7 sm entfernte Norman Island. In der großen westlichen Bucht (The Bight) machen wir an einer Boje fest, nachdem wir an den Rändern des Bojenfeldes keinen geeigneten Ankerplatz gefunden haben. Abends kommt eine freundliche junge Frau zum Kassieren, was überall in der Welt üblich ist. Nur der Preis von 25 USD pro Nacht liegt um mehr als 100 % über dem üblichen. Ich erkläre ihr, eigentlich recht freundlich, was ich davon halte. Sie ist so entsetzt, dass sie mit Vollgas davon rast und sich dann einige Zeit in der Bucht treiben lässt. Kurz vor Sonnenuntergang kommt sie wieder. Ich bin jetzt noch freundlicher als vorher und Wilma holt 25 USD aus ihrem Portemonnaie. Nach einem kurzen Gespräch, in dem sie ein gewisses Verständnis für unsere Meinung äußert, fährt sie wieder davon, ohne dass wir bezahlen können.

Am nächsten Morgen segeln wir nach Tortola und ankern vor dem inneren Hafen von Road Town, der Hauptstadt der BVI. Mit dem Schlauchboot fahren wir an Land zum Einklarieren. Das Personal ist mal wieder extrem unfreundlich. Eigentlich ist man in allen karibischen Staaten bei Customs und Immigration unerwünscht und soll nach Möglichkeit das Land schnell wieder verlassen. Die Touristik-Ministerien sehen das wahrscheinlich anders, aber mit denen hat man nie Kontakt.

Da der Wind wieder aus Südost weht, was nach der Statistik im Winter kaum vorkommt, und der Ankerplatz sehr unruhig ist, gehen wir in die Marina (Village Cay). Wir sind jetzt in der Hochburg des karibischen Charter-Tourismus und haben zum ersten Mal in dieser Saison kein Internet an Bord. Das WLAN der Marina ist defekt und Mobilfunkbetreiber hat kein Roaming-Abkommen mit Vodafone und kann mir auch keinen anderen Zugang anbieten. Es bleibt damit nur der Weg ins Internet-Cafe.

Aber beim Gas sind wir endlich erfolgreich. Wie von Edgar (Morgi) beschrieben, füllt die Schell-Tankstelle europäische Gasflaschen auf. Wir lassen zwei Flaschen nachfüllen und haben damit das leidige Gasproblem für die nächste Zeit gelöst.

Am nächsten Tag kommt auch die Daddeldu nach Road Town und kann am selben Steg festmachen. Mittlerweile haben wir uns so aneinander gewöhnt, dass wir die gemeinsamen Abende an Bord sehr vermissen würden.

Road Town hat sich mit neuen Gebäuden und Anlagen auf den wachsenden Tourismus mit Kreuzfahrt-Schiffen  und Charter-Yachten eingestellt. Es gibt aber auch einen ursprünglichen Ortskern mit schönen farbigen Häusern. In diesem Gebiet betreibt die Firma Pusser’s ein Restaurant und einen Laden, in dem wir eine größere Menge des berühmten Rums kaufen. Der Rum ist nicht für uns, sondern für Freunde, die auf dem Antillenbogen sind und dieses kostbare Getränk dort sehr vermissen.

Am 4.02. laufen wir morgens aus Road Town aus. Unser Ziel sind die Ankerplätze im nordöstlichen Teil der Insel. Als es uns mit mehr als 20 kn von vorn entgegenweht, entscheiden wir uns einfach für neues Ziel, die Bucht Great Harbour auf Peter Island. Nach etwas mehr als einer Stunde fällt unser Anker in dem ruhigen und klaren Wasser der Bucht. Das ist der große Vorteil der BVIs, die Ankerplätze sind oft nur wenige Seemeilen von einander entfernt.

Damit ist das Revier natürlich auch ideal für das Chartergeschäft. Wir haben noch nirgends so viele Charteryachten gesehen wie auf den BVIs. Leider sind in vielen Buchten Bojen ausgelegt, so dass man dort kaum noch ankern kann. Mittlerweile wissen wir auch, dass 25 USD pro Nacht der niedrigste Bojenpreis in den BVIs ist.

Auf Peter Island bleiben wir zwei Tage. Die Unterwasserwelt ist nicht umwerfend, aber es gibt verschiedene schöne Korallen und einige bunte Fische. Sehr schön ist auch das Peter Island Resort in der Sprat Bay und der zugehörige Palmenstrand in der Deadman’s Bay. Es sind nur wenige Menschen an dem traumhaften Strand, aber dafür wagt sich ein Waran bis ans Wasser und sorgt für Unterhaltung.

Am 6.02. segeln wir weiter zu dem nordöstlichen Teil von Tortola und machen schließlich in der Bucht Trellis an einer Boje fest. Ankern ist in der Bucht wegen des ausgedehnten Bojenfeldes praktisch nicht möglich. Auch die Daddeldu macht später neben uns an einer Boje fest. Nachdem wir 25 USD für die Boje und 5 USD für 15 min Internet gezahlt haben, denken wir wieder an Piraterie. Aber das ist ungerecht. Wir könnten auch in eine Bucht ohne Bojen fahren und uns dort kostenlos in das WLAN einer ankernden Luxusyacht einklinken.

So ähnlich machen wir das am nächsten Tag. Wir kreuzen bei dem üblichen Wind Richtung Virgin Gorda und fahren dort in den North Sound. Das ist eine große Bucht mit vielen Ankermöglichkeiten. Zuerst ankern wir und die Daddeldu hinter einem Riff im nordwestlichen Teil der Bucht (Drake’s Anchorage). Das Wasser ist klar und wir sehen mehrere Schildkröten, aber nur wenige bunte Fische. Einmal hält sich ein großer Baracuda längere Zeit an unserem Schiff auf. Wir versuchen ihn mit verschiedenen Ködern zu angeln, aber er fällt nicht auf unsere Tricks herein.

Nach drei Tagen kommen Claudia und Edgar mit ihrer Morgi zu uns. Wir hatten uns über KW-Funk und E-Mail hier verabredet. Es ist ein herzliches Wiedersehen, bei dem es viel zu erzählen gibt. Das gilt auch für den nächsten gemeinsamen Abend mit der Daddeldu. Danach verabschieden sich Claudia und Edgar und fahren weiter Richtung Westen.

Zum Einkaufen fahren wir mit unseren Schiffen nach Gun Creek. Hier gibt es einen kleinen Supermarkt mit gutem Sortiment und akzeptablen Preisen. Als die Daddeldu Probleme mit der Ankerwinsch hat, verlegt sie sich an eine Boje des Saba Rock Resorts. Wir kommen zur Unterstützung in Ihre Nähe und ankern am Rande des Bojenfeldes vor einem schmalen Sandstrand mit Mangroven und vielen Pelikanen. Jetzt haben wir den für uns idealen Platz gefunden. Vom Saba Rock Resort gibt es ein gutes WLAN und der Bitter End Yacht Club, das touristische Zentrum des North Sounds, ist nur wenige hundert Meter entfernt.

Der Bitter End Yacht Club ist die schönste und interessanteste Ferienanlage, die wir bislang in der Karibik gesehen haben. In der weitläufigen Anlage mit üppiger Vegetation gibt es mehrere Restaurants, Pubs, Läden und viele Sportangebote. Natürlich fehlen auch nicht der Palmenstrand mit weißem Sand und der Swimming Pool für Süßwasserfreunde. Für uns ist allerdings mehr der kleine Laden von Bedeutung, in dem es sehr gutes Weißbrot gibt.

North Sound Virgin Gorda

Bitter End und Saba Rock

Am 13.02 fahren wir zusammen mit Marianne und Reinhard von Gun Creek mit einem Taxi nach Spanish Town zum Ausklarieren. Bei der Fahrt hat man von den Bergen einen herrlichen Blick auf die verschiedenen Buchten und das Meer. Der Zoll macht uns klar, das wir das Land nun nach spätestens 12 Stunden verlassen müssen, was wir eigentlich nicht vorhatten.

Die Daddeldu läuft am nächsten Tag Richtung St. Maarten aus. Wir bleiben auf unserem Ankerplatz, weil uns die Windprognose mit reinem Ostwind, d.h. Wind fast direkt aus der Zielrichtung, nicht gefällt. 80 Seemeilen gegen den Passat ist unangenehm und kann sehr lange dauern.

Um einen längeren illegalen Aufenthalt auf den BVI zu vermeiden, wollen wir wieder einklarieren. Als Grund für unser Bleiben denke ich mir ein Motorproblem aus, das damit endet, dass nach häufigem Starten der Motor wegen der leeren Batterie nicht mehr anspringt. Als wir am Morgen des 13.02. zum Ausklarieren nach Spanish Town fahren wollen springt der Motor wirklich nicht an. Plötzlich ist das fiktive Motorproblem bittere Realität.

Der Anlasser ruckt, kann den Motor aber nicht durchdrehen, obwohl die Leerlauf-Spannung der Batterie über 12,5 V liegt. Ich ahne den Fehler und ersetze die Starter-Batterie durch die redundante Service-Batterie. Das war es, der Motor springt jetzt sofort an und wir können mit nur 20 Minuten Verspätung  Richtung Spanish Town auslaufen.

Die jeweiligen Mitarbeiter von Immigration und Customs nehmen den Vorgang sehr ernst und fragen bei ihren Vorgesetzten nach. Sie kritisieren, dass wir uns nicht gleich telefonisch bei ihnen gemeldet haben. Schließlich lassen Sie Gnade vor Recht ergehen und lassen uns nach strengen Ermahnungen ziehen. Nach einigen Einkäufen in den Marina-Läden fahren wir zu The Baths, dem bekanntesten Strand auf Virgin Gorda. Riesige Felsbrocken liegen vor und an dem Strand mit weißem Sand. Am Strand liegt eine luxuriöse Ferienanlage und dahinter ein Naturschutzgebiet. Wir schnorcheln an den Felsen und sind überrascht von der vielfältigen Korallen und den vielen bunten Fischen.

The Baths, Virgin Gorda

Waran am Strand

Am späten Nachmittag fahren wir zurück in den Gorda Sound und ankern hinter dem Riff, direkt vor Moskito Island. Abends wissen wir auch, woher die Insel ihren Namen hat. Aber es sind nur wenige Plagegeister, die es gegen den Wind zu unserem Schiff schaffen. Morgens verlegen wir uns gleich wieder auf unseren geliebten Ankerplatz am Saba Rock, ganz in der Nähe der Pelikane und des Bitter End Yacht Clubs.

In dieser Umgebung kann man gut auf ein geeignetes Wetterfenster für die Fahrt nach St. Maarten warten. Ein günstiges Fenster deutet sich an und ist auch seit drei Tagen stabil. Deshalb laufen wir am 19.02. aus, zunächst nach Spanish Town zum Ausklarieren. Diesmal gibt es keine Probleme und wir können kurz nach 11 Uhr Richtung St. Maarten aufbrechen.

Der Wind ist seit mehr als einem Tag sehr schwach und das Meer entsprechen ruhig. Nach Umrunden der Südspitze von Virgin Gorda fahren wir mit Motor direkt nach Osten, um später direkt nach St. Maarten segeln zu können. So ruhig haben wir den offenen Atlantik noch nie gesehen. Im Laufe des Tages nimmt der Wind langsam zu und bekommt auch eine kleine Nordkomponente. Nach fast 40 sm unter Motor setzen wir um 18 Uhr Segel. Mit zwei Reffs im Großsegel sind wir für die Nacht gut vorbereitet und laufen schon bald mit mehr als 6 kn auf unser Ziel zu. Der Wind nimmt bald weiter zu und dreht auf Ost, genau wie vorhergesagt. Wir haben aber genügend Reserve herausgefahren und rauschen jetzt mit über 7 kn durch die dunkle Nacht. Unangenehm sind einige Frachter, die uns in kurzem Abstand passieren.

Um 2 Uhr haben wir die Simson Bay von St.Maarten erreicht. Langsam fahren wir durch das Feld der Ankerlieger und ankern schließlich in der Nähe der Megayachten, weil hier am meisten Platz ist. Trotz Radar und elektronischer Seekarten ist man immer froh, wenn  nachts der Anker an einer guten Stelle ausgebracht ist. Zufrieden trinken wir ausnahmsweise mal ein Ankerbier. In der Karibik 95 Seemeilen in östliche Richtung in15 Stunden zu fahren, ist bei kleinen Schiffen nicht alltäglich. Freunde haben für die Strecke 20, 21 und 31 Stunden gebraucht. Wir haben zwar ein schnelleres Schiff, aber der Hauptgrund für die kurze Zeit liegt in der Ausnutzung der mittlerweile sehr guten Wind- und Wellenprognosen.

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