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Auf unserer ersten Etappe von Marmaris (Türkei) nach Antiparos (Griechenland) kam der Wind immer von vorn. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit hätte das sich irgendwann ändern müssen. Das war aber nicht der Fall.
Im alten Griechenland war für das Geschehen auf See bekanntlich der Meeresgott Poseidon zuständig. Im neuen Griechenland gibt es einen Wetterdienst, der auch Poseidon heißt und seine 3-Tage-Vorhersagen in einer sehr schönen farbigen Graphik mit Windpfeilen im Internet darstellt. Man kann gut erkennen wie der Wind durch die Inseln und Gebirge an Land in seiner Stärke und Richtung verändert wird. Ich kenne kein Programm, bei dem die Ergebnisse der Prognose-Rechnungen so gut dargestellt werden. Deshalb benutze ich dieses Programm seit unserem Auslaufen aus der Türkei. Das Programm hat nur einen Nachteil, die Prognosen stimmen nicht.
Genüsslich habe ich jeden Tag die Prognose von Poseidon und die tatsächlichen Winde ins Logbuch eingetragen. Die Richtung stimmte selten, die Stärke nie. Typisch waren Vorhersagen von 1-3 Windstärken (Bft) und tatsächliche Winde von 4-7 Bft. Mein Lästern über Poseidon muss den Meeresgott sehr erzürnt haben. Jedenfalls hat er, solange wir in Griechenland waren, keinen anderen Wind als N bis NW zugelassen. Nur an einem Tag gab es Wind aus Westen. Der Wind kam damit immer aus der Richtung, in die wir gerade fahren wollten.
In einer Bucht der Insel Antiparos warten wir auf ein Nachlassen des Nordwindes oder auf eine Winddrehung. Nach einem Tag hat der Wind deutlich nachgelassen und auch Poseidon sagt nur N3 vorher. Am 3.06.05 laufen wir deshalb aus und stellen fest, dass bei Poseidon zumindest die Windrichtung ungefähr stimmt. Hoch am Wind segeln wir bei 5-6 Bft mit gerefften Segeln bis zur Insel Seriphos. Die 30 sm waren für mich das reinste Vergnügen, denn zum ersten Mal fahren wir mit dem neuen Autopiloten über Windsteuerung. Die Windsteuerung hatte ich am Vortag in der Bucht installiert.
Der neue Autopilot verrichtet seinen Dienst
Es ist ein ganz neues Gefühl. Das Schiff rauscht mit 7-8Kn durchs Meer, Wasser kommt über, und der Steuermann sitzt trocken hinter der Sprayhood oder am Kartentisch vorm PC und sieht, wie sein Schiff sich auf das Ziel zu bewegt.
In der Bucht von Seriphos ankern wir frei hinter der Hafenmole. Zwei Tage bläst der Wind kräftig, dann lässt er deutlich nach. Wir fahren mit dem Schlauchboot mehrmals an Land zum Einkaufen, Telefonieren und Bummeln.
Seriphos: Warten auf weniger Wind
Am 6.06.05 fahren wir weiter nach Poros, einer Insel im Saronischen Golf. Es ist schwachwindig und wir fahren meistens mit Motor. Auf Poros waren wir schon einmal vor vielen Jahren mit einem unserer kleineren Boote und unseren Kindern. Wir ankern in der kleinen Bucht Elies als einziges Boot.
Mit insgesamt drei Tagen Wartezeit wegen ungünstiger Winde haben wir jetzt die Ägäis von Ost nach West geschafft. Wir sind zufrieden. Jetzt liegen in Griechenland nur noch der Saronische Golf und die Golfe von Korinth und Patras vor uns.
Am 7.06.05 fahren wir von Poros Richtung Kanal von Korinth. Zunächst ist Flaute mit starkem Nebel, dann kommt der Wind aus der bekannten Richtung. Wir kreuzen und erreichen den berühmten Kanal, der 1882 in Betrieb genommen wurde und etwa 3sm lang ist, am frühen Nachmittag. Auf Grund von Baggerarbeiten wird der Kanal erst abends zur Durchfahrt freigegeben. Als letztes Schiff folgen wir zwei Frachtern. Der Kanal ist sehr eng und die Strömung gegen uns beträgt fast einen Knoten. Dazu kommt noch ein Wind von 6-7Bft (20-30kn), natürlich aus NW. Als wir den Kanal endlich hinter uns haben empfängt uns ein ruppiger Seegang. Glücklicherweise ist es nicht weit zum Hafen von Korinth. In dem Fischer- bzw. Marinateil finden wir einen der letzten freien Plätze an einem Fingersteg.
Am nächsten Tag hat der Wind etwas nachgelassen. Wir laufen aus und haben nach kurzer Zeit wieder die üblichen 4-6Bft aus NW, d.h. Kreuzen mit gerefften Segeln. Nachmittags gehen wir in der Bucht Antikyron, nicht weit entfernt von Delphi, vor Anker. Dort ist ein großer Krämermarkt und wohl auch ein Feiertag. Jedenfalls wird der Gottesdienst lautstark über den Ort und die Bucht verbreitet
Morgens ist der Wind schwächer und wir laufen aus, zusammen mit einem französischen Segler. Kurz nach Verlassen der Bucht weht es uns mit 30kn (7Bft) entgegen. Wir kehren um, die Franzosen, zwei harte Männer, fahren weiter. Nachdem wir zwei Stunden vor Anker gelegen haben, sind auch die Franzosen wieder da. Sie haben etwas länger gebraucht, um die Aussichtslosigkeit der Situation zu erkennen.
Am nächsten Morgen geht es dann wirklich weiter, der Wind hat jetzt draußen auch nur 5Bft. Wir kreuzen Richtung Trizonia. Das ist eine kleine Insel mit einer in Seglerkreisen bekannten unfertigen Marina. Davon gibt es in Griechenland sehr viele. Sie werden mit EU-Mitteln gebaut und gehen dann nicht in Betrieb. Für uns hat das den Vorteil, das keine Liegegebühren anfallen. So gesehen sind unsere Steuergelder dann doch sinnvoll eingesetzt.
Auf Trizonia könnte man einige Tage bleiben, aber wir wollen weiter nach Patras und dann über Kephallinia oder Ithaka nach Italien. Nach der 5-Tage-Prognose des DWD (Deutscher Wetterdienst) sollten wir ab Montag einen günstigen Südwind für die Überfahrt nach Italien haben.
Bei der Fahrt nach Patras haben wir die üblichen Windverhältnisse. Wir kreuzen gerefft und erreichen schon mittags die Marina Patras. Zum ersten Mal sehen wir in diesem Jahr einen Segler, der wie wir hoch am Wind fährt bzw. kreuzt. Es ist ein Engländer. Vor der großen Brücke zwischen Rion und Antirion geht aber auch er auf Motorfahrt über.
Am 12.06.05 laufen wir morgens um 5.30 Uhr aus Patras bei Flaute aus. Erst kurz vor Kephallonia setzt plötzlich ein Westwind mit 5-6Bft ein, damit können wir noch mal 30sm kreuzen. Um 20.00 Uhr ankern wir im Hafen von Argostolien.
Um 4.00 Uhr starten wir am 13.06.05 unsere Überfahrt nach Italien. Es liegen 200sm vor uns, die wir am Abend des zweiten Tages geschafft haben wollen.
Das Fahren bei Nacht in unbekannten Gewässern ist mit elektronischen Seekarten und Radar kein Problem. Nach Verlassen der Bucht von Argostolien setze ich einen Wegpunkt vor den Hafen von Roccella Ionica. Den Rest übernimmt jetzt der Autopilot, jedenfalls so lange man nicht kreuzen muss.
Von der Überfahrt gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Der Südwind ist da, aber zu schwach zum Segeln. Trotzdem herrscht relativ hoher Seegang oder Schwell. Die Fahrt ist deshalb sehr unruhig.
Etwa 40sm vor Italien dreht unser Boot plötzlich im Kreis. Das Problem ist gleich behoben. Offensichtlich hat der Autopilot beim Übergang auf eine andere Seekarte einen falschen Befehl bekommen. Übrigens sind 80% aller Probleme an Bord eines modernen Schiffes Software-Probleme. Insbesondere die Programme mit dem Vornamen MS lassen selten lange Weile aufkommen.
30sm vor unserem Ziel bemerke ich, dass die Diesel-Tankanzeige gegen Null pendelt. Gott sei Dank kommt 10sm vor Italien etwas Wind, so dass wir den Rest der Strecke segeln können.
Um 16.00 erreichen wir die Hafeneinfahrt von Roccella Ionica. In der Einfahrt steht Seegang und es ist sehr flach. Ein Franzose vor uns kehrt um, wir laufen vorsichtig ein und machen an einem der Fingerstege fest. Auch die Marina von Rocella Ionica ist seit Jahren fast fertig, aber nicht in Betrieb genommen. So liegen wir auch hier kostenlos.
Noch am Abend kaufe ich einen großen Kanister für Diesel. Am nächsten Morgen mache ich eine schöne Wanderung (10km) am Strand entlang in die Stadt und bringe mit meiner Sackkarre 36l Diesel mit. Trotzdem wollen wir in Roccella Ionica bleiben bis wieder ein brauchbarer Wind kommt, der uns nach Süden bringt.