Heimaturlaub und Impellertests

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Seit dem 14.06. sind wir wieder in Deutschland und haben natürlich viel zu erledigen. Das erste große Werk ist die bereits angemahnte Steuererklärung. Irgendwie war ich der Meinung, dass die Steuerklärung mit dem Eintritt ins Rentenalter einfacher wird. Das Gegenteil ist der Fall, weil ein weiteres Einkommen, nämlich die Rente, hinzukommt.

Aufwendiger als geplant sind auch die verschiedenen Entwicklungsarbeiten für unser Schiff. Ich baue einen linearen Temperatursensor und beschaffe verschiedene Komponenten, die es erlauben, die Temperatur und den Druck des Kühlwassers zu messen und auf dem PC zu speichern. Mit diesem Meßsystem will ich feststellen, ob es irgendwelche Druck- oder Temperatursprünge gibt, die das rätselhafte Impellersterben verursachen.

Zur besseren Piratenabwehr baue ich ein neues Alarmsystem mit einem Bewegungsmelder und einen Tonverstärker auf. Wir hoffen allerdings, dass unsere Abwehrmaßnahmen nie richtig zum Einsatz kommen müssen.

Am 19.08. fahren wir in die Schweiz zur Hochzeit unseres Neffen Stephan und seiner Christina. Die Trauung findet in der International Protestant Church in Zürich statt und die Feier in Brugg. Da Christina Kanadierin ist läuft alles zweisprachig ab.  Es ist eine schöne Hochzeit bei gutem Spätsommerwetter. Wenn ein Meteorologe heiratet, kann man das eigentlich auch erwarten.

Michael und Stephan mit Christinas und Oma

Die nächste Hochzeit ist nur zwei Wochen später am 3.09. Unser Sohn Michael heiratet seine langjährige Freundin Christina. Die Trauung ist in Murrhardt, gefeiert wird auf dem Rappenhof bei Weinsberg. Es ist wieder herrliches Wetter und eine sehr schöne Feier. Wir genießen den Empfang in dem großen Garten mit dem weiten Blick auf die Weinberge. Nach dem Essen gibt es wieder ein unterhaltsames Programm. Das Feiern von Hochzeiten ist in unserer Familie fast zur Routine geworden, aber bald gehen uns die Kandidaten aus.

Michael und Christina

Garten Rappenhof

Neben den Feiern und den vielen Einladungen von Freunden, Bekannten und Verwandten beschäftigen uns unsere Immobilien mehr als uns lieb ist. Zwei Mieterwechsel, Reparaturen und Instandhaltungen an den Wohnungen und an unserem Haus kosten viel Zeit. Bei den Ferienwohnungen ist das wenigstens noch mit Kurzurlauben im Allgäu und im Schwarzwald verbunden.

Natürlich besuchen wir auch die Interboot in Friedrichshafen. Viel zu erledigen haben wir diesmal eigentlich nicht. Auf den Ständen von Volvo und SPW (wasserlöslicher Propeller) sind wir mit unserer Meinung über ihre Produkte allerdings keine gern gesehenen Gäste.

Anlässlich eines Semestertreffens kommen wir nach Kassel (Wilhelmshöhe, Herkules), in den Solling (unsere Heimat) und ins Weserbergland. Es ist das 39. Treffen nach dem Abschluss unseres Ingenieurstudiums in Kassel und es findet diesmal in Hann. Münden statt. Nach den vielen Treffen kennen sich die meisten jetzt besser als während des Studiums. Es ist immer eine interessante Veranstaltung, wir freuen uns schon auf das 40. Treffen in Dresden.

Das mittelalterliche Hann. Münden mit seinen historischen Fachwerkhäusern hat uns wieder sehr beeindruckt. Danach besuchen wir meine Mutter an ihrem Urlaubsort an der Weser und unternehmen mit unseren langjährigen Freunden Ilse und Otfried einen Ausflug nach Fürstenberg und Höxter. Dort besichtigen wir unter anderem das Kloster Corvey.

Rundgang in Hann. Münden

Unser Deutschlandurlaub geht nun bald zu Ende. Es hat uns gut gefallen: schöne Landschaften, historische Bauten, viel Geschichte, Kunst und Kultur und eine gute Infrastruktur. Die karibischen Republiken können da nicht in allen Punkten mithalten.

Kaffeepause zu Hause

Den schönen Sommerurlaub verdanken wir eigentlich nur unseren kurzlebigen Impellern. Dieses rätselhafte Problem möchte ich unbedingt während unseres Deutschlandaufenthalts lösen. Mit der Unterstützung eines ehemaligen Mitarbeiters baue ich einen Pumpenprüfstand auf. Für die vorgesehenen Lebensdauertests brauche ich die Nenndrehzahl der Pumpe, die von der des Motors normalerweise abweicht. Da Frank Agren (Volvo Service Martinique) im Urlaub ist, wende ich mich direkt an Volvo in Schweden. Was ich hier erlebe ist unglaublich und lässt sich in wenigen Sätzen kaum beschreiben.

Pumpenprüfstand

Ich führe unzählige Telefongespräche, auch mit der deutschen Vertretung in Kiel, und schreibe viele E-Mails. Meine Frage nach der Drehzahl kann oder will keiner beantworten. Schließlich finde ich einen Volvo-Mitarbeiter, der vorgibt die Drehzahl und das Impellerproblem zu kennen, aber er will mir nichts verraten. Dass wir seit 9 Monaten ein ungelöstes Problem mit einem Volvo-Motor haben, interessiert ihn überhaupt nicht. Er versichert mir auch, dass sein Vorgesetzter das genau so sieht. Das scheint zu stimmen, denn sein Vorgesetzter beantwortet meine E-Mail auch nicht. Nach drei Wochen bekomme ich dann doch eine Antwort auf eine meiner E-Mails, die über mehrere Stellen bei Volvo lief. Ein Mitarbeiter gesteht darin, dass er niemanden bei Volvo gefunden hat, der die Drehzahl der Pumpe kennt oder ermitteln könnte.

Mittlerweile ist Frank Agren aus dem Urlaub zurück und nennt mir die Drehzahl bzw. das Drehzahlverhältnis zwischen Pumpe und Motor. Er hat aus der Karibik offensichtlich einen besseren Zugriff auf den Daten als seine Kollegen in Schweden.

Der Pumpenhersteller Johnson, ebenfalls in Schweden, ist im Gegensatz zu Volvo sehr kooperativ. Zunächst habe ich Kontakt zu einem Vertriebsleiter, der mir sofort kostenlos vier Impeller für meine Tests zuschickt. Jetzt kann ich mit den Untersuchungen beginnen.

Alle Lebensdauertests mache ich unter Karibikbedingungen, d.h. ich verwende Wasser mit 3,5% Salzgehalt und einer Temperatur von 28 bis 30 °C.

Als erstes teste ich einen Volvo-Impeller aus einer Serie, die ich in Grenada bekommen habe. Nach 13 Stunden ist ein Flügel abgerissen und ein zweiter stark eingerissen. Ich bin zufrieden, denn wenn die Impeller auch im Prüfstand so schnell sterben, wird es wohl nicht am Motor liegen.

Nun setze ich den ersten Johnson-Impeller ein, der aus einer guten Charge sein soll. Aber schon nach 4,5 Stunden liegt der erste abgerissene Flügel im Wasserbecken. Johnson zweifelt an meinem Testsystem und bittet um Zusendung des gebrochenen Impellers. Bei ihnen halten auch die schlechten Impeller mindestens 300 Stunden.

Original-Impeller

Zur Abwechselung teste ich einen billigen weichen Impeller aus der Türkei. Die Bohrmaschine, die ich zum Antrieb verwende gibt nach einiger Zeit auf, aber der billige Impeller hält. Nach 33 Stunden breche ich den Test ab. Der billige No-Name-Impeller zeigt keinerlei Beschädigungen.

Als nächstes teste ich wieder einen Johnson-Impeller. Noch gehe ich davon aus, dass der frühe Ausfall des ersten Johnson-Impellers ein Ausreißer war. Aber nach 25 Stunden ist auch bei dem zweiten Impeller ein Flügel abgerissen. Das ist seit November letzten Jahres der 11. Original-Impeller (Volvo/Johnson) in Folge, der nach wenigen Stunden defekt ist. Soviel schlechte Impeller aus verschieden Losen kann es eigentlich nicht geben.

Mittlerweile habe ich direkten Kontakt zu dem Pumpenentwickler von Johnson in Schweden. Er kann das Ergebnis auch nicht verstehen und fragt immer wieder nach meinem Testsystem und den Testbedingungen. Jedenfalls schickt er mir sofort neue Impeller, die garantiert einwandfrei sein sollen. Die neuen Impeller haben einen Volvo-Aufdruck, der Hersteller ist ab immer derselbe.

Der neue Volvo-Impeller scheint zu halten. Nach 33 Stunden liegt noch kein abgerissener Flügel im Wasser. Ich öffne die Pumpe und sehe leider wieder mein Horrorbild: ein Flügel ist zu 90% abgerissen.

Jetzt ist für mich eindeutig klar: die Wasserpumpe ist mit den Original-Impellern (Volvo/Johnson) für warmes Seewasser nicht geeignet.

Die Ergebnisse bringen meinen Pumpenkollegen bei Johnson zum Nachdenken. Jetzt will er seine Tests genau unter meinen Bedingungen durchführen, sogar die Schlauchlänge von 2 m übernimmt er von mir. Nach einigen Tagen meldet er sein erstes Ergebnis: auch bei ihm ist ein Impeller nach nur 72 Stunden ausgefallen. Jetzt ist auch Johnson in der realen Welt angekommen und versteht endlich die Ausfälle bei den Kunden. Offensichtlich hat Johnson die Tests bislang bei Raumtemperatur und mit Süßwasser durchgeführt.

Wir diskutieren die Ursachen, sind aber nicht in allen Punkten der gleichen Meinung. Jedenfalls soll ich sofort eine neue Pumpe mit einem verbesserten Nocken bekommen, durch den die Belastung des Impellers reduziert wird.

Die Zeit wird knapp, bis zu unserer Abreise in die Karibik möchte ich eine Lösung haben. Nach meinen Untersuchungen führt die Reibung an den Seitenwänden und das starke Knicken der Flügel am Nocken zu den frühen Ausfällen. Deshalb baue ich einen reduzierten Nocken in die Pumpe ein und verwende eine doppelte Dichtung für den Deckel. Nach 33 Stunden untersuche ich den eingebauten Volvo-Impeller. Er zeigt keinerlei Beschädigungen. Das ist also die lange gesuchte Lösung.

Diese Lösung hat aber auch einen Nachteil. Die Pumpleistung (Wassermenge/Zeiteinheit) ist um 20% geringer als in der ursprünglichen Version. Ich gehe aber davon aus, dass der Motor damit noch ausreichend gekühlt wird.

Um das Verhalten der Pumpe unter verschiedenen Bedingungen besser zu verstehen, führe ich umfangreiche Messungen durch. Ich bestimme die Pumpleistung für harte und weiche Impeller, verschiedene Nocken, unterschiedliche Dichtungszahlen und Drücke im Bereich von 0 bis 1,5 Bar. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist für mich sehr interessant. Wenn es auch für andere von Interesse sein sollte, werde ich es vielleicht veröffentlichen.

Zum Abschluss untersuche die Eigenschaften der Pumpe mit dem neuen Nocken, der wohl noch nicht auf dem Markt ist. Der Nocken ist wesentlich länger als der bisherige, hat aber fast die gleiche Dicke. Aufgrund seiner gestreckten Form schlagen die Impeller nicht mehr so hart auf. Die Pumpleistung ist 10 % geringer als bei dem normalen Nocken. Bei hohen Drücken nimmt sie allerdings noch weiter ab. Nach 33 Stunden untersuche ich den Impeller. Es sind keine Beschädigungen erkennbar. Mit diesem Nocken würde unsere Pumpe wohl auch in dem warmen Karibikwasser funktionieren.

Jetzt kenne ich mehrere Möglichkeiten, das frühe Impellersterben zu vermeiden. Der Aufwand war groß, aber er hat sich gelohnt.

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