Mehr unter www.syaquila.de
In der Lagoon von St. George’s, Grenada, liegt man sehr geschützt und hat kurze Wege zur Stadt und zu den verschiedenen Läden. Nur das Wasser ist in solchen geschützten Buchten leider immer trübe und lädt nicht unbedingt zum Baden ein. Wir nutzen die Zeit für verschiedene Einkäufe und eine Inselrundfahrt, die Roland (Avalon) für seine Chartergäste organisiert hat.
Außer den Chartergästen und uns sind noch Dolphin und Green Coral (Rosmarie und Peter) bei der Rundfahrt dabei. In einem Minibus fahren wir hinauf in den tropischen Regenwald. Unsere erste Station ist am Kratersee im Nationalpark Grand Etang. Auf dem Parkplatz werden wir von zutraulichen Affen begrüßt. Wilmas Äpfel mögen sie nicht, aber bei Rosmaries Bananen greifen sie einfach frech zu.
Affe in Grand Etang
Nach einer kleinen Wanderung geht es weiter zur Grenada Chocolate Company. Das kleine Fabrikgebäude sieht eher aus wie ein Zweifamilienhaus, und der weitgehend manuelle Herstellungsprozess ist gut überschaubar. Aber die gesamte Energie zur Schokoladen-Herstellung wird mit moderner Technik von Solargeneratoren erzeugt. Nach der Besichtigung dürfen wir etwas von den Endprodukten probieren. Die Proben sind klein, aber so schmackhaft, dass sich alle mit größeren Mengen eindecken. Wer mehr über die kleinste Schokoladenfabrik der Welt wissen und die vielleicht beste Schokolade der Welt probieren möchte, kann sich unter www.grenadachocolate.com informieren.
Eingang Schokoladenfabrik
Unser nächstes Ziel ist die Rumfabrik am River Antoine, die bereits 1785 gegründet wurde. Die meisten Einrichtungen sehen so aus, als würden sie noch aus der Gründerzeit stammen. Auf jeden Fall werden die Öfen nur mit Holz aus der Umgebung beheizt und die Maschinen mit Wasserkraft angetrieben. Unsere Führerin erklärt uns fröhlich und manchmal singend die Herstellung des hochprozentigen Produkts. Auf meinen Wunsch singt sie ein Gospel für die Kamera, das sie angeblich selbst komponiert hat. Die Lebensfreude dieser Menschen ist immer wieder faszinierend.
Mit etwas Rum im Blut fahren nach Grenville in ein uriges Restaurant und danach weiter zu dem Wasserfall am Mount Carmel. Eine Führerin bringt uns durch den Regenwald zu unserem kühlen Ziel. Der Wasserfall ist etwa 20 m hoch und damit der größte Grenadas. Wir waten vorsichtig durch das Becken und stellen uns dann unter die kalte Dusche, die allerdings nur am Rand zu ertragen ist. Nach dieser Abkühlung geht es zurück zur Lagoon, es schon dunkel als wir dort ankommen. Leider hat die Zeit nicht mehr gereicht, um eine Muskatnuss-Farm zu besuchen. Schade, denn die Gewürzinsel Grenada war lange Zeit der Hauptlieferant für Muskatnüsse.
Kalte Dusche im Mt. Carmel
Nach etwas mehr als einer Woche in der Lagoon sehnen wir uns wieder nach einer Bucht, in der man baden kann. So fahren wir am 19.06. in die Prickley Bay im Süden Grenadas. Die Mimpimanis mit Evi, Stephan und Töchterchen Lena liegt hier schon längere Zeit. Gemeinsam sehen wir uns im Restaurant Bananas das WM-Spiel Deutschland gegen Ecuador an. Sehr dramatisch ist es nicht, aber mit dem Ergebnis sind wir zufrieden. Dass wir bei Jean Yves einen neuen Impeller bekommen, den Frank Agren von Martinique geschickt hat, ist ein weiteres Erfolgserlebnis an diesem Tag.
Eigentlich hatten wir uns darauf eingestellt, dass wir mehrere Tage in der Prickley Bay warten müssen, bis ein günstiger Wind für die Überfahrt nach Trinidad kommt. Mittlerweile ankern auch Pauwke und Dolphin in unserer Nähe. Aber am 21.06. ist es aber schon so weit, unser Windfinder (Windprognose über Internet) sagt Ostwind mit 15 bis 20 Kn voraus. Wir klarieren aus und fahren um 17 Uhr gen Süden.
Auf dem offenen Meer ist der Wind anfangs etwas stärker und wir segeln wieder mit den üblichen zwei Reffs im Groß und entsprechend reduzierter Genua. Mit 7 kn Fahrt rauschen wir zufrieden in die Nacht. Leider nimmt die Strömung gegen uns ständig zu und erreicht um Mitternacht 3 kn, d.h. wir fahren nur noch mit 4 kn auf unser Ziel zu. Kurz vor 4 Uhr nähern wir uns hellen Lichtern, wir wissen von anderen Seglern, dass hier Bohrinseln ankern. Zur Sicherheit schalte ich das Radargerät ein, um genügend Abstand von eventuell unbeleuchteten Teilen zu haben. Plötzlich entdecke ich auf dem Radarschirm einen Punkt, der nicht so recht zu den Bohrinseln passt und sich schnell nähert. Dann sehe ich auch die Lichter, es ist ein Frachter, der dicht vor uns ist. Ich mache eine harte Kursänderung, aber wahrscheinlich wäre es auch ohne dieses Manöver gerade gut gegangen.
Vor Trinidad nimmt der Wind ständig ab, fast genau so wie vorhergesagt. Kurz nach 8 Uhr schalten wir die Maschine ein und fahren Richtung Chaguaramas. Um 10.30 machen wir an einer Boje fest und fahren dann gleich mit dem Schlauchboot zum Einklarieren. Angeblich drohen hier hohe Strafen, wenn man nicht umgehend Immigration und Customs besucht.
Chaguaramas war im zweiten Weltkrieg eine große Marinebasis der Amerikaner und ist es eigentlich immer noch. Nur sind es heute keine Kriegsschiffe mehr, sondern friedliche Yachten der Amerikaner und anderer Nationen, die hier auf ihren nächsten Einsatz warten.
Trinidad liegt südlich des Hurricane-Gürtels. Die Versicherungen sehen das nach den schlechten Erfahrungen mit Grenada heute leider nicht mehr so. Trotzdem ist hier ein Industriezweig entstanden, der sich nur mit der Lagerung, Wartung und Reparatur von Yachten befasst. Mehr als tausend Schiffe stehen hier in den verschiedenen Boat Yards an Land und warten auf das Ende der Hurricane Season.
Gleich am ersten Tag treffen wir mehrere Bekannte wieder: Gammeldansker, Tulevei, September und Upps. Später kommen auch Heavy Metal, Dude, La Gitana, Morgi und Pebbles nach Chaguaramas. Es gibt immer viel zu erzählen und natürlich nützliche Hinweise von denen, die schon einige Zeit vor Ort sind.
Gisela und Holger (Gammeldansker) sind schon länger als einen Monat hier. Bei dem idyllischen und ruhigen Liegeplatz in der Tropical Marine kann man das gut verstehen. Mittags gehen wir meistens gemeinsam in das Restaurant gegenüber ihrem Liegplatz, denn selber kochen lohnt sich bei den Restaurantpreisen in Trinidad nicht.
Im Boat Yard „Power Boats“, wo wir bereits im Januar einen Platz reserviert hatten, legen wir den Krantermin endgültig fest. Jetzt haben wir noch einige Tage Zeit, um uns die nähere Umgebung anzusehen. Nach dem WM-Spiel Deutschland-Schweden, das wir uns gemeinsam mit Gammeldansker, Heavy Metal und Dude ansehen, fahren wir am 24.06.in die nur wenige Seemeilen entfernte Scotland Bay.
Wir drehen eine Runde und ankern dann am Rande des tiefen Einschnitts. Eigentlich müsste diese Bucht nicht Scotland, sondern German Bay heißen, denn die Mehrheit der ankernden Schiffe sind deutsche. Die Scotland Bay ist für mich eine der schönsten Buchten in der Karibik. Man ist umgeben von Regenwald mit seinen typischen Geräuschen, meistens von verschiedenen Vogelarten. Aber etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang und eine Stunde nach Sonnenaufgang setzt regelmäßig ein fast Angst erregendes Gebrüll ein, das rhythmisch an- und abschwillt . Es sind Brüllaffen, die auf diese Weise miteinander kommunizieren und auch ihr Revier markieren. Leider ist der Strand von den Wochenend-Partys der Einheimischen etwas verdreckt.
Am 26.06 fahren wir zurück nach Chaguaramas und machen dort an eine Boje fest. Jetzt beginnen die Reparatur- und Wartungsaufgaben, wir holen Angebote ein und erteilen Aufträge. So kommen wir auch zu Adian Gittens, dem Motorspezialisten von Trinidad. Er ist von unserem Impellerproblem fasziniert und hat sofort eine Idee zur Lösung des Problems. Ich soll ihm unbedingt eine Wasserpumpe mit einem Impeller bringen. Dieser Bitte komme ich gerne nach. Adian betrachtet Pumpe und Impeller unter einer Lupe, zerlegt die Pumpe und muss dann leider eingestehen, dass seine Theorie nicht zutreffen kann. Er war der Meinung, dass ein Winkelfehler in Zusammenhang mit der Schrägverzahnung die Pumpenwelle nach außen drückt und damit erhöhte Reibung am Impeller erzeugt. Schließlich empfiehlt er einen kleineren Nocken (cam) in die Pumpe einzubauen. Das sei hier üblich, um die Lebensdauer von Impellern zu erhöhen. Da der Volvohändler die kleineren Nocken auf Lager hat, muss das wohl stimmen.
Am 29.06 wird unsere Aquila an Land gestellt. Es gießt in Strömen, die Regenzeit hat nun wirklich begonnen. Das Klima ist aber nicht so unangenehm wie oft beschrieben. Es unterscheidet sich nicht so sehr von den karibischen Inseln, nur der Wind ist wesentlich schwächer.
Neben den schweißtreibenden Arbeiten am Boot und den aufregenden Fußballspielen finden wir auch noch etwas Zeit für Natur und Kultur. Am 5.07. gehen wir auf eine Turtle Watch Tour. Michaela und Volker von La Gitana sind auch dabei. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt in einem kleinen Bus erreichen wir gegen 20 Uhr den Matura Beach an der Ostküste Trinidads, den verschiedene Meeresschildkröten regelmäßig zur Eiablage aufsuchen.
Ein Scout führt uns zusammen mit einer anderen Gruppe an den Strand. Es ist alles streng geregelt, damit die Schildkröten nicht bei der Eiablage gestört werden. Als erstes sehen wir eine Hawksbill-Schildkröte (ca. 1m lang) bei der Eiablage und mehrere kleine Schildkröten, die nach dem Schlüpfen Richtung Strand watscheln. Der Höhepunkt des Abends ist die Eiablage einer Lederrücken-Schildkröte. Sie ist fast 2 m lang und soll nach Schätzung des Scouts 400 kg wiegen.
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Jungschildkröten suchen das Meer |
Jungschildkröten am Ziel |
Mit den hinteren Flossen gräbt sie ein Loch, das sich nach unten aufweitet und einen halben Meter tief ist. Dann fallen etwa 100 Eier wie Tischtennisbälle in kurzen Abständen in das Loch. Zu diesem Zeitpunkt ist die Schildkröte in einem Trance-Zustand und darf von uns berührt und fotografiert werden. Danach schaufelt die Schildkröte das Loch wieder sorgfältig zu und sucht den Weg zurück zum Meer. In unmittelbarer Nähe gehen viele junge Schildkröten den gleichen Weg, nur wenige von ihnen werden längere Zeit überleben. Dieses großartige Naturerlebnis werden wir so schnell nicht vergessen.
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Lederrücken-Schildkröte |
Lederrücken-Schildkröte bei Eiablage |
Auch das Mozartkonzert in der Queen’s Hall in Port of Spain am 7.07. hinterlässt bei uns einen tiefen Eindruck. Man vergisst vollkommen, dass man auf einer tropischen Insel ist. Nur die Hautfarbe der Menschen auf der Bühne und die farbenfrohe Kleidung der Chöre erinnern daran. Jetzt wissen wir, dass dieses kleine Volk nicht nur etwas von Fußball, sondern auch von klassischer Musik versteht.
Die letzten drei Spiele unser Nationalelf und das Endspiel sehen wir uns auf der großen Leinwand im Restaurant von Power Boats an. Es herrscht eine großartige Stimmung, die sich beim Endspiel noch steigert. Als Deutsche sind wir in der Minderheit, La Gitana und Gammeldansker sind aber immer dabei. Die Niederlage gegen Italien tragen wir mit Fassung und den Sieg gegen Portugal setzen wir einfach voraus.
Drei Tage vor unserem Abflug nehmen wir uns ein Zimmer im Boat Yard. Unser Schiff wird für die viermonatige Lagerung vorbereitet und ist zum Wohnen kaum noch geeignet. Alles muss absolut wasserdicht sein, denn es wird fast jeden Tag heftig regnen.
Am letzten Tag besuchen uns nacheinander Gisela und Holger (Gammeldansker), Claudia und Edgar (Morgi) und Michaela und Volker (La Gitana). Wir verabschieden uns vorher von der Bess-Crew (Beate und Oliver) und nehmen noch an der Einschulung ihrer Tochter Elaisa an Bord ihres Schiffes teil. Niemand weiß, ob wir uns irgendwo wieder begegnen werden, schön wäre es.
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Elisas 1. Schultag |
Abschied von Gisela und Holger |
Am 13.07 fahren wir um 3.30 Uhr mit dem Taxi nach Port of Spain. Nach vier Flügen landen wir am 14.07 um 11 Uhr in Stuttgart und sind gegen 13.30 in Sulzbach, wo uns unser Nachbar Heinz Buchwald vom Bahnhof abholt. Abends gehen wir zu dem großen Grillfest meiner ehemaligen Firma Tesat. Es ist wieder ein gelungenes Fest und es gibt von allen Seiten viel zu erzählen. Wir gehören mal wieder zu den letzten, die sich auf den Heimweg machen.