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Am 15.05.06 sind wir nach einem dreiwöchigen Deutschlandaufenthalt wieder auf unserem Schiff in Le Marin auf Martinique. In Deutschland haben wir schöne Frühlingstage mit herrlichem Wetter erlebt. Das frische Grün und die ersten Blumen können durchaus mit der winterlichen Vegetation (Regenzeit) der Karibik konkurrieren. Auch sonst hat es uns zu Hause gut gefallen.
Eine Überraschung war auch der nette Abend, den Eva und Siggi im katholischen Gemeindehaus organisiert hatten. Nachbarn, Freunde und Bekannte waren eingeladen, um mit uns über unsere bisherige Reise zu plaudern. Der Abend begann mit einem Büffet, zu dem alle Eingeladenen beigetragen hatten. Dann zeigten wir Bilder unserer Atlantiküberquerung und unseres Karibikaufenthaltes. Erstaunlich war, das fast alle wussten, was ein Impeller ist.
Von den uns bekannten Booten sind nur noch Dolphin und Heavy Metal in Le Marin. Alle anderen haben bereits den Weg in Süden nach Venezuela oder Trinidad angetreten, um aus dem Hurricane-Gebiet heraus zu kommen. Wir wollten jetzt ursprünglich noch nach Norden fahren. Als uns aber im April schon viele Boote entgegenkamen, die wegen der Hurricane Season nach Süden fuhren, haben wir unsere Planung korrigiert und den Krantermin in Trinidad auf Anfang Juli vorgezogen. Da die Hurricane Season am 1. Juni beginnt, müssen wir einen Monat lang mit dem potentiellen Risiko eines Hurricanes leben.
Am 21.05. verlassen wir unseren Ankerplatz in Le Marin Richtung St. Anne. Von hier aus geht es am nächsten Morgen weiter nach St. Lucia. Der Wind hat seine normale Richtung und Stärke, d.h. E 15-25 kn. Bei zwei Reffs rauschen wir mit über 7 kn Fahrt Richtung Süden und erreichen schon um 12 Uhr die Lagoon von Rodney Bay auf St. Lucia. Wir gehen in die Marina, weil ich hier einiges erledigen will.
Das wichtigste ist mir die Einrichtung eines Internetzugangs über das Mobilfunknetz von Digicel, das von St. Lucia bis Grenada reicht. Ich kaufe bei Digicel eine Prepaid Card, lasse mir die erforderlichen Parameter geben und komme damit auch nach einigen Versuchen ins Internet. Am nächsten Tag geht allerdings nichts mehr. Ich gehe wieder zu Digicel, deren Zentrale zum Glück nur wenige Meter von der Marina entfernt ist. Insgesamt verbringe ich an drei Tagen fünf Stunden bei den Experten von Digicel. Am Ende scheint der Internetzugang über GPRS sicher zu funktionieren, allerdings mit einigen Einschränkungen (nur Motorola, nur Netscape).
In Rodney Bay treffen wir auch Bärbel und Karlheinz (Dolphin) und Franz wieder. Franz lag uns mit seiner nur 10 m langen Pebbles in der Marina Le Marin gegenüber und hatte sich damals eindrucksvoll mit einem Mundharmonika-Ständchen verabschiedet.
Obstverkäufer in Rodney Bay
Am 25.06 verabschieden wir uns von der Rodney Bay und fahren in die nur 10 sm entfernte Marigot Bay. Die Marigot Bay gilt als eine der schönsten und sichersten Buchten in der Karibik. Sie ist wirklich sehr schön, obwohl die Charterfirma Moorings hier eine Basis errichtet hat und oberhalb der Charterbasis heftig gebaut wird. Die Sonne versinkt langsam hinter den Palmen auf dem schmalen Sandstreifen und es herrscht eine wunderbare Stimmung in der Bucht.
Sonnenuntergang in Marigot Bay
Kurz vor Sonnenaufgang fahren wir am nächsten Morgen weiter Richtung Bequia. Der Wind ist sehr schwach. Erst als die Pitons (2 kegelförmige Berge) hinter uns liegen und wir auf dem offenen Meer sind, haben wir ausreichenden Wind zum Segeln. Wir fahren an der Westseite von St. Vincent vorbei und haben zum ersten Mal einen beständigen Westwind. Nach St. Vincent kommt der Wind vom offenen Atlantik her wieder aus Osten, die Welt ist also doch noch in Ordnung. Einige Delphine begleiten uns eine Zeit lang. Ich habe Angst, dass sie an unsere Angel gehen. Aber unser Köder ist für sie wohl genau so uninteressant wie für die Fische, auf die wir es eigentlich abgesehen haben.
Kurz vor 17 Uhr fällt der Anker in Port Elizabeth auf Bequia. 70 sm liegen hinter uns, ein guter Tagestörn. Wir ankern neben einer Etap 32, einer kleineren Schwester unserer Etap 39. Ich überprüfe den Impeller in unserer neuen Wasserpumpe. Nach 6 Betriebsstunden sind wieder zwei Flügel eingerissen. Es ist unglaublich. Doch die Ergebnisse sind einigermaßen reproduzierbar. Unabhängig vom verwendeten Wassereinlass und unabhängig von der eingesetzten Pumpe halten die Impeller 6 Stunden. So richtig überrascht hat mich das eigentlich nicht mehr. In Deutschland hatte ich 5 Pumpendeckel aus Plexiglas anfertigen lassen und außerdem eine elektrische Wasserpumpe gekauft, die im Notfall schnell eingebaut werden kann. Jetzt werden wir mit der Pumpe Nr. 3 und einem Plexiglasdeckel neue Lebensdauertests machen.
In der großen Ankerbucht von Port Elizabeth liegen viele Weltenbummler. Es gibt brauchbare Einkaufkaufmöglichkeiten und einige Restaurants und Cafes. Schön ist auch der Sandstrand, an dem mehrere kleine Hotels liegen. Die Saison ist allerdings vorbei, vieles ist bereits geschlossen.
Für gutes Essen brauchen wir auch nicht unbedingt die Restaurants. Auf den beiden neben einander liegenden Etaps wird sehr gut gekocht. Bob und Mieke aus Belgien leben seit Jahren nur auf ihrem Schiff, einer Etap 32. Sie haben das relativ kleine Schiff (Pauwke) extrem gut ausgerüstet, u.a. mit einer Waschmaschine und zwei Wassermachern. Bob ist auch mit Navigations-Software gut ausgerüstet. Wir vergleichen unsere Systeme und können beide etwas verbessern.
Am 1.6. fahren wir weiter Richtung Süden in die Nähe der beliebten Tobago Cays. Es weht der übliche Wind und nach 4 Stunden haben wir bereits unser Ziel, die Insel kleine Mayreau, erreicht. Wir ankern in der Saline Bay unterhalb des Ortes. Ich versuche wieder über Digicel (Prepaid Card) ins Internet zu kommen. Alle Versuche sind vergeblich. Nur über Vodafone Deutschland ist es schließlich möglich, aber bestimmt auch sündhaft teuer.
Am nächsten Tag fahren wir zu den Tobago Cays, einer kleinen Inselgruppe, die durch ein hufeisenförmiges Riff vor dem Atlantik geschützt ist. Wir ankern vor dem kleinen Palmenstrand der Insel Baradel. Vor uns liegt der offene Atlantik mit fast 3000 sm bis zur afrikanischen Küste. Es weht kräftig (20-25Kn) und es ist schon ein eigenartiges Gefühl hier vor Anker zu liegen. Aber das Riff dämpft die Wellen und bietet uns damit, abgesehen vom Wind, einen ruhigen Ankerplatz.
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Ankerplatz in den Tobago Cays |
Strand in den Tobago Cays |
Wir schnorcheln in Bootsnähe und können zunächst außer sehr großen Seesternen nichts aufregendes entdecken. Dann sehe ich zwei große Schildkröten, die genüsslich auf dem Meeresgrund weiden.
Am nächsten Tag fahren wir mit unserem Schlauchboot direkt vor das Riff und gehen ins Wasser. Jetzt verstehen wir, warum alle so von den Tobago Cays schwärmen. Die Unterwasserlandschaft ist einzigartig: große Korallen, riesige Schwämme und eine Vielzahl bunter Fischen in allen Größen und Farben. Als wir zum Schlauchboot zurück kommen, knabbert eine kleinere Schildkröte an der Leine herum.
Da es in den Tobago Cays sehr windig ist, fahren wir nach zwei Tagen weiter in die nahe gelegene Chatham Bay auf Union Island. Die Bucht hat einen langen Sandstrand, an dem es auch zwei sehr einfache Restaurants gibt. Beide Restaurants sind nicht mehr in Betrieb, obwohl noch etwa zehn Boote hier vor Anker liegen. Auch die Pelikane, auf die wir uns gefreut hatten, haben die Bucht verlassen.
Chatham Bay
Ich beschäftige mich wieder mit dem Wassermacher (Seewasser-Entsalzungs-Anlage), den ich schon im November bei der Atlantiküberquerung in Betrieb nehmen wollte. Nach nur zwei Stunden habe ich das vereinfachte Konzept (kleine Pumpe im Einlass) umgesetzt und kann die Anlage einschalten. Der Wassermacher funktioniert auf Anhieb und liefert die angegebene Menge von 5 l reinem Wasser pro Stunde. Von jetzt an müssen wir über das Tanken von Wasser nicht mehr groß nachdenken und können uns auch auf den Einkauf des hier sehr teuren Mineralwassers ersparen.
Eigentlich wollte ich mich mit dem Wassermacher erst wieder beschäftigen, wenn das Impellerproblem gelöst ist. Einige Experten hatten nämlich einen Zusammenhang zwischen dem Impellerproblem und dem Wassermacher gesehen, weil ich den selben Einlass nutzte. Vor einigen Tagen wurde mir jedoch klar, dass wir wohl Jahre auf einen Wassermacher Jahre verzichten müssen, wenn ich bei dieser Prioritätenregelung bleibe.
Nach drei Tagen in der Chatham Bay entschließen wir uns zur Weiterfahrt. Die heftigen Fallböen lassen den Windgenerator immer wieder aufheulen und das Boot erschüttern. Wir fahren nach Clifton, der Hauptstadt von Union Island, wollen dort ausklarieren und dann noch eine Nacht vor Anker liegen. Der Ankerplatz ist aber so ungemütlich, dass wir gleich nach dem Ausklarieren weiter nach Carriacou segeln. In Carriacou müssen wir zuerst wieder Einklarieren. Dazu ankern wir vor der Hauptstadt Hillsborough und gehen mit dem Beiboot an Land zu den Behörden (Custom und Immigration). Nach 2 Stunden fahren wir weiter in die Tyrrel Bay im Süden von Carriacou. Dreimal haben wir heute unser Dinghy (Beiboot) auf dem Vordeck verzurrt und dann wieder ins Wasser gelassen und den Motor montiert, jetzt reicht’s.
In der Tyrrel Bay liegen jetzt mehr Boote als im Januar und Februar. Auch wir wollen hier einige Tage bleiben, vorausgesetzt wir finden einen Internetzugang und eine Fernsehmöglichkeit. Von unseren GPRS-Verbindungen funktioniert jetzt keine mehr, aber ich finde einen Internetzugang in der Tauchschule Arawak, die von Deutschen betrieben wird.
Am nächsten Tag ankert die Dolphin neben uns, später kommt auch noch die Pauwke. Für das Eröffnungsspiel der Fußball-WM reservieren wir uns einen Platz in dem Restaurant Scrapers. Ich bin etwas skeptisch, denn ein Fernseher ist weit und breit nicht zu sehen. Eine Stunde vor Spielbeginn machen wir uns auf den Weg, Bärbel und Karlheinz von der Dolphin begleiten uns. Als wir im Restaurant ankommen, steht tatsächlich ein Fernseher bereit, aber es fehlt ein passendes Kabel. Schließlich gelingt es doch noch, ein geeignetes Kabel und ein Programm für das Eröffnungsspiel zu finden. Der Ton ist allerdings so schlecht, das wir ihn abschalten müssen. Am Ende sind wir aber mit dem Spiel und dem Essen einigermaßen zufrieden.
Am 11.06. fahren wir morgens weiter Richtung Grenada. Der Wind ist heute etwas schwächer als normal. Nach 6 Stunden und 30 sm ankern wir in der Lagoon von St. George’s, Grenada. Außer der Dolphin, die mit uns gefahren ist, treffen wir hier nach und nach viele bekannte Boote: Avalon, Pauwke, La Gitana, Mimpimanis, Green Corral. Mit der La Gitana (Michaela und Volker) und der Mimpimanis (Evi, Stephan und Töchterchen Lena) lagen wir letztes Jahr zusammen in Agadir, Marokko.
Mittlerweile kündigt sich auch der erste tropischer Sturm (Alberto) der Region Karibik und Golf von Mexiko an. Dank des guten Internetzugang in der Lagoon (kostenloses WLAN von Island Waterworld) sind wir jedoch bestens informiert. Alberto zieht weit von uns entfernt Richtung Florida.
Neben den uns bekannten Booten liegen noch weitere Deutsche in der Bucht, die meisten von ihnen TO-Mitglieder (TO: Trans-Ocean, Verein zur Förderung des Hochseesegelns). Es entstand deshalb die Idee, in Zusammenhang mit dem Fußballspiel Deutschland-Polen eine Grillparty im TO-Stützpunkt zu organisieren. Uschi, die Stützpunktleiterin, ist voll dabei. Sie lässt uns mit einem Minibus abholen und wir verbringen einen spannenden und unterhaltsamen Nachmittag und Abend in ihrem Haus auf einem Hang im Süden der Insel. Mit dem Verlauf des Fußballspiels sind einige Segler nicht ganz zufrieden, mit dem Ergebnis dann aber doch. Für uns war ein anderes Ergebnis heute noch viel wichtiger. Unser Sohn Michael hat seine Doktorprüfung mit sehr guten Ergebnis bestanden.