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Am 23.3.06 laufen wir endlich wieder mit einem konkreten Ziel aus. Mehr als drei Wochen haben wir uns auf verschiedenen Ankerplätzen bei Le Marin auf Martinique aufgehalten, um das leidige Impeller-Problem zu lösen. Richtig weitergekommen sind wir eigentlich nicht. Wir wissen nur, dass die Impeller bei einem Plexiglasdeckel mindestens 11 Stunden halten.
Heute wollen wir uns mit der Independ Freedom in der Anse Mitan treffen. Wir hatten über E-Mail diesen Treffpunkt vereinbart (Independ Freedom über KW, Aquila über Satellit). Die 20 sm können wir bei gutem Wind größtenteils mit der Genua segeln. Beeindruckend ist auf dieser Strecke immer wieder der Diamant Rock, ein steiler grüner Felsbrocken im Meer, um den Engländer und Franzosen mehrmals hart gekämpft haben. Zeitweilig hatten die Engländer den Felsen zu einem Schiff erklärt (H.M.S. Diamont Rock) und ungeliebte Besucher damit unangenehm überrascht.
Am frühen Nachmittag fällt unser Anker neben der Independend Freedom in der Anse Mitan. Unsere englischen Freunde Diana und Steve und ihr Sohn Chris kommen zu uns zum Kaffee an Bord, und abends gibt es auf der Aquila wieder ein mehrgängiges Menu. Wir haben uns viel zu erzählen.
Am nächsten Morgen fahren wir die Küste entlang bis St. Pierre. Auf der Leeseite der Inseln ist der Wind meistens nicht sehr stark und in der Richtung wechselnd. Trotzdem können wir den größten Teil der Strecke segeln. Mittags erreichen wir St. Pierre und ankern vor der Stadt. Es ist ein beschaulicher Ort unterhalb des Vulkans Pelee. Die Spitze des Vulkans ist in dunkle Wolken gehüllt, aber es ist kein Rauch. Richtig geraucht hat es hier zuletzt 1902. Damals wurde die gesamte Stadt und die in der Bucht ankernden Schiffe zerstört. Nur zwei der etwa 30 000 Einwohner der damaligen Inselhauptstadt überlebten das Desaster. Wir erwarten heute nichts dramatisches. Wir bummeln durch die Stadt und die Anlagen und können in einem Internet-Cafe ausklarieren. Die Franzosen neigen hier zu sehr praktischen Lösungen.
Unser nächstes Ziel, Portsmouth im Norden von Dominica, ist mehr als 50 sm entfernt. Wir starten deshalb schon bei Sonnenaufgang und fahren zunächst mit Maschine die Küste entlang. Auf dem offenen Meer weht der übliche Wind, heute genau aus Ost mit 5 bis 6 Bft. Mit zwei Reffs im Groß und auch etwas reduzierter Genua laufen wir 7,5 kn. Der Autopilot übernimmt das Steuern, wir sitzen trocken hinter der Sprayhood, so macht Segeln Spaß. Allerdings meldet sich unser Ruder bei dem starken Seegang wieder mit den üblichen Klopfgeräuschen und erinnert uns daran, dass doch nicht alles in Ordung ist. Schon vor 12 Uhr haben wir die Südspitze von Dominca erreicht. Hier will uns eine Böe auf Wasser legen. Ganz schafft sie das wegen der reduzierten Segelfläche dann doch nicht.
Hinter der Insel nimmt der Wind wieder ab, aber wir können doch den größten Teil der Strecke segeln. Gegen 16 Uhr ankern wir nördlich von Portsmouth vor einem Palmenstrand. Portsmouth war früher die Hauptstadt von Dominica und liegt an der einzigen brauchbaren Ankerbucht der Insel. Im Gegensatz zu St. Pierre auf Martinique war hier nicht ein Vulkan, sondern eine Insektenplage der Grund, weshalb die Hauptstadt nach Süden verlegt wurde. Die Hauptstadt des selbständigen Inselstaats ist heute Roseau.
Dominica hat 70 000 Einwohner, ist wenig entwickelt und hat bislang kaum Tourismus. Landschaftlich ist die Insel aber fast ein Paradies, so sehen es auch die Bewohner. Die hohen Berge, von denen fünf potentiell aktive Vulkane sind, ziehen den Regen an und lassen eine üppige Vegetation gedeihen. Es gibt viele Flüsse und Sumpfgebiete.
Bevor wir die Insel erkunden können, müssen wir aber erst einklarieren. Customs and Imigration ist südlich der Stadt, also machen wir uns auf den Weg. Nach knapp zwei Stunden haben wir alles erledigt und können uns hier legal aufhalten. Diese Prozedur wiederholt sich auf fast jeder Insel, denn die Inseln sind entweder selbständig oder gehören zu Frankreich oder den Niederlanden.
Für den nächsten Tag buchen wir eine Tour auf dem Indian River. Wir werden morgens pünktlich von einem schnellen Motorboot abgeholt und zur Flussmündung gebracht. Dort steigen wir in ein Ruderboot um und gleiten mit unserem Führer Leo fast lautlos den Fluss aufwärts. Das Wasser ist erstaunlich klar und fischreich. Der Fluss wird schnell enger und ist oben fast vollständig zugewachsen. Bis auf ein paar Vogelstimmen und die einschlagenden Ruder ist es unheimlich still. Interessant sind auch die dicken bizarren Wurzeln der Mangroven. Nach einer halben Stunde gehen wir an Land und machen eine Wanderung durch eine ehemalige Plantage und durch den Wald. Diese Fahrt auf einem tropischen Fluss hat uns sehr beeindruckt.
Indian River
Wir bleiben drei Tage vor dem Palmenstrand mit den kleinen Hütten. Eine der Hütten ist das Big Papa Restaurant. Jan, ein deutscher Segler, ist an dem Restaurant beteiligt und versucht mit modernen Methoden das Geschäft anzukurbeln. Für mich ist das Dinghy Dock und der schnelle Internet-Zugang das wichtigste und beste an dem Restaurant. Wenn ich ins Internet gehe, geht Wilma meistens zu Christine. Sie betreibt einen kleinen Laden für Obst, Gemüse und selbstgemachte Köstlichkeiten und ist immer eine interessante Gesprächspartnerin.
Internet bei Big Papa
Am 1.4. fahren wir weiter zu den Iles de Saintes. Das ist eine kleine Inselgruppe südlich von Guadeloupe. Sie gehören zu Guadeloupe und damit zu Frankreich. Die 20 sm sind schnell geschafft, schon am späten Vormittag ankern wir vor Bourg des Saintes, dem Hauptort der Inseln. Die Saintes sind ein kleines Stück Frankreich mitten in der Karibik. Es gibt hier kaum Schwarze, aber dafür sehr viele Touristen und die entsprechenden Läden.
Da das Wasser bei den Saintes sehr sauber ist, nutze ich die Zeit zum Reinigen des Unterwasserschiffs. Es ist erstaunlich wie gut Seepocken auf dem giftigen Antifouling, das erst im Januar aufgetragen wurde, wachsen. Fast zwei Stunden bin ich mit Bürste und Spachtel unter Wasser, dann ist das meiste entfernt. Ohne unseren Freediver, ein Tauchgerät mit einer Druckluftpumpe an Bord, wäre das nicht möglich.
Nach zwei Tagen fahren wir weiter Richtung Guadeloupe. Der Wind ist mäßig, kommt aber leider aus NE. Wir kreuzen, um unser Ziel, die Hauptstadt Pointe a Pitre zu erreichen. Gegen 14 Uhr machen wir in der Marina Bas du Fort fest.
Guadeloupe hat 330 000 Einwohner und gehört zu Frankreich. Bei den landwirtschaftlichen Produkten überwiegen Zuckerrohr und Bananen. Aber es gibt auch ein relativ großes Industriegebiet und natürlich viel Tourismus.
Wir nehmen uns einen Leihwagen und umrunden den bergigen Teil der Insel, der eigentümlicherweise Basse Terre heißt. Auf einer Autobahn fahren wir zunächst Richtung Süden, vorbei an großen Zuckerrohr- und Bananenplantagen. Dann geht es in die Berge zu dem Wasserfall Chute du Carbet. Vom Parkplatz wandern wir durch den triefenden Regenwald bis zu dem Wasserfall. Die Vegetation ist beeindruckend, Bambus, Farne, Philodendron und diverse tropische Blumen haben gewaltige Ausmaße. Einige Vögel sind so zutraulich, dass sie aus der Hand fressen.
Im Regenwald von Guadeloupe
Unser nächstes Ziel ist der 1500 m hohe Vulkan La Soufriere. Auf dem Parkplatz erfahren wir, dass die Wanderung zwei Stunden dauert und die Sicht miserabel ist. Wir kehren um und fahren an der Küste entlang weiter nach Norden bis Deshaies. Das ist ein beschaulicher Ort an einer großen Ankerbucht. Es wird schon dunkel, als wir zurück nach Pointe a Pitre fahren.
Abends sind wir bei Jürgen auf der Caledonia eingeladen. Jürgen führt uns gleich an die Bar im klimatisierten Salon. Auf dem 20m-Schiff gibt es so ziemlich alles, was man für die Seefahrt und zum bequemen Wohnen an Bord braucht. Im Bereich der modernen Kommunikation sind wir allerdings doch noch etwas besser ausgerüstet. Jürgen segelt sein 2 Mio. teures Schiff seit Jahren ganz allein und hat somit keinen Schuldigen für missglückte Manöver. Irgendwie wird er damit wohl auch fertig.
Am 6.4. verlassen wir Guadeloupe in Richtung Süden. Gleich nach dem Auslaufen beginnt es so heftig zu regnen, dass wir die Fahrwassertonnen nicht mehr erkennen können. Mit den präzisen elektronischen Seekarten unseres C-Map-Programms ist das allerdings kein großes Problem. Das dicke Regenzeug lege ich allerdings erst kurz vor den Iles de Saintes ab, wo wir vor Anker gehen.
Auch die nächste Etappe nach Portsmouth auf Dominica ist nur ein Katzensprung. Mittags ankern wir schon wieder vor dem Palmenstrand nördlich von Portsmouth. Die Nacht ist allerdings etwas unruhig, weil bis zum Morgengrauen laute Musik vom Ort herüberdröhnt.
Als die Musik verstummt und die Sonne aufgeht fahren wir weiter Richtung Martinique. Den Ankerplatz bei St. Pierre im Norden von Martinique sollten wir so gut vor Sonnenuntergang erreichen können. Im Windschatten von Dominica fahren wir mit Motor die Küste entlang. Auf dem offenen Meer setzen wir Segel mit den üblichen zwei Reffs und rauschen mit 7kn nach Süden. Noch vor 14 Uhr haben wir die Nordspitze von Martinique an Backbord. Da es noch so früh ist, fahren wir einfach weiter bis zur Anse Mitan. Allerdings müssen wir hinter der Insel mehrmals den Motor einsetzen. Kurz vor 18 Uhr ankern wir nach 73 sm in der Anse Mitan.
Am nächsten Morgen brechen wir schon kurz vor Sonnenaufgang auf. Wir wollen dem unangenehmen Wind und Seegang am Diamond Rock zuvorkommen. Die Rechnung geht auf. Am Diamond Rock ist der Wind unter 10 kn und das Meer so ruhig, wie wir es hier noch nie gesehen haben. Um 10 Uhr ankern wir auf unserem Stammplatz in Bucht von Le Marin.
Viele Freunde und Bekannte sind immer noch in Le Marin: Heavy Metal (Uwe und Maren), Dolphin (Karlheinz und Bärbel), Tulivei (Axel und Marja) und Carpe Diem (Ulli und Gerdi). Jeder wartet auf irgend etwas. Beim Freitags-Stammtisch gibt es aber doch einige neue Gesichter.
Die Ostertage verbringen wir bei Sainte Anne, 3 sm vor Le Marin. Sainte Anne ist ein netter kleiner Ort mit einem langen Sandstrand. Wir ankern direkt vor dem Ort, Uwe und Maren legen sich später in unsere Nähe. Sehr beeindruckend sind die Gottesdienste mit der Musik und dem Gesang, die auch über Lautsprecher übertragen werden.
Interessant ist auch das traditionelle Krabben-Rennen am Ostermontag. Jeweils sechs Krabben, geführt an langer Leine, rennen über sechs Meter um den Sieg. Sie sind wie im richtigen Leben von lokalen Firmen gesponsert.
Krabbenrennen
Nach Ostern gehen wir in die Marina, wo wir einen Platz für einen Monat gebucht haben. Gleich am nächsten Tag nehmen wir uns einen Leihwagen und fahren Richtung Regenwald. Vor dem Regenwald liegt die Hauptstadt Fort de France mit mehrspurigen Schnellstrassen, auf denen man wegen der Staus aber nur sehr langsam fahren kann. Es ist hier wie in Mitteleuropa, nur etwas wärmer. Irgendwann kommen wir auf eine schmale Bergstrasse und können endlich schnell fahren. Unsere erste Station ist der Jardin du Balata, ein Botanische Garten unterhalb der 1100 m hohen Pitons du Carbet. Er zeigt die wunderbare Vegetation dieser Region in einer etwas geordneten Form. Besonders beindruckend sind die verschiedenen Palmen, der hohe Bambus, diverse Zierbananen, Orchideen und viele schöne tropische Pflanzen mit farbenprächtigen Blüten, deren Namen wir nicht mehr wissen. Die meisten dieser Pflanzen stehen auch im Regenwald nebenan, nur kommt man da schlecht an sie heran.
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Im Jardin du Balata |
Pitons du Carbet |
Wir fahren weiter zu dem Ort Morne Rouge, der unterhalb des 1400 m hohen Vulkans Mt. Pelee liegt. Kurz danach kommen wir auf dem Weg nach St. Pierre zu der Rumfabrik Depaz. Die Fabrik (Destillerie) wurde von einem der zwei Überlebenden des Vulkanausbruchs von 1902 gegründet. Als Besucher kann man die einzelnen Stationen des Herstellungsprozesses verfolgen, bei dem immer noch Dampfmaschinen eingesetzt werden. Sehr interessant ist auch das kleine Dampfmaschinenmuseum und der große Landsitz der Familie Depaz, von dem man einen herrlichen Blick auf das Meer hat.
Destillerie Depaz
Über St. Pierre fahren wir weiter nach Case Pilote, wo wir Frank Agren vom Volvo Service einen kurzen Besuch abstatten. Frank hat die neue Pumpe, die ich abgelehnt hatte, vermessen lassen und keine Abweichungen von den Sollmaßen feststellen können. Er montiert das Zahnrad, was für mich den Einbau erleichtert, und wir fahren mit der zweiten neuen Wasserpumpe zurück zu unserem Schiff in Le Marin.
Am 24.4 werden wir anlässlich einer Familienfeier für drei Wochen nach Deutschland fliegen. Danach geht es dann wieder Richtung Süden, diesmal bis Trinidad und ganz langsam. Nur wenn ein Hurricane sich den Windward Islands nähert, werden wir uns etwas beeilen.