Martinique und das Geheimnis der Impeller

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Am 3.3.06 fahre ich morgens mit dem Schlauchboot zum Dinghy Dock, um Frank Agren vom Volvo Service abzuholen. Weder Frank noch einer seiner Mitarbeiter ist zum vereinbarten Zeitpunkt anzutreffen. Nach einer Stunde erfrage ich in einem benachbarten Laden seine Telefonnummer und rufe im Büro des Volvo Service an. Auch hier weiß man nicht so recht wo Frank steckt, man vermutet, dass er krank ist.

Ich fahre zurück zu unserem Schiff. Es ist Freitag, frühestens am Montag kann ich wieder versuchen, Kontakt aufzunehmen. Die Stimmung ist am Nullpunkt angekommen. Neben der Wasserpumpe und dem Propeller ist auch unser Ruder defekt. Auf den letzten Fahrten trat das Klopfgeräusch wieder auf, das nach den Arbeiten in St. Lucia zunächst beseitigt war. Unser Schiff ist nicht mehr seetüchtig. Wir werden jetzt so lange in Le Marin bleiben, bis die Probleme beseitigt bzw. die Ursachen geklärt sind.

Ankerlieger bei Le Marin

Abends fährt plötzlich die Knaatsche von Hans an uns vorbei. Er hat mehrere Leute an Bord. Hans, den wir seit Marmaris kennen, haben wir bereits auf Mallorca und in Almerimar  wieder getroffen. Nachdem seine Frau und seine Bekannten abreist sind, kommt Hans am nächsten Tag zu uns. Hans hatte bei Aalen eine Autowerkstatt und versteht deshalb viel von Motoren. Für unser Impeller-Phänomen hat er aber auch keine Erklärung.

Samstag stoppt die Avalon mit Roland und Petra neben uns. Sie haben gerade ihre Chartergäste ausgeladen und machen jetzt eine Woche Urlaub (ohne Gäste). Aus gegebenen Anlass laden wir Petra, Roland und Hans am 5.3. zum Abendessen ein. Es ist ein netter Abend mit einem mehrgängigen Menü.

Am Montag hole ich Emanuel, einen Mitarbeiter vom Volvo Service, an Bord. Frank muß diese Woche ins Krankenhaus und fällt damit für weitere Aktivitäten aus. Er hatte übrigens auch den Termin am Freitag per E-Mail abgesagt. Nur hatte ich ausnahmsweise an diesem Tag keine E-Mails gelesen.

Emanuel am Motor

Emanuel begutachtet die Wasserpumpe und zerstörten Impeller und misst den Druck am Ausgang der Pumpe und im Auspuff. Beide Werte sind voll im zulässigen Bereicht. Emanuel hat auch einiges zur Erklärung des Phänomens bereit, wie z.B. elektrolytische Korrosion durch falsche Erdung. Doch die elektrolytische Korrosion können wir nach einigen Messungen schnell ausschließen. Am Ende bleibt wieder nur Ratlosigkeit.

Frank sagt mir, dass er die Ergebnisse an Volvo Schweden geschickt hat und es natürlich einige Zeit dauern wird, bis er eine Antwort bekommt. Das heißt, diese Woche wird nichts mehr passieren. Ich nutze die Zeit, um die letzten Positionen auf meiner Aktivitätenliste abzuarbeiten, und Wilma näht Kissen und Bezüge. Sie ist von den bunten Stoffen, die es hier günstig zu kaufen gibt, ganz begeistert.

Mittwochs fahren wir mit einem Sammel-Taxi (Taxi Collective) zu der Hauptstadt Fort de France. Wir bummeln durch die Gassen. Wilma kauft Stoffe und Gewürze, ich kaufe ein neues WLAN-Gerät, weil mein vorhandenes aus Gran Canaria nicht funktioniert. Mit dem neuen WLAN-Gerät (USB Stick) komme ich in der Mango Bay Bar auf Anhieb ins Internet. Jetzt können wir hier mit dem eigenen PC kostenlos im Internet surfen und über Skype auch fast zum Nulltarif nach Deutschland telefonieren. Leider wird die Verständlichkeit schlecht, wenn zu viele PC gleichzeitig auf das WLAN (Wireless Local Area Network) zugreifen. In Spitzenzeiten sitzen bis zu 20 Leute vor ihrem PC in der Mango Bay Bar.

Wilma beim Einkaufen

Wir lernen viele neue Leute kennen und treffen alte Bekannte wieder, wie Uwe und Maren von der Heavy Metal, die mit uns vor Sal (Kapverden) gelegen haben. In Gesprächen stellt sich heraus, dass sie Freunde von Dirk und Stine sind, die mit einem kleinen Sperrholzschiff von Hamburg über den Atlantik gekommen sind. Dirk und Stine haben wir seit Grenada mehrmals getroffen. Sie sind vor einigen Tagen abreist und wollen jetzt über die Bermudas zurück nach Hamburg segeln.

Eine Abwechselung für die deutschsprachigen Ankerlieger ist freitags der regelmäßige Stammtisch  in der Mango Bay Bar. Deutsche, Österreicher und Schweizer treffen sich hier zu Beginn der Happy Hour (Bier zum halben Preis)und erzählen ihre Geschichten. Es ist schon ein interessantes Volk, das sich in den einschlägigen Ankerbuchten zwischen den Weltmeeren aufhält. Die meisten bleiben einige Tage oder Wochen an einem Ort, einige aber auch Jahre oder gar Jahrzehnte. Jeder hat seine eigene Lebensphilosophie und meisten sind mit ihrer offensichtlich glücklich.

Am 14.3. hole ich Emanuel vom Volvo Service wieder an Bord. Emanuel ersetzt den Bronze-Deckel der Wasserpumpe durch einen Deckel aus Plexiglas. Mit diesem neuen Deckel sollen wir Versuchsfahrten machen.

Frank hat von Volvo Schweden keine brauchbare Antwort bekommen. Ich selber hatte parallel Volvo Deutschland unser Problem geschildert und um Rat gebeten. Die Empfehlung von Volvo Deutschland: versetzen Sie den Wassereinlass wieder in den Originalzustand und verwenden Sie die richtigen Original-Volvoteile, dann haben ihre Impeller eine sehr lange Lebensdauer. Soviel Arroganz und Inkompetenz ist mir lange nicht mehr begegnet.

Jetzt wissen wir, dass wir bei unserem Volvo Service in der Karibik besser aufgehoben sind als bei den angeblichen Experten in Europa.

Hinter der Plexiglasscheibe ist der Impeller gut zu erkennen, allerdings nur, wenn er langsam dreht oder steht. Im Betrieb kann man nichts mehr erkennen. Mit der Digital-Kamera im Stroboskop-Modus gelingt es mir aber, die Bewegung der Impellerflügel sichtbar zu machen. Nach der Knautschzone richten sich die Flügel erst sehr spät wieder auf.

Impeller hinter Plexiglas

In den nächsten Tagen machen wir Versuchsfahrten. Meistens fahren wir nach Saint Anne, baden und schnorcheln dort und kommen abends zurück nach Le Marin. Der Impeller zeigt keinerlei Verschleißerscheinungen. Neue Stroboskop-Aufnahmen zeigen, dass die Impellerflügel sich nach der Knautschzone jetzt gleich wieder aufrichten. Vermutlich hat sich der Impeller in dem weicheren Plexiglas mehr Raum geschaffen.

Nach 11 Betriebsstunden öffne ich den Deckel der Pumpe und inspiziere den Impeller genauer. Er zeigt keinerlei Anzeichen von Einrissen. Aber der Deckel ist von dem Impeller stark angefräst, allerdings ungleichmäßig. Ich schließe daraus, dass die Impeller-Welle nicht senkrecht auf dem Boden des Pumpengehäuses steht.

Am 23.3. kommt Frank an Bord, um eine neue Wasserpumpe einzubauen. Ich messe die neue Pumpe mit meiner Schieblehre nach und lehne dankend ab. Die Messungen sind leider ungenau, aber ich meine, dass auch diese Pumpe den Fehler in der Wellenausrichtung hat. Ich möchte die alte Pumpe wieder einbauen, denn die ist wahrscheinlich in Ordnung. Schließlich einige ich mich mit Frank, die Versuche mit der Plexiglasscheibe und einem neuen Impeller fortzusetzen (gegen geringe Entschädigung). Frank und Volvo sind an den Ergebnissen interessiert, weil mittlerweile auch bei anderen Schiffen in der Karibik und in Frankreich ähnliche Probleme aufgetreten sind.

Das Geheimnis der Impeller ist also noch nicht ganz gelüftet, aber wir kommen der Ursache langsam näher. Es ist wohl doch kein neuer „Fluch der Karibik“, obwohl wir das zeitweilig annehmen mussten. Den Film haben wir uns an Bord zweimal angesehen, um wirklich jede Spur zu verfolgen.

Dankbar sind wir auch für die vielen Hinweise und Empfehlungen, die wir über E-Mail, Telefon, Eintragungen ins Gästebuch und direkt vor Ort erhalten haben. Die letzte E-Mail zu diesem Thema kam vom Etap-Chef  (CEO) Jan Verhaege, der aus dem Internet von dem Problem erfahren hatte.Welcher Werftchef kümmert sich schon um Probleme von Kunden, die vor 6 Jahren ein Boot bei ihm gekauft haben.

In den nächsten Tagen werden wir wieder auslaufen und Richtung Norden fahren. Dabei werden wir den Impeller, den Propeller und das Ruder kritisch beobachten.

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