Motorproblem ohne Ende

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In St. Lucia fühlen wir uns schon fast wie zu Hause. Es sind auch noch einige Bekannte und Freunde hier. Im Marina-Büro liegt eine Nachricht, dass wir unser lange ersehntes Paket beim Zoll in Castries abholen können.

In Castries kaufen wir zuerst einen neuen Stromgenerator, diesmal einen Yamaha mit 1000 VA. Der sollte zum Betrieb unseres eingebauten Ladegerätes ausreichen. Vor zwei Wochen hatte ich einen Rabatt von 12 % ausgehandelt, heute hätte ich auch den vollen Preis bezahlt, denn in dem Kaufparadies Martinique war kein Generator zu bekommen.

Dann gehen wir zum Zoll und holen unser Paket ab. Es enthält überwiegend Teile, die Frank für uns bei Conrad gekauft hat. Das wichtigste ist ein Temperaturregler, mit dem ich ein Alarmsystem zum Schutz unseres Wassersammler aufbauen will.

Am Abend vor unserer Abreise von St. Lucia treffen wir uns mit Steve von der Independent Freedom und Denise und Gerrry von der Saoirse (Iren, die wir seit Gibraltar kennen) im Restaurant Scuttlebutts und feiern Abschied. Keiner kann so recht verstehen, dass wir die Karibik so schnell verlassen wollen. Aber wenn schon die Zeitschrift Welt darüber berichtet, dass wir Anfang des Jahres den Panamakanal durchfahren wollen, müssen wir uns wohl daran halten.

Am 17.01.06 verlassen wir gegen 11 Uhr Rodney Bay. Es weht der übliche Wind, d.h. NE mit 20 kn. Wir rollen die Genua aus und fahren 1 ½  Stunden bis zur Marigot Bay. Sie gilt als eine der schönsten und sichersten Buchten der Karibik. Dass sie auch ein Hurricane Hole ist, wie uns der Zollbeamte erklärt, möchte ich bezweifeln. Die Böen, die durch die Berglücke einfallen, sind doch ziemlich stark. Als wir bei einem Sundowner in einer Bar sitzen und eines der berühmten Piratenschiffe aus dem Film „Fluch der Karibik“ einläuft kommt bei uns zum ersten Mal ein Karibikgefühl auf.

Aquila in der Marigot Bay

Beim Sundowner in der Marigot Bay

Gegen 8 Uhr geht es am nächsten Tag weiter Richtung St. Vincent.  Noch lange sind die Pitons (2 kegelförmige Berge), das Wahrzeichen von St. Lucia, hinter uns zu erkennen. Die Wellen werden höher, aber sie bleiben erträglich. Gegen 16 Uhr erreichen wir die Cumberland Bay, in der man nach meiner Seekarte (elektronisch) gut ankern kann. Aber die Bucht ist in Wirklichkeit so tief, dass man mit Landleinen festmachen müsste. Obwohl uns mehrere Boat Boys ihre Dienste anbieten, fahren wir zurück in die Bucht Chateaubelair. Hier ankern wir zusammen mit zwei anderen Seglern vor einem herrlichen Palmenhügel. Ein Einheimischer, der auf einem Surfbrett angerudert kommt, verkauft uns Bananen und Tomaten. Die Palmenkulisse wird bei Sonnenuntergang noch schöner, aber der Schwell auch immer stärker. So unruhig haben wir noch nie vor Anker gelegen.

Von dem unruhigen Ankerplatz geht es am nächsten Tag früh weiter nach Bequia, der nächsten Insel südlich von St. Vincent. Die Berglandschaft von St. Vincent  hat aus der Ferne große Ähnlichkeit mit den Alpen, die Vegetation ist allerdings etwas üppiger.

Mittags erreichen wir bei kräftigem Wind (NE 5, in Böen 6-7) und häufigem Regen die Admirality Bay auf Bequia. Wir ankern in dem großen Feld der Ankerlieger und fahren gleich mit dem Schlauchboot an Land zum Einklarieren. Bequia gehört wie die nächsten südlichen Inseln zu St. Vincent. Als wir beim Zoll auch gleich ausklarieren wollen und als nächstes Ziel Grenada angeben, wird der Zöllner misstrauisch und fragt nach. Die Begründung, dass wir schnell nach Panama kommen müssen, ist ihm offensichtlich plausibel.

Die Admirality Bay ist ein schöner Platz, an dem auch viele Kreuzfahrtschiffe ankern.  Wir sehen die bekannte Sea Cloud, einen Viermaster, wieder, der uns zuletzt in Griechenland bei Korinth begegnet war. Auch der Ort Port Elizabeth ist ein angenehmer Platz mit  Cafes, Restaurant und Einkaufsmöglichkeiten.

Natürlich hatten wir nicht vor, an den Grenadines, das ist die Inselkette zwischen St. Vincent und Grenada einfach vorbeizusegeln. Wir wollten auf jeden Fall bei den Tobago Cays ankern. Das ist ein Gruppe von kleinen Inseln, die durch ein großes hufeisenförmiges Riff vor dem Atlantik geschützt ist.  Als wir am  20.01 Richtung Tobago Cays aufbrechen, wollen wir mal wieder richtig mit Großsegel fahren. Kaum haben wir das Großsegel mit einem Reff gesetzt, kommt eine Regenböe mit knapp 30 kn. Das war für den Reffring aus 5mm Edelstahl zu viel, er bricht. Allerdings war der Ring vorher bereits angebrochen, die Böe hat ihm nur den Rest gegeben. Also fahren wir wieder nur mit der Genua, bei 6 kn Fahrt ist das eigentlich auch vernünftig.

Mittags laufen wir vorsichtig mit Maschine in das Riff ein. Etwa 30 Boote ankern hier zwischen den Inseln und dem Riff. Nach dem Ankern gehe ich gleich mit Maske und Schnorchel ins Wasser. Viel zu sehen gibt es hier auf der Innenseite des Riff allerdings nicht.  Ich sehe nur wenige Fische, aber dafür ein riesigen Seestern.

Da es immer noch kräftig weht, ziehen wir es vor, die Tobago Cays zu verlassen und hinter Union Island zu ankern. Kurz vor Sonnenuntergang fällt unser Anker in der Chatham Bay, nachdem wir eine Runde um die Lady of Lorien gedreht haben. Angie und Mike liegen mit ihren Freunden hier schon seit einigen Tagen. Die Bucht ist in der Tat sehr schön, besonderst gut gefallen uns die Pelikane.

Am nächsten Morgen geht es schon um 7 Uhr weiter. Wir wollen möglichst schnell nach Grenada, um uns dort auf die Fahrt über die niederländischen Antillen nach Panama vorzubereiten. Der Wind weht in der üblichen Stärke und aus der üblichen Richtung und legt in den häufigen Regenböen immer kräftig zu. Noch vor 15 Uhr erreichen wir St. George’s und ankern in der Lagoon, einem absolut sicheren und ruhigen Ankerplatz.  Ich habe eine Liste von Wartungs- und Inspektionsarbeiten, die ich nacheinander abarbeiten will.

Die Inspektionsarbeiten beginnen mit der Wasserpumpe. Ich traue meinen Augen nicht, nach 18 Betriebsstunden sind wieder 3 von 6 Impellerflügel abgerissen. Das darf nicht wahr sein, die ganzen Maßnahmen bei dem besten Volvo-Experten der Karibik  waren ohne jede Wirkung.

Ich baue sofort einen neuen Impeller ein und lasse die Maschine laufen. Alles verhält sich wie vorher ganz normal. Beim Experimentieren mit den beiden Einlässen entdecke ich plötzlich Luftblasen im transparenten Schlauchteil vor der Pumpe. Das muss es sein. Ich überbrücke das Wasserfilter und die Luftblasen verschwinden. Für mich passt das auch irgendwie zu der Aussage von Mike, die er gestern Abend machte, dass nur Kavitation solche Schäden verursachen.

Da ich nicht ganz ohne Wasserfilter fahren möchte, versuche ich bei Island Water World (Kette von Bootszubehör-Läden in der Karibik) ein Filter zu bekommen, das ich unterhalb der Wasserlinie montieren kann. Da es so etwas hier nicht gibt, kaufe ich ein Filter vom bisherigen Typ, das ich aber nur mit diversen Adaptern und Krümmern einbauen kann, und auch nur oberhalb der Wasserlinie.

Von meiner Luftblasen-Theorie bin ich so überzeugt, dass ich gleich mit den Lebensdauertests beginne, d.h. in der Bucht Betrieb des Motor zum Laden der Batterien.  Am 24.01 laufen wir aus der Lagoon von St. George’s aus, um den Motor unter normaler Last zu betreiben. Wir wollen in die 8 sm entfernt Prickley Bay fahren. Heute weht es noch etwas stärker als normal. Als wir an der Südspitze von Grenada nach Osten abbiegen, stehen uns Wellen von fast 3 m Höhe bei 5 bis 10 m Wassertiefe entgegen. Unangenehm für uns und für den Motor, denn ich muss die Drehzahl kräftig erhöhen, um überhaupt vorwärts zu kommen.  In Prickley Bay ist es dann zwar erheblich ruhiger, aber der Schwell ist immer noch enorm.

Ich überprüfe den Impeller nach den ersten 3,5 Stunden.  Es sind noch alle Flügel vorhanden, aber an einem könnte bereits ein leichter Einriss bestehen. Am nächsten Morgen wollen wir in die benachbarte Clarkes Court Bay fahren, wo es nach den Beschreibung sehr ruhig sein müsste. Doch nachdem wir aus dem Schutz der Prickley Bay heraus sind, kommen uns wieder die hohen Wellen und ein Wind von 25 Knoten entgegen. Wir drehen um, denn die Einfahrt in die Clarkes Court Bay ist flach und voller Untiefen.

Clarkes Court Bay Marina

Am nächsten Morgen versuchen wir es wieder. Wir bilden uns ein, dass Wind und Wellen etwas schwächer sind. Nach 1 ½ Stunden haben wir unser Ziel, die Clarkes Court Bay Marina, erreicht. Wir machen an einem Fingersteg fest und sind froh, wieder in ruhigem Wasser zu liegen. Die Marina ist sehr abgelegen und es gibt bis auf einen Kiosk in 1 km Entfernung keine Einkaufsmöglichkeiten. Aber die Marina bietet einen kostenlosen Internetzugang, was auch nicht gerade unwichtig ist.

Um Motorstunden zu bekommen fahren wir am nächsten Tag aus der Bucht heraus bis an die Westseite von Hog Island. Die Wellen sind jetzt zwar etwas niedriger, aber immer noch gut für Belastungstests an unserer Maschine. Am Ende des 27.01 haben wir insgesamt 8,5 Motorstunden ohne Luftblasen zusammen. Das müsste für eine erste Beurteilung ausreichen. Ich öffne den Deckel der Wasserpumpe und finde das bekannte Bild, einen Impeller, bei dem 3 Flügel abgerissen sind.

Impeller nach 8 Stunden

Was ist hier los? Alle Verbesserungsmaßnahmen verschlechtern die Situation. Ich lese wieder die E-Mails von Frank Agren, er ist auch ratlos und hat bei Volvo in Schweden nachgefragt. Eine Antwort steht noch aus. Frank bietet aber weiterhin Unterstützung an und will sich sogar an den Kosten beteiligen.

Ich surfe im Internet und suche nach vergleichbaren Fällen. Egal was ich bei Google eingebe, es ist nichts vergleichbares zu finden. Nachdem ich mir das Pumpenprinzip noch einmal genauer angesehen habe, glaube ich eine Erklärung zu kennen. Auf jeden Fall müssen wir das Boot wieder aus dem Wasser heben und einige Arbeiten an Land durchführen. An eine Weiterfahrt Richtung Panama ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Wir werden deshalb wohl längere Zeit in der Karibik bleiben müssen.

 

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