St. Lucia, Martinique und viel Arbeit

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In St. Lucia treffen wir viele Bekannte und Freunde wieder. Unsere englischen Nachbarn aus Gran Canaria, Lady of Lorien und Independent Freedom, sind auch noch hier. Es gibt Einladungen und Besuche, bei der Lady of Lorien auch zum Abendessen. Angie serviert ein hervorragendes Blanquette de Veau mit Rotkohl und gebackenen Kartoffeln.

Am 24.12 unternehmen wir eine Inselrundfahrt mit Anthony. Er macht unseren Waschservice und bietet uns für die Fahrt einen Sonderpreis an. Sein klappriger Minibus passt zu dem Preis, aber die Fahrt und seine Erklärungen sind nicht schlecht. Es geht über Castries, Marigot Bay, Anse La Raye bis nach Soufriere. Die berühmten Pitons (spitze kegelförmige Berge) sehen wir nur aus einiger Entfernung. Wir kommen vorbei an Bananenplantagen, der Rumfabrik (Bounty Rum) und schönen Aussichtspunkten, an denen man auch lokale Produkte kaufen oder mit Schlangen spielen kann. Die Haupteinnahmequellen der Insel waren früher Zucker und dann Bananen. Heute steht der Tourismus im Vordergrund

Michael mit gefährlicher Schlange

In der Nähe von Soufriere besuchen wir einen rauchenden Vulkan. Es riecht hier wie auf der Insel Vulcano in Italien. Danach machen wir eine Wanderung durch einen Naturpark zu einem Wasserfall. Der Wasserfall ist nicht besonders beeindruckend, aber das Wasser ist wegen des hohen Eisengehalts ungewöhnlich dunkel und verfärbt auch das Gestein entsprechend.

Michael am Wasserfall

Nach der Fahrt sind wir so müde, dass der Heilige Abend, den wir auch in der ungewohnten Umgebung etwas feiern wollten, mehr oder weniger ausfällt. Am ersten Weihnachtstag gehen wir dagegen wie in Deutschland gepflegt Essen, nur ist der Familienkreis diesmal viel kleiner. Dafür begleiten uns Holger und Gisela von der Gammel Dansker. Im Restaurant treffen wir Roland und Petra von der Avalon. Sie haben diesmal keine Gäste, sondern ihre erwachsenen Kinder dabei, die sie hier in der Karibik besuchen.

Am zweiten Weihnachtstag haben wir abends acht Gäste bei uns. Mit elf Personen an Bord ist es zwar eng, aber gemütlich. Die Umgangssprache ist, wie so oft, englisch.

Michaels Zeit bei uns geht nun allmählich zu Ende. Sein Flug von Martinique nach Paris geht am 27.12. Von St. Lucia nach Martinique hat er ebenfalls einen Flug gebucht, der allerdings schon sehr früh geht. Anthony soll ihn um 6.30 Uhr nach Castries zum Flughafen fahren, kommt aber nicht. Zum Glück kommt zufällig ein anderes Taxi in die Marina, das ihn mit nach Castries nehmen kann.

Am 28.12. gehen wir mit unserem Schiff in der benachbarten Werft an Land. John ist beauftragt, die Arbeiten bei uns durchzuführen. Als erstes inspizieren wir das Ruder. John versteht tatsächlich einiges davon. Wir demontieren das obere Ruderlager und können keine Beschädigungen feststellen. Danach wird das Lager mit Teflonfett (Empfehlung Etap) geschmiert und das Ruder so montiert, dass in der Vertikalen praktisch kein Spiel mehr ist.  Insgesamt wurde das Ruderblatt am Quadranten 3-4 mm höher gesetzt.

Für die Arbeiten am Unterwasserschiff hat sich John zur Verstärkung Quincy geholt. Vier Tage brauchen die beiden, um das alte Antifouling abzuschleifen. Ihre Schleifmaschinen sind nicht die besten, aber sie auch nicht die schnellsten. Neben dem neuen Antifouling lasse ich die Wasserlinie von der Mitte des Schiffes an höher ziehen. Das neue Wasserbereich muss vorher natürlich mit Primer gestrichen werden. Insgesamt dauern die Arbeiten 8 Tage, wobei die beiden auch an den vier Feiertagen arbeiten.

John und Quincy beim Schleifen

Auch wir sind in der Zeit voll beschäftigt. Nach einer Nacht mit vielen Moskitostichen, beschäftigt sich Wilma intensiv mit Moskitonetzen und anderen Abwehrmitteln.  Ich habe einiges zu warten (Ölwechsel Saildrive), zu reparieren und zu verbessern. Unter anderem baue ich einen neuen Wassereinlass ein, den ich für den Wassermacher verwenden will.

An Land lernen wir Peter und Elisabeth von der Outspan kennen. Sie verbringen jeweils die Wintermonate in der Karibik. Wir besuchen uns gegenseitig auf unseren aufgebockten Booten.

Am 6.1. 06 wird unser Boot zu Wasser gelassen. Es ist schön wieder auf einem schwimmenden Schiff zu leben.  Die Nacht bleiben wir in der benachbarten Marina.

Aquila auf dem Weg ins Wasser

Am nächsten Tag fahren wir nach Le Marin auf Martinique. Es weht der normale Wind, d.h. 4-5 Bft aus Ost-Nord-Ost (ENE). Selbst bei gerefften Segeln sind die 25 sm schnell geschafft. Natürlich muss man auf St. Lucia ausklarieren und auf Martinique wieder einklarieren. In Le Marin gehen wir vor Anker, weil die Marina belegt ist. Es ist das größte Ankerfeld, dass ich jemals gesehen habe. Hier liegen Jachten aus aller Welt, viele ohne Besatzung.

Als erstes fahren mit dem Schlauchboot zu dem großen Supermarkt (Leader Price), in dem man wirklich vieles und auch günstig einkaufen kann. Hier treffen wir Regina und Michael von der Anico. Sie haben auch mit der ARC den Atlantik überquert und laden uns gleich für den Abend an Bord ein.

Am nächsten Morgen taucht Steve plötzlich auf. Er liegt mit seiner Independence Freedom ganz in der Nähe. Auch Regina und Michael besuchen uns noch kurz. Danach fahren wir zu den Läden im Marinabereich. Hier soll es alles fürs Boot zu kaufen geben. Fast alles stelle ich fest, denn Stromgeneratoren gibt es hier auch nicht. Dafür gibt es aber fast alle Zubehörteile für Volvo-Motoren. Man kann sogar ganze Motoren aus dem Regal kaufen. Die zugehörige Werkstatt überzeugt mich allerdings nicht.

Also fahren wir am 10.1 wie ursprünglich geplant zu dem Volvo Service nach Case Pilot. Der Inhaber ist ein Schwede (Frank Agren) und macht am Telefon einen kompetenten Eindruck.

Heute weht es noch etwas stärker. Die 25 sm fahren wir nur mit der Genua, zuerst vorm Wind und dann hoch am Wind. Überrascht stelle ich fest, dass man auch mit der Genua allein gut hoch am Wind fahren kann.

In dem kleinen Hafen von Case Pilote machen wir längsseits fest. Von dem starken Wind ist hier kaum etwas zu spüren. Frank Agren beginnt am nächsten Morgen mit den Untersuchungen an der Maschine. Er kommt zu dem Schluss, dass der Seewassereinlass einen zu hohen Widerstand hat und schließt deshalb gleich den neuen Einlass zusätzlich an. Nachmittags im Büro macht er weitere Verbesserungsvorschläge. Ich gehe darauf ein und er will die erforderlichen Teile bis zum Abend aus Le Marin beschaffen.

Am nächsten Morgen beginnt Frank Agren mit den Arbeiten, d.h. Austausch der Wasserpumpe, Austausch des Ausgangsmischers (mixing elbow), Reinigung des Wärmetauschers und Verbesserung des zusätzlichen Seewassereinlasses. Mittags sind die Arbeiten abgeschlossen und Frank Agren versichert uns, dass wir nun eine sehr gute Maschine haben.

Kurz vor 15 Uhr laufen wir aus und fahren mit der Maschine gegen den Wind von 20 – 25 Kn nach Anse Mitan.  Nach knapp zwei Stunden gehen wir vor Anker, die Maschine hat den ersten kurzen Test gut bestanden. Am nächsten Morgen fahren wir früh weiter nach Le Marin. Es kommt uns ausnahmsweise mal entgegen, dass der Wind überwiegend von vorn kommt und wir mit ruhigem gewissen die Maschine einsetzen können. Allerdings weht es heute noch etwas stärker und die Wellen sind höher. Nach 4 ½ Stunden haben wir unser Ziel erreicht und damit noch genügend Zeit für weitere Einkäufe von Zubehör und Lebensmittel.

Nach dem Ausklarieren laufen wir kurz vor 10 Uhr aus. Nach Hugos Wetterbericht sollten uns 20 – 25 kn Ost-Süd-Ost (ENE) erwarten. Nach der Ausfahrt setzen wir Segel mit zwei Reffs im Groß. Plötzlich bläst es mit 40 kn (8 Bft). Wir nehmen die Segel komplett herunter und wollen mit Maschine zur nahegelegen Bucht Saint Anne fahren, um dort auf besseres Wetter zu warten. Doch nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei, der Wind geht auf 20 kn zurück. Wir rollen unsere Genua aus und fahren Richtung St. Lucia. Natürlich wissen wir, dass uns bei dem Wind hohe Wellen zwischen den Inseln erwarten. Diese Wellen haben wir lange genug auf dem Atlantik genossen, allerdings von achtern. Heute kommen sie von der Seite und sind eher schwächer als erwartet. Einige sind aber doch etwas höher und schlagen hart von der Seite zu. Wir werden nass und stellen fest, dass unsere Seitenfenster und das Vorluk leider nicht dicht sind.

Der starke Wind hat aber den Vorteil der kurzen Reisezeit. Kurz nach 14 Uhr sind wir bereits im Schutz in Pigeon Island und um 15 Uhr an einem Steg in der Marina Rodney Bay.

 

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