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Am 28.05.05 sind wir um 7.30 in Marmaris, Türkei, zu unserem großen Törn ausgelaufen, eine Woche später als geplant. Ein deutsches Ehepaar mit einer Sunbeam 39 winkt uns nach, sonst nichts.
Der Grund für die Verzögerung war die erforderliche Nacharbeit an unserem Schiff zusammen mit der türkischen Zollbürokratie (Mafia?). Anfang April informierte uns die Werft Etap, dass die Bodenwrangen möglicherweise mit zu wenig Kleber eingebaut wurden und dadurch auf Grund von leichten Kielbewegungen Risse entstehen können.
Mit Etap wurde vereinbart, dass das spezielle Material zum Nachkleben nach Marmaris geschickt wird. Da der Härter Gefahrgut ist, konnte nur das Harz verschickt werden. Den zugehörigen Härter sollte ich in der Türkei beschaffen.
Das Harz sollte am 9.05. durch TNT in Marmaris angeliefert werden. Es kam natürlich nicht an, wie mir mittlerweile alle Türkeikenner prophezeit hatten. Letztlich habe ich über die Firma TMS, die die Reparaturarbeiten durchführen sollte, einen türkischen Zollagenten beauftragt, das Harz (25kg-Paket) in Istanbul beim Zoll abzuholen. Vorher musste ich bei einem Notar dem Agenten eine entsprechende Vollmacht erteilen.
Den zugehörigen Härter hat TMS in Istanbul bestellt. Es wurde weniger als 300g gebraucht, die Mindestmenge war aber 30kg. Nach ein paar Tagen hatten wir den Härter, genügend um ein ganzes Schiff zu bauen.
Am 21.05 kam das ersehnte Harz. Die Kosten für die Zollformalitäten und den Transport betrugen 455 EUR.
Am Montag, den 24.05 wurden die Probebohrungen an den Bodenwrangen gemacht. Es fehlte tatsächlich Kleber, dafür kam uns bei den tieferen Bohrungen reichlich Wasser entgegen, insgesamt 2,5 l (Süßwasser). TMS brach die Arbeiten ab und hielt eine Generalsanierung durch die Werft für erforderlich. Ich sah das etwas gelassener und wurde durch Etap bestärkt, zumal ich den Grund für unsere Süßwasserquelle zu kennen glaube.
In den nächsten beiden Tagen war unser Schiff eine Baustelle. Wegen der Schleifarbeiten musste der Salon komplett mit Folie abgeklebt werden. Im Kielbereich wurde nachlaminiert und über die Bohrungen an den Wrangen wurde Kleber eingespritzt, allerdings nur in den oberen trockenen Bereichen. Die tieferen Bereiche werde ich nachkleben, wenn unsere Quelle ausgetrocknet ist.
Baustelle Aquila
Die anderen Arbeiten am Schiff verliefen planmäßig und ohne Probleme. Sie waren aber überschattet durch einen schweren Verkehrsunfall im engeren Familienkreis, bei dem der Ausgang mehrere Tage sehr ungewiss war. Zum Glück hat sich die Lage jetzt deutlich verbessert.
Wir waren am 4.05. angereist und hatten am 18.05 Krantermin. Unser Schiff war verdreckt wie nie zuvor. Die winterliche Südstürme haben viel Sand abgeladen.
Die größte Aktivität war der Einbau eines stärkeren Autopiloten, Raymarine SG1 mit ST 6001, mit dem ich bereits im Februar begonnen hatte. Es waren einige konstruktive Veränderungen gegenüber dem üblichen Einbau erforderlich. Ich habe die Stunden nicht gezählt, aber am Ende hat alles auf Anhieb funktioniert, sogar die Ansteuerung des Steuerrechners über den PC.
Zum ersten Mal hat auch der Internetzugang gut funktioniert, wenn man von den üblichen Software-Mängeln absieht. Unschlagbar kostengünstig ist der Internetzugang über Mobiltelefon mit GPRS über Turkcell (SIM-Karte). Es funktioniert oft aber erst nach mehren Anläufen.
Zuverlässig und schnell ist der Internetzugang über das Satelliten-Modem von Inmarsat, das den Satelliten Thuraya nutzt (Europa-Indien). Allerdings kostet hier 1 Mb ca. 8 EUR, dazu kommt noch die Grundgebühr von ca. 30 EUR pro Monat.
Da die Wetterinformationen im Internet spezifischer und detaillierter sind, nutze ich die Vorhersagen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) über Kurzwelle (Textmeldungen) nur noch selten. Für die Ägäis gefällt mir Poseidon (griechisch) mit detaillierten Windpfeil-Diagrammen am besten.
Unser erster Törn zum Eingewöhnen ging von Marmaris nach Palamut, einem kleinen Hafen auf der Datca-Halbinsel. Es war wenig Wind, so dass wir den größten Teil der 58 Seemeilen mit Motor gefahren sind. Am nächsten Tag sind wir nach Bodrum gefahren und haben dort in der Marina festgemacht. Nachmittags (Sonntag) haben wir dann die Behörden zum Ausklarieren besucht: Harbour Master, Passport Police, Customs. Beim Harbour Master entstand etwas Wartezeit, weil wir erst einen Tee trinken mussten. Abends haben wir unsere letzten Türkischen Lire in ein Essen investiert.
Am 30.05. sind wir kurz vor 7 Uhr aus der Marina Bodrum Richtung Griechenland ausgelaufen. Unser ursprüngliches Ziel, die Insel Patmos, geben wir auf Grund des aktuellen Windes (direkt von vorn) und der Vorhersagen für die nächsten Tage auf. Wir kreuzen an der Insel Kalimnos entlang bis zur Insel Leros. Nach 47 Seemeilen ankern wir vor dem Hafen des Hauptortes Lakki und wollen einklarieren. Der Hafenmeister erklärt uns, dass das nicht möglich sei, weil Lakki kein Port of Entry ist
Am nächsten Tag fahren wir planmäßig von Leros zur Insel Amorgos. Der Wind ist zwar wesentlich stärker als vorhergesagt, aber es gelingt hoch am Wind mit nur einem Kreuzschlag die Strecke von 56 sm größtenteils unter Segel zurückzulegen. Zeitweise hatten wir ein Reff im Großsegel und auch die Genua etwas reduziert. Hier hat sich der neue Autopilot zum ersten Mal voll bewährt. Er hält auch bei Seegang den Kurs absolut stabil und kann so eingestellt werden, dass er mit wenig Ruderbewegungen auskommt. Auch ohne Windsensor ist das Gerät unter Segel durchaus einsetzbar und nützlich.
Heute ( 2.06.) sind wir von Amorgos zur Insel Antiparos gefahren (47sm). Es war absolute Flaute. Wenn nicht das Satellten-Modem gestreikt hätte, wäre es richtig langweilig gewesen. Erst nach mehreren Telefongesprächen mit der Firma GESAT, kam ich wieder ins Internet und damit auch zu den Wetterdaten. Ein bisher unbekannter Software-Fehler hatte mir den Zugriff auf das Modem verweigert. Gegen 15 Uhr ankern wir in der Bucht Despotikou (Antiparos) und nehmen unser erstes Meerbad in diesem Jahr. An die 21°C muss man sich erst gewöhnen.
Erstes Bad, verdammt kalt